Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254178
franzöflfche 
Malerei 
Jahrhunderts. 
franzötlfchen 
Sittenmaler. 
975 
erhielt. Da er aber mit der Einlieferung feines "Receptionsbildes zögerte, 
wurde er erft 1769 Mitglied der Akademie. Sein Receptionsbild wSeverus und 
Caracallar, welches gegenwärtig im Louvre ausgeftellt ift, entfprach jedoch Hiftfäiejlbild 
Greuze's Eigenart fo wenig, dafs er zu feinem gröfsten Verdruffe nicht als im Louvre- 
vI-Iiftorienmalerr, fondern nur als xSittenmaleri aufgenommen wurde. Auf 
dem Gebiete der Sittenmalerei feierte er darauf in der That noch Triumph 
auf Triumph. Er verdiente {ich ein Vermögen, das er indeffen infolge unglück- 
licher Familienverhaltniffe wieder verlor, fodafs er feine alten Tage im Elend 
verbrachte. Er ftarb zu Paris am 21. März 1805.  Greuze war der Mann Sein Tod. 
Diderofs, deffen Kritiken ihn überfchwänglich feierten. Das bürgerliche Rühr- teglaääalä-er 
ftück, welches Diderot theoretifch vertheidigte und praktifch auf die Bühne Sittenbilder- 
brachte, war Greuze's Vorbild für die Sittenmalerei. Die einfache malerifche Greuzes" 
Auffaffung fchlicht häuslicher Vorgänge, durch welche Chardin {ich auszeichnete, 
lag ihm fern. Er gehörte zu den vEmpfindfamem. Es kam ihm mehr auf 
die fittliche Tendenz feiner Bilder als aut ihre künfilerifche Abrundung und 
Durchführung an. Seine Kunfi wollte nicht mehr den Sinnen fchmeicheln,  
fondern belehren; und wenn Greuze trotzdem dem Gefchmack des Zeitalters 
Ludwigs XV. auch in feinen Sittenbildern gelegentlich Zugeftändniffe machte 
und feinen moralifirenden Darftellungen aus dem bürgerlichen Leben fogar eine 
grofse Reihe elegant egemalter hübfcher und ausdrucksvoller Kinder- und Kinäeelirleund 
Mädchenköpfe als angenehme Verkaufswaare an die Seite fetzte, fo beruhte Mädchen- 
feine Volksthümlichkeit zu feinen Lebzeiten doch gerade auf jener revolutio- kopfm 
nären fittenrichterlichen Richtung, die er in feinen Tendenzbildern einfchlug. Seine Bilde;- 
Gleich fein vFamilienvater, welcher den Seinen die Bibel erklärte, hatte fchon 
durch den Reiz der Neuheit einen ungeheuren Erfolg. Das Bild befand fich, 
wenigfiens im vorigen Jahrzehnt, in der Sammlung Bartholdy-Deleffert zu in der 
Paris l). Der Louvre zu Paris ift ziemlich reich an Sittenbildern Greuzes Hier iifrfiiriiliilrä 
befindet fich feine 1761 ausgeiiellte wVerlobunga (wLaccordee de villager) Peigirreiiizu 
(Fig. 661), hier fein berühmter dramatifch, aber auch theatralisch bewegter "n Lamm 
vVäterlicher Flüche, hier der nicht minder berühmte ißZerbrochene Kruga und 
vdie Familie am Todtenbette des Vaterse. Im Ganzen befitzt der Louvre, 
einfchliefslich der Sammlung Lacaze, 15 Bilder des Meifters. Von feinen 
11 Bildern im Mufeum zu Montpellier gehören ßdas Morgengebeta und ßßLe Älontijemer, 
gäteau des roisw hierher, von feinen Bildern in der Ermitage zu St. Petersburg Peigrißt-"g, 
ider Gelähmte, den die Seinen pfiegena. Der Parifer Privatbefitz ift noch Privaiggentz, 
reich an derartigen Bildern Greuze's. wDas Milchmädchem im Rothfchildfchen 
Befitz ift ein Gegenfiück zum xZerbrochenen Krugx des Louvre. Von feinen 
Bildern in England, zu deffen Lieblingsmeifiern Greuze gehörte, lind als Sitten- Qfvzgtliicüäzf 
bilder befonders hervorzuheben: xdie Mutter mit ihren Kinderna im Buckingham 
Palace, vdie Kinderftubee im Rothfchildfchen Befitze, das etwas aus der Rolle 
fallende vGebet zum Liebesgottr, der vZerbrochene Spiegelr und xdie zer- 
brochenen Eiere bei Sir Richard Wallace in London. Zahlreiche andere Bilder 
diefer Gattung find nur durch die Stiche bekannt. Greuze felbft hatte das 
I) Da diefes Exemplar {ich bis auf die Sammlung Live de Jully, der das Original urfprüngliclx 
angehörte, zurückverfolgen läfst, I0 kann das 1874 für die Dresdener Galerie erworbene nur eine fpiitere 
Wiederholung fein; wahrfcheinlich ifi: es fogar eine Copie von fremder Hand.
        

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