Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253802
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Buch. 
Siebentes 
Zweiter Abfchnitt. 
Sein Geiß. 
manchmal auch falopp, niemals hergebrachten Methoden, ftets feinem augen- 
blicklichen Bedürfniffe folgend; feine Färbung ift niemals reich im Sinne der 
Venezianer; fie berückfichtigt hauptfächlich grofse Licht- und Schattenmaffen 
und ift durch Nachdunkelung manchmal fchwer geworden, in kleineren Oel- 
bildern oft aber auch zart und eigenartig. Als Künftler im geiftigen Sinne des 
Wortes hat er entfchieden mehr Geilt als Gemüth. In feinen grofsen Werken, 
welche hergebrachte Gegenftände behandeln, ftöfst er uns durch die Rohheit 
feiner Auffaffung manchmal zurück, zieht er uns durch feine unerfchrockene 
Wahrheitsliebe manchmal aber auch wieder an; in feinen Sittenbildern feffelt er 
uns durch die ungefchminkte Wiedergabe der graufigften wie der leichtlebigften 
Vorgänge, die er erlebte; in feinen Bildniffen intereffirt er uns durch die 
Schärfe feiner Auffaffung, wie durch die flüchtige Leichtigkeit feiner Behand- 
lung; am meiften er felbfl: aber ift er in feinen halb phantaftifchen, halb fatiri- 
fchen Radirungen, in denen er revolutionären, fkeptifchen und aggreffiven 
Tendenzen huldigt, das hohle Treiben der Geiftlichkeit und der Gefellfchaft 
feiner Zeit humorlos, aber unerbittlich bitter geifselt und mittelbar für Menfch- 
lichkeit und Aufklärung in die Schranken tritt. Seine Arbeiten auf diefem 
Gebiete überfchreiten aber oft die Grenze, welche fcharfe Charakteriftik von 
der Karikatur trennt.  
Voääiääeh Wenn Goya auch nicht läugnete, dafs Bayeu fein Lehrer "gewefen, fo 
bezeichnete er fpäter doch felbft die Natur, Velazquez und Rembrandt als 
feine eigentlichen Lehrmeifter. Von Rembrandt kann er jedoch kaum mehr 
als die Radirungen gekannt haben; und nur auf ihrem Gebiete, und auch auf 
diefem hauptfachlich nur als Techniker, konnte er fich als deffen Nachfolger 
anfehen. 
Jägzf, Bald nach feiner Rückkehr aus Italien, feit 1776, wurde Goya, durch 
arbeiten- Mengs herangezogen, beauftragt, farbige Cartons als Vorlagen für die in der 
dffjiläigäifä; Manufactur Sa. Barbara zu wirkenden Teppiche, welche die königlichen Schlöffer 
wirkerei- fchmücken follten, herzuflellen. Wahrfcheinlich durch die in Madrid befon- 
ders zahlreichen Teppiche nach Bildern D. Teniers d.  angeregt, wählte er 
durchaus fittenbildliche Motive. Das ganze fpanifche Volksleben fpiegelt {ich 
heiter und anmuthig in diefen Darftellungen wieder. Achtunddreifsig der 
Cartons beünden fich im Goya-Saal des Madrider Mufeums, die ausgeführten 
Teppiche theils im Pardofchloffe, theils im Escorial 1). Es ift bezeichnend, 
dafs Goya durch diefe feine frühe Hauptarbeit, welche feinen Ruhm entfchied, 
fofort energifch in's Fahrwaffer der Sittenmalerei gerieth. 
Gleichwohl blieben ihm auch grofse monumentale Aufgaben nicht erfpart. 
Frfigsin Im Jahre 1783 mufste er, mit anderen Schülern Bayeu's, grofse Fresken in der 
Katggärale Kathedrale zu Zaragoza ausführen. Er malte das Kuppelbild, welches die heil. 
"Zarasßlmjungfrau, umgeben von den Märtyrern, in der Himmelsglorie darflellt. Von 
allen Werken, die Goya gefchaffen, fleht diefes am meiften innerhalb der über- 
lieferten Auffaffung und des überlieferten Stils. Viel eigenartiger find die 
Fresken, mit welchen er 1798 die Kuppel und die Wände des Kirchleins San 
z" Madrid- Antonio de la Florida vor Madrid fchmückte; am eigenartigllen ifi das Kuppel- 
Seine 
Vorbilder. 
Cruzada 
Villaamil: Los Tapices 
Goya. 
Madrid 
1870-
        

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