Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1255037
englifche 
Malerei 
Jahrhunderts. 
Begründer 
Die vier 
Vorläufer. 
1061 
ift, Ptellen eine Fülle gefunder Grundfätze im Sinne der Verwerfung jeder 
Nachahmung und der Anerkennung eigener Beobachtung als einziger Grund- 
lage einer nationalen Kunft auf, widerfprechen aber Hogarths eigener Theorie 
und Praxis durch die Forderung einer conventionellen, {ich als Wellen- oder 
Schlangenlinie darftellenden vSchönheitslinier (the line of beauty and grace). 
Trotz vieler Anfeindungen und Fehden, die er kampfesfroh befland, brachte 
er es durch feine Kunfl zu Anfehen und Vermögen; 1756 wurde er vserjeant 
paintere des Königs; die Gründung der königl. Akademie, der er widerftrebte, 
erlebte er nicht. Er flarb am 26. Oct. 1764 in feinem Haufe zu Leicefler Sein Ende. 
Fields. 
Schon zu feinen Lebzeiten und bis auf den heutigen Tag hat man darüber gääfiäglss 
geflritten, ob Hogarth ein Maler im vollen, künfllerifchen Sinne des Wortes Säärgäzr 
oder nur ein Satiriker, der f1ch zufällig des Pinfels flatt der Feder bedient Künüler. 
habe, gewefen fei. Horace Walpole') fagt geradezu, dafs er ihn mehr als 
einen Luflfpieldichter mit dem Stifte, denn als einen Maler anfehe. Neuere 
Kritiker 2) heben dagegen auch die technifch-malerifchen Eigenfchaften feiner 
Werke hervor. In der That zeigen fchon feine Bildniffe, dafs er die malerifche 
Technik vollkommen beherrfchte; und feinen bellen fatirifchen Sittenbildern, 
wie der Folge ßMariage a la modea in der Londoner National Gallery, wird 
man nicht nur fcharfe Charakteriflik der einzelnen Figuren nachrühmen, fondern 
auch weder klare und gute Anordnung, noch malerifche Haltung der Pinfel- 
führung und der Farbengebung abfprechen können. Ebenfo wahr aber ift es, 
dafs es Hogarth bei vielen feiner charakterifüfchften Darflellungen nur darum 
zu thun war, die von ihm erfundene Gefchichte und ihre Tendenz möglichfl: 
deutlich zu veranfchaulichen und durch den Kupferflich zu verbreiten, mit 
anderen Worten, eine moralifche, nicht aber eine künftlerifche Wirkung zu er- 
zielen; und in diefen Fällen vernachläfflgte er nicht felten die Technik der Oel- 
malerei und übertrieb er nur allzu oft die Charakteriflik feiner Geflalten zur 
vollen Karikatur. Die Abficht, zu karikiren, fcheint er zwar nur in Ausnahme- 
fallen, wie bei feinem durch den Stich verbreiteten Bildnifs feines Gegners, des 
freifinnigen Politikers John Wilkes, gehabt zu haben. Seiner eigenen Ausfage 
nach war fonft die flrenge, ungefchminkte Wiedergabe der Wirklichkeit fein  
Ziel. Allein da er, aufser wenn er Bildniffe malte, nicht nach der Natur, 
fondern nach der Erinnerung zu zeichnen pflegte, fo darf es uns bei der aus- 
gefprochenen abfchreckenden Tendenz, die er fafl jeder Geflalt feiner Bilder 
verlieh, nicht wundern, wenn feine bittere Phantafxe diefe unwillkürlich in's 
Abflofsende verzerrte. Sein Vorgänger auf diefem Gebiete ifl eigentlich nur 
der Leidener Maler Jan Steen (oben S. 798), der freilich naiver war als Hogarth 
und denn doch in feinen heften Schilderungen des Laflers auch noch über andere 
malerifche Reize verfügte, als der Engländer. Jan Steen fetzt {ich manchmal 
dem Verdacht aus, im Grunde feines Herzens die Lafter, welche er darflellte, 
gar nicht mit fo fehr fcheelen Augen angefehen oder doch wenigflens an ihren 
rein malerifchen Aufsenfeiten eine aufrichtige Freude gehabt zu haben. Dies 
I) Anecdotes of painting a. a. O. (ed. X872) S. 
2) R. (y S. Redgrave: A century of painters a.
        

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