Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254885
1046 
Buch. 
Siebentes 
Fünfter Abfchnitt. 
Künfiler, der die folide, wirklich malerifche Maltechnik der guten alten Zeit 
Agzijgigffläer bis fo weit in's I9. Jahrhundert hineinrettete. Er malte eine grofse Anzahl 
der berühmteften Leute feiner Zeit. Nach feiner eigenen Angabe hat er 1240 
Originalbilder gemalt, die mit verfchwindenden Ausnahmen, wenn nicht aus- 
nahmslos, Blldniffe waren. Nachweisbar {ind ihrer, theils im Original, theils in 
zeitgenöffifchen Stichen 1), zur Zeit nur gegen 300. Auch diefe können wir 
Bääirjffe hier natürlich nicht aufzählen. Seinen Entwicklungsgang, der übrigens keine 
fcharfen Wandlungen zeigt, kann man am beflen an feinen I7 Bildern in der 
in Dresden, Dresdener Galerie verfolgen. Eine zeitliche Folge bilden hier fchon feine drei 
trefflichen Selbftbildniffe von 1765 (fein akademifches Receptionsbild), von 1795 
(in ganzer Geftalt auf dem Stuhle fltzend) (Fig. 679) und aus feinem letzten 
Lebensjahre. Mit feinem Namen bezeichnet hat er das grofse Bildnifs Friedrich 
Augufts des Gerechten von 1795. Zu feinen lebendigfien und vollendetlten 
 Bildniffen gehören diejenigen des Hofhiftoriographen Gottlob Boehme und feiner 
Familie. Auch in anderen Dresdener Sammlungen und im Dresdener Privat- 
befitze, befonders in demjenigen der königl. Familie, haben [ich noch zahlreiche 
in Leipzig, Bildniffe feiner Hand erhalten. Nicht minder zahlreich llHClAllE in Leipzig; hier 
kommt vor allen Dingen die berühmte Sammlung berühmter Deutfchen in 
Betracht, welche Graff im Auftrage des Buchhändlers Philipp Erasmus Reich 
gemalt hatte. Sie gehört der Leipziger Univerfitätsbibliothek und befteht aus 
26 Bildniffen, unter denen fich diejenigen Gellert's, Ramler's, Mendelsfohds, 
Sulzer's und Leffmgs befinden. Auch das Leipziger Mufeum, das Leipziger 
Rathhaus und Leipziger Buchhändler befitzen noch vortreffliche Reihen Graff- 
in Berlin, fcher Bildniffe. In Berlin befinden fich ihrer befonders viele in den königl. 
Schlöffern, einzelne aber auch in der Akademie der Künfie, in der königl. 
Bibliothek, im königl. Kupferftich Cabinet und in der Nationalgalerie.  In 
i" Winterthur, der Vaterliaclt des Künlilers, find die Kunlthalle und die Stadt- 
bibliothek reich an Bildern feiner Hand. Im Privatbelitz ift er ebendort, in 
Bafel, in Zürich und anderen Schweizer Städten gut vertreten.  In Deutfch- 
 in Sagan, land befitzt das herzogliche Schlofs zu Sagan noch eine Hauptfammlung Graff- 
fcher Bildniffe, in ihr das berühmte Familienbild des Meiiiers. Uebrigens ift 
mäfflfff" diefer mit einer Reihe trefflicher Werke noch im Weimarer Mufeum, mit 
einigen gdten Bildern in den öffentlichenjSammlungen zu München, Braun- 
fchweig, Gotha, Hamburg vertreten.  Die Perfönlichkeiten der zweiten Hälfte 
des vorigen Jahrhunderts fpiegeln {ich gerade deshalb fo überzeugend und 
lebendig in Graffs Werken Wieder, weil er fie nicht durch die Brille der Manier 
feiner Zeit, fondern mit natürlichen, gefunden, durchdringenden Künfileraugen 
angefehen hat. 
 War Graff ausfchliefslich Bildnifsmaler, fo war der nächfte im Alter, der 
Äahcllljffäljreufse Philipp Hackcrl, ebenfo ausfchliefslich Landfchaftsmaler, ja genau ge- 
nommen nur der Vertreter eines Zweiges der Landfchaftsmalerei, jener fchon 
I) Sein Hauptfcecher, wie derjenige Oefefs, war 7011. firizdr, Baufe, geb. zu Halle a. d. S. 
1738, geil. zu Weimar 1814, während feines Lebens aber hauptfächlich als Profeffor in Leipzig thätig. 
Baufe war neben Wille und Schmid, deren Spuren er folgte, der tüchtigfle deutfche Stecher im eigent- 
lichen Sinne des vorigen Jahrhunderts. Er {lach I8 Werke Oefer's, 45 Gemälde GraFPs.  Vergl. 
Dr. Georg K227i Katalog des Kupferftechwerkes von I. F. Baufe. Leipzig 1849.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.