Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254849
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Buch. 
Siebentes 
Fünfter Abfchnitt, 
Kunft führte. Um 1749 kehrte die Familie Mengs nach Dresden zurück. 
Diäcäfn- Der einundzwanzigjährige Meiiter wurde hier jetzt zum Hofmaler ernannt 
lzxfiäfäiie und mit Ehren und Aufträgen überhäuft. Schon 1752 aber zog er wieder 
1151- in Rom ein, um den Süden nicht mehr zu verlaffen. Auch am Tiber winkten 
Kolfqnof; ihm Aufträge und Ehren jeder Art. Später wurde er fogar Präfident der 
Accademia di San Luca. Engfte Freundfchaft fchlofs er mit Winckelmann, als 
diefer einige Jahre fpäter in Rom auftauchte; und neben der Nachahmung 
Raphaels und Correggiols lernte er von diefem Augenblicke an natürlich auch 
die Nachahmung der wAntikea als eine Nothwendigkeit anfehen.  Sein erftes 
 gröfseres F rescogemälde in Rom malte er 1757 an die Decke der leider gegen- 
i" Rom- wärtig dem Abbruch geweihten, wenn nicht fchon abgebrochenen Cölelliner- 
 kirche S. Eufebio. Es ftellt die Vergötterurmg des Schutzheiligen der Kirche 
für den Anblick vom Eingang aus in mafsvollen, aber lebendigen Formen, in 
blühenden, harmonifchen Farben und in gediegenfter Technik dar. Gegenüber 
den für die Unterficht berechneten Mode-Deckenmalereien der Zeit erfchien 
 diefes NVerk wie eine neue Offenbarung. Es trug Mengs den Auftrag ein, den 
Parnafs, Apollo und die Mufen an die Decke des Hauptfaales der Villa Albani 
zu malen. Diefes Werk (Fig. 677), das zugänglichfte und bekanntefie feiner 
grofsen Fresken, zeigt zum erPcen Male neben deutlichen Erinnerungen an 
Raphael, befonders im Apollofelbft nicht minder deutliche Anklänge an die 
Antike. Dafs es uns trotz feiner frifchen Farben, feiner reinen Zeichnung und 
feiner mufterhaften Technik kalt anmuthet, darf uns ebenfowenig wundern, wie 
dafs es, da es in der That einen vollen Bruch mit der Rococokunft bedeutete, 
einen bahnbrechenden Einflufs auf ein halbes Jahrhundert hinaus erlangte. 
Bfrifueng Im Jahre 1761 ging Mengs als Hofmaler König Karls III. von Spanien 
Sgjrfilän! nach Madrid; 1769 nahm er Urlaub, um Italien wiederzufehen; 1771 war er 
 1761: Wieder in Rom, wo er nun feine berühmten decorativen Fresken im Papyrus- 
  zimmer der vaticanifchen Bibliothek fchuf; 1773 wurde er, da er feinen Urlaub 
Seinäqäxiick- nur fchon allzulange ausgedehnt hatte, nach Madrid zurückberufen, wo er 
kggainilsriih Riefenarbeiten unvollendet hinterlaffen hatte; aber da er das Madrider Klima 
seinÄ77f11-iim- nicht vertrug, erhielt er fchon 1775 abermals Urlaub, um nach Rom zurück- 
  zukehren, WO er am 29. Juni 1779 itarb 
säiänfod In Madrid hatte er zahlreiche Tafelgemälde, zahlreiche Wand- und Decken- 
  fresken, befonders im Wetteifer mit Tiepolo im königlichen Schloffe gemalt. 
Maddi Hervorzuheben lind: im Wohnzimmer des Königs das Deckenbild, welches die 
Aufnahme des Hercules in den Olymp darftellt; im ehemals fogenannten vSalon 
der Königin-Mutterr die vier YVandgemälde der vier Jahreszeiten unter dem 
Deckenbilde der Aurora; im Speifefaal des Königs die Vergötterung Trajan's 
und der vTempel des Ruhmesa. So geiftvoll decorativ wie Tiepolds Decken- 
fresken in demfelben Palaße erfcheinen uns diejenigen des Raphael Mengs 
natürlich nicht; aber fie find körperhafter, voller, gediegener in der Durch- 
bildung, blühender, wenn auch weniger harmonifch einheitlich in der Farbe. 
Den Verfaffer, welcher f1e 1879 fah 1), erfüllten fie mit aufrichtiger Bewunderung 
I) Nur die Thüren des Aurorazimmers, 
wurde, öffneten {ich ihm nicht. 
damals von 
welches 
der Prinzefiin von Ailurien bewohnt
        

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