Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250144
572 
Buch, 
Sechstes 
Abtheilung. 
Abfchnitt. 
Zweiter 
italienifche Natur und das italienifche Volksleben, von leuchtendem Sonnenlicht 
Kunsffääß umfpielt, mit offenen Augen angefehen hatte und, was er gefehen, am liebften 
zu prächtig mit Säulenruinen ausgeftatteten, reich mit farbig gekleideten 
 Figuren belebten füdlichen Campagna- oder Seehäfenbildern verarbeitete; nicht 
ohne decorative Verfchönerungsverfuche in Formen und Farben, aber zugleich, 
befonders im figürlichen Theil, nicht ohne gefunde und frifche Naturanfchauung 
dazu immer breit und kräftig im Vortrag. Selten wählt er feine Stoffe aus 
bibiäies der biblifchen Gefchichte, wie in der Darftellung der Begegnung Jacobs und 
Dliiefldäfh Efaus in der Dresdener Galerie, felten aus der Dichtkunft, wie in feinem 
5:112 ggf Erminiabilde des Berliner Mufeums; in der Regel vielmehr aus dem wirklichen 
262312133": Volksleben feiner Zeit. Campagnabilder feiner Hand mit Ruinen, Hirten, 
igigzibfljirg; Heerden und Hunden befitzen z. B. die Ermitage zu St. Petersburg, die Stutt- 
Ägnzzrgglälßil: garter Galerie, das Schweriner Mufeum und die Galerien Liechtenftein und 
lungßn- Czernin zu Wien; farbiges Volksleben unter italienifchen Prachtgebäuden Pcellen 
5533231332; feine beiden bezeichneten Bilder der Münchener Pinakothek dar. Am liebften 
i" ääfjsie" aber verlegte er feine Säulenruinen und Prachtbauten in die Nähe des bunt 
Sammhmgem belebten Seefirandes; füdliche Seehäfen hat er am häufigften dargeftellt. Vor- 
zügliche, zumeift durch feine Namensinfchrift beglaubigte Bilder diefer Art be- 
fltzen das Antwerpener Mufeum, der Louvre zu Paris, die Ermitage und die 
Akademiefammlung zu St. Petersburg, das Stockholmer Mufeum, die Karlsruher 
Kunfthalle, die Akademie und die Galerie Liechtenfiein zu Wien, die Samm- 
lungen im Stafford Houfe und im Hertford Houfe (Richard Wallace) zu London. 
52,121; Den Uebergang zu nordifchen Stilleben und Hühnerhofdarftellungen bildet feine 
"Ejfäüriftzff" bezeichnete Küchendarftellung mit dem Bauernmädchen im Schweriner Mufeum. 
mgen- Natürlich gehören die Darftellungen diefer Art feiner fpäteren Utrechter Zeit 
an, wie fein eigentliches Küchenitilleben mit der Katze im Schweriner Mufeum 
denn auch die Jahreszahl 1652 trägt. Zwei Stilleben feiner Hand befitzt auch 
die Galerie Liechtenftein zu Wien; und die Dresdener Galerie bewahrt fein 
kräftiges, aufserordentlich wahr und frifch durchgeführtes Hühnerhofbild, welches 
 eine gehaubte Henne zeigt, die ein kleiner Hund anbellt. 
 Bei Bildern diefer Art erft verftehen wir, dafs fein Sohn Jan Weenix, der 
 berühmte Stillebenmaler, und fein Neffe Melchior d'Hondecoeter, der berühmte 
Hühnerhofmaler, feine Schüler waren. Die verfchwägerten Familien Weenix und 
HondecoeteH) nahmen eine Doppelfiellung zwifchen der Utrechter und der 
Amfterdamer Schule ein. Wir werden Iie am beften gleich an diefer Stelle 
befprechen. 
Jan Wsenix- Zunächft alfo Giovanni Battifla Weenix' Sohn Ymz Weembc. Diefer war 
1640 9) noch in Amfterdam geboren, folgte aber feinen Eltern nach Utrecht, 
Sein Leben. wo er feines Vaters Schüler wurde. Von 1664-1668 finden wir ihn auch als 
Mitglied der Utrechter Gilde verzeichnet 14). Dann fiedelte er nach Amfterdam 
I) Vgl. Ho-zlärakzn ed. 1753 II. p. 77-82 und III p. 68-75. 
2) Da diefes Datum urkundlich fefiüeht, mufs feine eigene Angabe, nach welcher er bei feiner 
Verheirathung 1679 erfl 30 Jahre alt gewefen (Oud Holland IV p. 300), entweder auf einem Schreib- 
fehler beruhen, oder der Meifter hat {ich (wie ßrediux annimmt) aus Anlafs feiner Verheirathung jünger 
gemacht, als er war. 
3) S, zllzzller, Schilders-Vereenigingen, p. 33.
        

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