Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1254050
Die 
franzölifche 
Malerei 
Jahrhunderts. 
Die franzöiifchen 
Sittenmaler. 
963 
Zeitlang Hier lernte er in Stichen und Handzeichnungen die Venezianer 
kennen; ficher fah er hier auch Stiche nach Rubens vLiebesgartem (oben 
S. 428), diefer köftlichen Darftellung, die ein Lieblingsthema Watteaus, wenn 
auch mit der Empfindung eines anderen Zeitalters, fo doch im Grunde bereits 
in ganz gleicher Auffaffung behandelte. 
In Liebesgartendarftellungen diefer Art gipfelte auch die Kunft Watteaus. Die 
Nachdem er in feinen Entwicklungsjahren fich in verfchiedenen anderen Gegen-  
fiänden verfucht, in bäuerlichen Sittenbildern der Art David Teniers des Watmus 
Jüngeren, den er eine Zeitlang in der Pinfelführung und in den Vorwürfen zum 
Vorbild nahm, in Bildern aus dem Kriegsleben, wie er fie bei feinem zweiten 
Jugendaufenthalt in Valenciennes nach der Natur fludiren konnte, in rein deco- 
rativen Arbeiten und in noch etwas nüchternen landfchaftlichen Darftellungen, 
widmete er fich in feiner reifen Zeit faPt ausfchliefslich der Darftellung der 
fog. ifetes galantesr. Diefe wgalanten Fefter beflanden, genau genommen, in gifagfiiff 
der Darftellung freier Liebe in freier Natur; fie kamen alfo der Sinnlichkeit 
und der Naturfehnfucht des Zeitalters entgegen und fanden eben deshalb 
überall eine begeifterte Aufnahme. Es mufs jedoch fofort betont werden, dafs 
Watteau's Darftellungen diefer Art weit davon entfernt lind, unfchicklich oder 
auch nur zweideutig zu fein. Die Liebenden, welche er paarweife unter den Clhiliällftrer 
hohen Bäumen köftlicher Parklandfchaften mit klaren, fonnigen Fernen wandeln, der Kuriß 
ruhen und fich bald zu gröfseren, bald zu kleineren Gruppen vereinigen läfst, Wamaul 
pflegen nicht nur züchtig bekleidet zu fein, manchmal in Hirtentracht, öfter in 
den bekannten Theaterverkleidungen, nicht felten aber doch auch in der Mode- 
kleidung des Jahrhunderts, zu deren Entwicklung Watteau fogar beitrug, fondern 
{ich auch bei aller Innigkeit und Ungezwungenheit ihres Verkehrs mit ein- 
ander in den Grenzen der Wohlanftändigkeit und Vornehmheit zu bewegen. 
Eben darin liegt ein fernerer Grund des Beifalls, den Watteau's Bilder fanden. 
Es fchmeichelte der franzöflfchen Gefellfchaft, ihr in Wirklichkeit oft genug 
wüftes Treiben im Lichte der Kunft fo liebenswürdig verklärt zu fehen. Den 
empfänglichen Befchauer aller Zeiten aber erfüllt der Idealismus, der in diefer 
Verbindung von Sinnlichkeit und Unfchuld, von den Umgangsformen der beflen 
Gefellfchaft und grofser, frifcher Naturanfchauung liegt, mit poetifchen Empfin- 
dungen, die ihn mitten in ein fonniges Feenland verfetzen. Die tüchtigen 
Naturftudien, die, wie Watteaus zahlreiche, treffliche I-Iandzeichnungen beweifen, 
allen feinen Geftalten und feinen Landfchaften zu Grunde liegen, geben diefem 
Idealismus zugleich aber auch den gefunden, realiftifchen Untergrund, ohne den  ritiiäh 
in echter Kunft kein geiftiger Auffchwung denkbar ift. NVatteads Farben- ifgtirguneii. 
gebung ifl dabei noch unmittelbar durch Rubens leuchtende Vielfarbigkeit 
beeinflufst, aber warm und milde abgetönt. Seine Pinfelführung ift im Ganzen  
leicht und geiftreich, doch aber gewiffen Wandlungen unterworfen; befonders 
duftig und zart War fie, als der Meifler um 1717 fein Receptionsbild für die 
Akademie ablieferte; fefler und körperhafter wurde fxe in feinen letzten Jahren. 
Watteau war ein Heifsiger und fruchtbarer Künftler; doch fmd manche Erhaltung 
feiner Werke infolge des von ihm angewandten Bindemittels, welches mit 
der Zeit zu ftark austrocknete und Sprünge und Riffe in der Farbenfiäche 
erzeugte, zu Grunde gegangen, manche in der Zeit des den Meifter mifsachten- 
 615i?
        

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