Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253640
922 
Buch. 
Siebentes 
Erfier Abfchnitt. 
Paolo Veronefe bildete er feine Eigenart zur vollen Reife aus. Tiepolo ift 
durchaus ein Kind des I8. Jahrhunderts und wurzelt zugleich ganz in venezia- 
335,13? nifchem Boden. Seine zahlreichen Deckengemälde bilden in der genialen 
bilde" Leichtigkeit und Freiheit der Anordnung ihrer oft freilich im Verhältnifs zur 
Gröfse der Fläche etwas fpärlich gefäten Figuren und in der lichtdurchfioffenen, 
warmen, reichen Pracht ihrer Färbung in der That einen würdigen Nachklang 
der decorativen Seiten der Kunfi Paolds; doch machte der Meifier, von feinen 
Söhnen unterPcützt, fich bei der Fülle derartiger grofser Aufgaben, die ihm 
im ganzen venezianifchen Gebiet und bald auch im Auslande geftellt wurden, 
die Arbeit manchmal allzu leicht. Von einer individuellen Belebung feiner 
Geftalten kann auf derartigen Deckengemälden überhaupt keine Rede fein. 
Aber felbft vom rein docorativen Standpunkt aus betrachtet, ift ihre Zeichnung 
doch oft zu flüchtig, ihre Anordnung nicht felten zu locker. Mehr monumentalen 
Halt haben die bePren feiner nicht minder zahlreichen Wandgemälde; in feinen 
53.231, guten Staf f eleibildern aber weifs er feine beraufchenden Farbenaccorde mit 
bilden durchgeifiigter Anordnung und manchmal fogar mit feelenvollen Einzelmotiven 
zu verbinden.  Seine Hauptarbeiten in Venedig und in den Städten des 
venezianifchen Fefilandes fallen in die Jahre von 1712 bis 1740. In dem 
Selifgiffes letzteren Jahre tauchte er in Mailand auf ; 1750 wurde er nach Würzburg be- 
rufen, wo er drei Jahre lang grofse Arbeiten im erzbifchöflichen Palafte aus- 
führte; I7 53 kehrte er, hochgeehrt, nach Venedig zurück; 1761  berief König 
Karl III. ihn aber nach Madrid, das er nicht mehr verliefs. 
Deiiirlrreund Von feinen zahlreichen Decken- und Wand gemälden können hier nur 
izvgäiäilgzi einige der bedeutendften genannt werden. Das grofse prächtige Deckenbild 
kirche_zu der Scalzi (BarfüfsleQ-Kirche zu Venedig, welche zugleich an den Wänden der 
Venedig Seitenkapellen noch einige Jugend- und Altersfresken des Meifiers enthält, {teilt 
als im Himmel über dem Befchauer {ich ereignenden Vorgang die Uebertragung 
des Haufes der Maria durch Engel nach Loretto dar: hübfch und anfchaulich 
i" ägkgliäoijlel gedacht, lebendig und geiftreich durchgeführt.  Die Kirche S. M. del Rofario 
zu Venedig befltzt, aufser dem Hochaltarbilde, drei Deckenbilder von Tiepolds 
Hand: die vMadonnenviIion des heil. Dominicusr, die vApotheofe des Heiligenr 
und die grofse, farbige, geftaltenreiche vEinfetzung des Rofenkranzfeftesr.  
iäefgaäfrää: In der Scuola del Carmine zu Venedig fieht man fünf Deckenbilder des Meifters, 
deren mittleres die Madonnenvifion des h. Simon Stock in befonders klarer 
Farbenhelligkeit darftellt.  Unter den Fresken Tiepolds in venezianifchen 
izfänlgffäf Paläften kommen befonders diejenigen des Pal. Labia (1884 Lobkowitz) in 
Betracht. Die Wandgemälde eines Saales diefes Palaftes, welche Scenen aus 
der Gefchichte des Antonius und der Kleopatra darftellen, find Tiepolds reiffie 
Leiftung und gehören zu den fchönfien Wandgemälden der Welt. Für das 
Deckengemälde desfelben Saales aber iit es bezeichnend, dafs an ihm befonders 
die kühne vollfiändige Unterlicht eines Pferdes gelobt wird.  Aufserhalb 
in Udine, Venedigs ift in Italien zunächft der erzbifchöfliche Palaft zu Udine eine Haupt- 
ftätte der Wirkfamkeit Tiepolds. Befonders fchön ift hier das von dem Künfiler 
mit feinem Namen bezeichnete mittlere Deckenbild der Sala rossia, welches 
Vgl. 
Krsnja1n' 
Anm. 
1631 
Bermudez 
giebt 
1763
        

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