Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254256
Die franzöüfche Malerei des 
Jahrhunderts. 
übrigen 
Meifler. 
983 
liefs. Auch die Staffage fpielt eine wichtige Rolle in feinen Bildern. Nicht 
nur Gebäude und Ruinen, fondern auch Volksgruppen jeder Art hatte er in 
der Umgegend Roms ftudirt; und gefchickt und verfchwenderifch wufste er 
feine Studien diefer Art zur idyllifchen, epifchen oder gar dramatifchen Belebung 
feiner Bilder zu verwerthen. Etwas leer in der Pinfelführung, etwas bunt in 
der Färbung, etwas conventionell in der Gefammthaltung kommen diefe uns 
heute trotz alledem vor. Aber Jofeph Vernet war alles in allem genommen Beüsefffein 
der beliebtefte und berühmtefie Landfchaftsmaler des vorigen Jahrhunderts. 
Fruchtbar, wie er war, "malte er für die Liebhaber ganz Europas, und nicht 
weniger als fünfzig verfchiedene Stecher arbeiteten an der Verewigung feiner 
Bilder. Bei einzelnen von ihnen zu verweilen, verlohnt {ich für uns jedoch Seine Bilder 
kaum noch. Im Louvre zu Paris fleht man, aufser feinen I5 grofsen Dar- im Louvre, 
ftellungen franzöfifcher Hafenfiädte (1754-1765), noch 29 Landfchaften jeder 
Art von feiner Hand. Aehnliche Bilder Jos. Vernet's fehlen aber auch in kaum 
einem der franzoflfchen Provinzialmufeen. In Rom ift er in der Galerie Corfini in Rom, 
und in der Accademia di San Luca, in Florenz in den Ufüzien vertreten. Von in Flmn, 
den' öffentlichen Sammlungen des Fefllandes belitzen z. B. noch diejenigen zu  n w' 
Berlin, München, Wien, Karlsruhe, Madrid, St. Petersburg und Stockholm 
Bilder feiner Hand. Befonders reichlich ift er in der Galerie Harrach zu Wien 
vertreten. In England kann man ihn in der National Gallery zu London und 
im Dulwich College, aber auch in vielen der grofsen Privatfammlungen kennen 
lernen. 
Von feinen Schülern iPt Lacrozkr z. B. in den Mufeen zu Lille, Dijon und Lacroix. 
Touloufe, fean-Antoine Volaire aber, deffen Befonderheit ßVefuvausbrüchee vo1a;,e_ 
waren, in den Mufeen zu Compiegne, Narbonne, Nantes und Hävre, in der 
Akademiefammlung zu Wien und in Ince Hall bei Liverpool vertreten. Die 
Lebensumftände diefer Künftler, von denen fich befonders der letztere einer 
unglaublichen Aeufserlichkeit hingiebt, find nicht bekannt.  
Länger als durch feine eigenen Werke und als in feinen Schülern aber 
lebt Jofeph Vernet in feinen Nachkommen fort. Schon fein Sohn Carle Vernet CarleVernet. 
(Antoine-Charles-Horace), der 1758 in Bordeaux geboren wurde und 1835 in 
Paris Ptarb, wurde, nachdem er während der letzten Jahrzehnte des I8. Jahr- 
hunderts mannichfache Wandlungen durchgemacht, einer der grofsen franzöfi- 
fchen Schlachtenmaler der Napoleonifchen Zeit, einer der beliebtefien Jagd-, 
Thier-, Landfchafts- und Sittenmaler der Reftauration, vor allen Dingen auch 
ein geiflreicher Satiriker in leicht karikirenden Federzeichnungen. Carle's Sohn, 
Jofeph's Enkel Harace Vernet (1789- 1863) aber wurde der berühmte 
Schlachten- und Sittenmaler der Neuzeit, welcher zu den Leuchten der fran- 
zöfifchen Kunft der erflen Hälfte des 19. Jahrhunderts gezählt wird. Auf beide 
können wir im Rahmen diefes Buches nicht mehr eingehen. 
Von den franzöfxfchen Schlachtenmalern des I8. Jahrhunderts fchloffen Franzöflfche 
Y. B.Marz'z'1z (1659-1735) und fein Vetter Pierre Denis Martin (Lebensdaten  
unbekannt) fich noch eng an ihren Lehrer A. F. van der Meulen (oben S. 376)  
an. Beide waren zugleich Anfichten-Maler. Ihre Werke trifft man im Louvre 
und im Invalidenhötel zu Paris, in den Schlöffern zu Verfailles und Chantilly 
und in einigen franzöfifchen Provinzialgalerien.
        

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