Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253839
fpanifche 
Malerei des 
Jahrhunderts. 
941 
urnfloffen. Auch die Balconfcene im Palazzo San-Telmo zu Sevilla, die xjunge  
Fraux im Louvre zu Paris und idie Verkäuferim in der Pefter Galerie find in i; giftig, 
diefem Zufammenhange zu nennen. Manches der Art befindet {ich noch im Privirträentt 
Privatbefitze. 
Am bekanntefien ifl Goya aufserhalb Spaniens durch feine Radirungen, Ragijäljäen: 
die in der That nicht nur technifch meiflerhaft in ihrer flüchtigen, nur das 
Wefentliche hervorhebenden und diefes karikirenden Behandlung find, fondern 
auch ihrem wefentlich phantaflifch-fatirifchen Inhalt nach zu den eigenthümlich- 
ften Erzeugniffen der Kunft aller Zeiten und Völker gehören. Aufser einer 
Reihe von Einzelblättern (obras sueltas) hat Goya fünf gröfsere Folgen radirt. 
Die iCaprichosq 1) (Einfälle) (1793-1798) beilehen aus 80 Blättern, welche,capli'ifhosu_ 
die Thorheiten, den Aberglauben und die Lafter der Hofgefellfchaft und der 
Geifllichkeit, fchliefslich aber auch aller übrigen Stände geifseln. Viele der 
Satiren follen {ich auf beftimmte Vorgänge beziehen; doch find fie fchon durch 
ihre Unterfchriften möglichft verallgemeinert worden.  Die wKriegsleidem Difeygfjfäs- 
(Los Desastres de la Guerra) beftehen ebenfalls aus 80 Biättern, von denen 60 
Greuelfcenen aus der Zeit der franzöflfchen Invafion, oft mit phantaflifchen 
Zuthaten, fchildern, 20 aber an andere Zeitfragen anknüpfen. Viel befprochen 
ift das Blatt iNadaa: ein Toter entfleigt feinem Grabe und fchreibt mit feinem 
Leichenfinger das Wort vNadae, xnichtslx  Die vTauromaquiaw fchildert in Dijagfgßifo- 
33 Blättern die Gefchichte der fpanifchen Stiergefechte bis zum Tode des 1801 
gefallenen Pepe Hillo.  iLos Proverbiose (die Sprüchwörter) oder vLos Dääätiiätch" 
Sueflosa (die Träume), wie Goya fle felbft genannt hat, flnd eine Art Fortfetzung 
der iCaprichosa. Sie beftehen aus I8 Blatt. Von den iGefangenem (Fig. 649), 53326125; 
welche, um Mitleid zu erwecken, in kraffem Realismus die Qualen der Ge- 
feffelten hinter den Kerkermauern fchildern, iind nur einige wenige Blätter 
erhalten oder fertig geworden. 
Wunderbar ift, dafs Goya dem Zorn der Inquifition und dem Verdachte 
des Hofes entrann. Gegen die Inquifltion, welche ihn allerdings anklagte, 
fchützte ihn der König; gegen den Verdacht des Königs aber fchützte Goya 
fich felbft durch gefchickte Auslegung. Vielleicht hing feine fchliefsliche 
Selbflverbannung nach Frankreich aber doch damit zufammen, dafs er {ich in 
Spanien nicht ficher fühlte. 
Goya leitet die fpanifche Kunft ganz ohne Klafficismus und mit wenig ditfllläffß 
Romantik unmittelbar aus der Zeit des Verfalles in einen Realismus hinüber, 901'45- 
Welcher ein Vorläufer desjenigen der zweiten Hälfte des I9. Jahrhunderts war. 
Paul Lqfort in 
Gazette 
der 
18671 
xxn, 
191- 
.205 
und 
332.
        

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