Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253606
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Siebentes Buch. 
Erfier Abfchnitt. 
Eielalgjiffzfi Wenden wir uns von Rom nach Florenz, fo finden wir auch hier nach 
der reichen Kunftblüthe der vorigen Jahrhunderte nur ein kümmerliches akade- 
 mifches Nachleben. Viel genannt wurde feiner Zeit Tommzzfo Gkerardinz" 
(1715-1797), welcher fich, wie Jak. de Wit in Arnfterdam, darauf verlegte, 
Steinreliefs in grau in grau gehaltenen Decorationsmalereien nachzuahmen. Seinen 
Gemälden mag man in den florentinifchen Stadt- und Landpaläften nachgehen. 
Die kaif. Galerie zu Wien befitzt drei in ähnlicher Weife auf Leinwand gemalte 
mythologifche Darftellrlngen mit feiner Namenszeichnung und der Jahres- 
zahl 1777. 
mslggfche Eine Art europäifchen Rufes gewann nur ein toskanifcher Landfchafter 
fä-ljätfgr des vorigen Jahrhunderts, Fr. Zucclwrelli (Zuccarellz), der 1702 zu Pitigliano 
Zuccää-rem. in Toscana geboren war, in Florenz und in Rom feine künftlerifche Ausbildung 
erhielt, feine Kunft hauptfachlich in Venedig und in England, wo er (ich des 
gröfsten Anfehens erfreute, ausübte, frch fchliefslich aber doch nach Florenz 
zurückzog, wo er 1788 Iiarb. Da er urfprünglich Figurenmaler gewefen war, 
Sein SriLfpiClt feine bald dem täglichen Leben, bald der galanten Gefellfchaft, bald 
aber auch allen Gebieten der xI-Iiftoriea entlehnte Staffage, die {ich bunt und 
reich den Linien und Farben der allen erdenklichen Phantafiegegenden ent- 
lehnten Landfchaften anfchmiegt, auch eine wefentliche Rolle in feinen Bildern. 
Uns erfcheinen fie heute im heften Falle als anmuthige Decorationsbilder, in 
der Regel doch felbft als folche zu unruhig in der Zeichnung und in der 
Seine Bilder Farbe, oft obendrein flau und leer. Wie viel er felbft wollte, zeigt aber z. B. 
in London, feine Sturmlandfchaft mit Macbeth und den Hexen beim Duke 0f Weftminfter 
in London. Weitaus die meiflen feiner Bilder fleht man einerfeits in den 
in Venedig, Sammlungen Venedigs (hier z. B. im königl. Palafte ihrer mindeftens zwanzig) 
i" äggffe" und der übrigen, befonders der kleineren oberitalienifchen Städte, andererfeits 
ißältiääigillie" in den englifchen Privatfammlungen, die meiften im königl. Schloffe zu Windfor, 
in Windfßr- in dem der Verfaffer nicht nur auf dem Corridor zahlreiche Bilder des Meifters, 
 fondern auch ein Zimmer fah, welches lediglich mit Riefenbildern Zuccherellis 
lägldifsßälä-en gefchmückt war. Uebrigens befitzen z. B. auch die kaif. Galerie und die 
Galerien. Galerie Liechtenftein zu Wien, die Pefter Galerie, das Stockholmer Mufeum, 
die Ermitage zu. St. Petersburg, die Darmftädter Galerie und die Hamburger 
KunPrhalle einzelne Bilder des einft gefeierten Meifters. 
iläig In Bologna fetzten in der erften Hälfte des I8. Jahrhunderts noch eine 
Giäfr-eäßgäria Reihe tüchtiger Künftler, von denen Giufeppe Maria Crespz" (obenS 169; 
1665-1747) der bedeutendfize ift, die guten Schulüberlieferungen des I7. Jahr- 
hunderts fort. Da die beften diefer Meifter aber thatfächlich noch aus dem 
I 7. Jahrhundert Prammten, find fie fchon oben (S. 168-170) befprochen 
worden. 
giev 21121;? Ein wirklich reiches, vielfeitiges und erfreuliches Kunfileben entfaltete (ich, 
wie fchon angedeutet, während des ganzen I8. Jahrhunderts nur noch in 
Venedig. 
Uegliäfifs" Die Hauptrneifter, welche hier den Uebergang in's I8. Jahrhundert bildeten, 
lind fchon oben (S. 230-23I) kurz befprochen worden. Die meiften von 
ihnen fuchten die neumodifche Formenfprache der füdlicheren Kunfifchulen 
Italiens mit ihren altvenezianifchen Ueberlieferungen zu verquicken und erhielten
        

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