Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1253242
S83 
Sechstes Buch. 
Abfheilung. 
Dritter Abfchnitt. 
Wien und in den öffentlichen Sammlungen zu Oldenburg, Mannheim, Bamberg. 
Vortheilhafter als feine Oelbilder Wirken feine Radirungen; befonders feine 
neun Blatt römifche Ruinen.  Bedeutender als Ermels war deffen Freund 
und Genoffe, der 1630 zu Utrecht geborene, 1708 zu Wöhrd bei Nürnberg ge- 
gggäaej. {Iorbene Landfchaftsmaler W. zum Bevmzel, welcher {ich 1662 nach einer 
italienifchen Reife in Nürnberg niederliefs und hier der Begründer einer mehrere 
Menfchenalter blühenden Künftlerfamilie wurde. Ihn felbft erreichte jedoch 
keiner feiner Nachfahren an künfilerifcher Bedeutung. Er war zu Utrecht 
Schüler H. Saftlevens (oben S. 579) gewefen, bildete fich in Italien aber in 
freiem Anfchlufs an Dughet, Both u. f. w. zu einem recht tüchtigen und ziem- 
lich felbiländigen, nur halb ftiliüifchen Landfchafter von forgfältiger Zeichnung, 
recht kühler, Wahrer Färbung und verhältnifsmäfsig frifcher Pinfelführung aus. 
Berg- und Waldlandfchaften feiner Hand fleht man z. B. in der Dresdener 
Galerie, im Städeffchen Inftitut zu Frankfurt a. lVL, im Ferdinandeum zu 
Innsbruck, in der Bamberger Sammlung, in der Schleifsheimer Galerie, im 
Braunfchweiger Mufeum, im Breslauer Mufeum und in der Galerie LiechtenPrein 
zu Wien. Auch als Radirer ift er bekannt. Von feinen Söhnen kommt befon- 
 ders P. 21m2 Bewzzrzel (geb. 1685 zu Nürnberg, geft. 1754 zu Regensburg) 
in Betracht, von deffen Hand z. B. das Braunfchweiger Mufeum und die Bam- 
berger Galerie bezeichnete italienifche Ruinenlandfchaften befitzen. 
gafähgm Als Nürnberger Thiermaler reiht {ich diefen Landfchaftern F. R. Y. Rofenlzajf 
an, von deffen Hand z. B. die Augsburger Galerie zwei tüchtige bezeichnete 
Bilder von 1665 befitzt, deren eines einen Hafen im Grafe, deren anderes 
einen Fuchs in feiner Höhle darftellt. 
Auläsalägiä" Augsburg, die Stadt H0lbein's, hatte im fiebzehnten Jahrhundert eben- 
fowenig einheimifches Kunitleben in höherem Sinne bewahrt, wie Nürnberg. 
Doch find auch hier einige nicht ganz unbedeutende Meifter zu nennen. Zu 
5325613212? den bedeutendften gehörte ffolzann Heinrich Sclzözgfeld 1), der 1609 zu Bibrach 
in Würtemberg geboren, bei Johann Sichelbein in Memmingen in der Lehre 
 gexvefen war, {ich aber in Rom im Anfchlufs an die Italiener entwickelte und 
{ich nach Reifen durch Italien, Frankreich und Deutfchland in Augsburg nieder- 
liefs, wo er nach 1675 fiarb. Er hinterliefs zahlreiche Altargemälde in den 
 Augsburger und oberbayrifchen Kirchen, zahlreiche weltliche Bilder in Schlöffern 
und Bürgerhäufern. Von feinen fünf zufammengehörigen antiki{irenden Bildern mit 
vielen mittelgrofsen Figuren, welche {ich nach Sandrart urfprünglich beim Bürger- 
meifter Marc Anton Jenifch zu Augsburg befanden, fah man drei bis 1723 in der 
Sammlung Wrzowecz zu Prag 2), befinden {ich zwei, vder Gigantenkampfa und 
xdas BQCCIIEIIIEIlK, feit diefer Zeit in der Dresdener Galerie. Wenn {ie auch keine 
urfprüngliche, fondern nur eine anempfundene Kunftweife zeigen, fo {ind {ie 
in ihrer Art doch gut, felbft keck componirt und recht tief in der Farbe. Das- 
felbe gilt von feinem Sittenbild vMufikalifche Unterhaltung am Spinette in der 
Dresdener Galerie. Kalter {ind feine Bilder in der kaif. Galerie zu Wien; auch 
in der Schleifsheimer Galerie z. B. {ieht man noch ein Bild feiner Hand. 
1) Szmdrarz, II, S. 327-328.  Paul v. Stztlen jvc, 
Augsburg. Ausg. X779, I, S. 302-315.  
2) Dr. Toman im Repertorium X (1887), S. 23. 
Kunfl- 
etc. 
Gefchichte 
der Reichsfiadt
        

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