Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254977
Die 
Malerei 
englifche 
Jahrhunderts. 
1055 
Auf dem Gebiete der eigentlichen Dichtkunft huldigte England in der 
erften Hälfte des Jahrhunderts unter Jofeph Addifon (1672-1719) und Alexander Addifon. 
Pope (1688-1744) freilich noch der correct-franzöfifchen Glätte und Regel-Pope- 
rechtigkeit. Doch kam mit James Thomfon's (1700-1748) ßJZIlITCSZCltCIIu (The Thomfon. 
Seasons 1726), der berühmten, in reinlichen Verfen gefchriebenen Natur- 
befchreibung, ein echt germanifches Grundgefühl innerhalb des Lehrgedichtes 
zum Durchbruch; gerade diefes Buch hatte daher auch einen entfcheidenden 
EinHufs auf die Entwickelung der deutfchen Literatur; und nach und nach 
folgten ihm die Werke, in denen die germanifche vEmpfindfamkeite des  
18. Jahrhunderts, die eben auch erft von England nach Deutfchland verpflanzt 
wurde, ihre fchijnflen Blüthen entfaltete: Edward Young's (1681-1765) 1741 Young. 
erfchiene vNachtgedankem (The complaint or night-thoughts), Thomas Gray's Gray. 
(1716-1771) ßDorfkirchhofs-Elegiea (Elegy written in a country church-yard), Macpherfonl 
James Macpherfonfs (1737-1796) feit 1760 veröffentlichter vOfliana, und Sterne. 
Lawrence Sternes (1713-1768) aEmpfindfame Reifer (Sentimental journey 
through France and Italy, 1767). Mit Werken diefer Art, mit den humoriiti- 
fchen Schriften Jonathan Swift's (1667-1745) und Thomas Smollefs (1720- äxffl-en 
1771), fowie mit den Romanen Daniel Defoes (1663 -'1731), deffen berühmter Defoe. 
vRobinfon Crufoer 1719 erfchien, Samuel Richardfons (1689-1761), deffen Richardfon. 
auch von unferem Chodowiecki illuflrirte wClariffaa 1748 erfchien, Henry 
Fieldings (1707  deffen 1750 erfchienener wTom Jonesr, wie Scherr Fielding- 
fagt, vder erfle realiPtifch-nationale Familienroman der englifchen Literatur ilta, 
und Oliver GoldfmithÄs (1728-1774), deffen 1766 herausgekommener idyllifcher Cwldfmith- 
Roman z-The Vicar of Wakeüelde in der ganzen Welt gelefen wurde, über- 
nahm England die Führung der Literatur des 18. Jahrhunderts wenigltens für 
die germanifchen Länder. Freilich hatte diefe ganze Literatur immer noch 
etwas Gemachtes, Ablichtliches, Grundfätzliches, wie es dem 18. Jahrhundert, 
foweit es {ich von der Schlüpfrigkeit frei machte, nun einmal eigen war; und 
erft im Uebergang zum 19. Jahrhundert, gleichzeitig mit der deutfchen Literatur, 
welche ihrerfeits zuerft wieder Shakefpeare auf den Schild gehoben hatte, 
befann flCh die englifche Literatur auf ihr wirklich befferes oder beftes Selbft, 
kehrte He mit Dichtern, wie Robert Burns (1759-1796), der fogar noch ganz Bums- 
dem 18. Jahrhundert angehört, wie Walter Scott (1771-1832), Thomas Moore 301"); 
(1780-1851), William Wordsworth (1770-1850), Samuel Taylor Coleridge gjqgfisävßerlh 
(1772-1834), Robert Southey (1774-1843), vor allen Dingen aber mit dem Southeä. 
wahrhaft grofsen Lord Byron (1788-1824) zur vollen Kraft und Naturwahrheit, Byron. 
zu echtem Schwung und Feuer zurück. 
Es wäre wunderbar, wenn auf dem Boden fo grofsen Nationalreich- 
thums und fo hoher Nationalbildung {ich nun nicht endlich auch die Malerei zu 
felbftändiger Blüthe entfaltet hätte; und in der That fehen wir jetzt eingeborene  
englifche Meifter {ich einen nach dem anderen rafch zu dem Range erheben, den bälnngläpcfsr 
feit den Tagen Heinrichs VIII. vornehmlich deutfche und niederländifche Maler llfalerein 
im englifchen Kunflleben eingenommen hatten. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts 
brauchte England nicht nur keinen fremden Künftler mehr zur Ergänzung feiner 
einheimifchen Meifler, fondern {fand Alles in Allem genommen, wenn anders 
geißige Eigenart auf der Grundlage tüchtigen technifchen Könnens höher fteht,
        

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