Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253265
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Sechstes Buch. 
Abtheilung. 
Dritter Abfchnitt. 
CÄrg-Tißgffif- geboren war und 1719 (nicht 1729) ebendafelbfr Prarb, war Chr. Ludwzg- Agri. 
cola 1). Auf weiten Reifen durch die meilien Länder Europas hatte er fich 
eklektifch zu einem nicht unbedeutenden Landfchafter mit einigermafsen frifchem 
Sinn für's Malerifche und Natürliche, befonders für die Beleuchtungswirkungen 
der verfchiedenen Tageszeiten herangebildet. Manche feiner Landfchaften find 
mit türkifchen Staffagefiguren gefchmückt. Am ftärkften, nämlich mit zehn 
Bildern, ifi er in der Schweriner Galerie vertreten; ihrer zwei fleht man im 
Braunfchweiger Mufeilm, in der Dresdener, der Caffeler, der Gothaer Galerie, 
eins in der kaif. Galerie zu Wien; felbft in italienifchen Sammlungen ift er zu 
finden. Auch Radirungen feiner Hand kommen vor, find aber felten.  In 
liegflggfä: Regensburg lebte Anna [fatlzarzäza Block, geil. Fzfclzer (geb. zu Nürnberg 
Block- 1642, geil. zu Regensburg 1719), von deren Hand die Schweriner Galerie 
Würzburg- ein recht nettes Blumenflück befltzt,  in Würzburg der 1660 zu Solo- 
thurn geborene, 1738 in Würzburg geftorbene Gefchichts- und Blumenmaler 
Joiä-yäfd- 70h. Rudolf Byfs, deffen Hiftorienbildern man im Schloffe zu Pommersfelden, in 
Würzburg und in der Pefter Galerie nachgehen mufs, welche letztere eine recht 
geleckte rKleopatrar von feiner Hand befitzt, während man feinen naturwahren, 
hübfchen Blumen- und Thierltücken in verfchiedenen öffentlichen Sammlungen, 
z. B. in denjenigen zu Caffel, Bamberg, Schleifsheim und in der Galerie Liechten- 
ftein zu Wien begegnet. 
 In München gab um" die Wende des I5. und 16. Jahrhunderts der fchon 
erwähnte (oben S. 84), in Brügge um 1548 geborene, in Italien gebildete, 1586 
durch Herzog Wilhelm V. von Bayern aus Florenz nach München berufene, 
1628 dafelbft geflorbene Maler, Baumeifier und Bildner Pzkler de Wille, der in 
Cäjfßi, Italien Pietm Candido, in München Peter Candid?) genannt wurde, den Ton 
an. Unzweifelhaft im Ganzen zu den manierirt italifirenden Niederländern 
gehörig, tritt er uns in feinen decorativen Arbeiten doch felbfiändig und geiPt- 
voll entgegen und erfcheint auch in feinen beften Bildern innerhalb feiner Rich- 
tung klar, fefi und verhältnifsmäfsig rein. Noch dem 16. Jahrhundert gehören 
feine Arbeiten im Grottenhöfchen der herzoglichen Refidenz und in der Jefuiten- 
kirche von St. Michael (z. B. das Verkündigungsbild und das Urfulabild) an. 
Dafs in München auch Chriftoph Schwartz (oben S. 99) auf ihn eingewirkt, 
zeigt z. B. feine wAnbetung der Königee im Dome zu Freiflug. Seine reifften 
Werke entltanden erft im I7. Jahrhundert: z. B. die heil. Familie am Altare 
der fchmerzhaften Kapelle des Kapuzinerklolters, feine Arbeiten in der Frauen- 
kirche, in der Maximilians-Refidenz, für die Teppichmanufactur zu München und 
im alten Schloffe zu Schleifsheim. In der Schleifsheimer Galerie fleht man 
u. a. fein tüchtiges Bildnifs der Herzogin Magdalena. Hervorzuheben ifl noch feine 
 Darfiellung der Himmelfahrt Mariae von 1620 in der Münchener Frauenkirche. 
Als Schüler und Gehülfe Candid's wird neben dem fchon (oben S. 883) 
Ulrich Lorh. erwähnten Matth. Kager noch Ulriclz Lollz genannt (1590-1662), ein unerfreu- 
licher Eklektiker, auf den wir nicht näher eingehen können. Bekannter iPc 
Karl Loth- deffen Sohn Karl Lotlz 1) (in Italien Carlotto genannt), der 1632 in München 
I) W, Schmidt in der Allgem. deutfchen Biographie I, S. 143. 
2) Neue Monographie von Dr. Paul yalmmzes Rie: Peter bCandid. 
Leipzig 1885. 
und feine Werke. 
Sein Leben
        

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