Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1252840
842 
Sechstes Buch. 
Abtheilung. 
Zweiter Abfchnitt. 
5112111123611 Diefer war 16591) zu Kralingen bei Rotterdam geboren und ftarb 1722 zu 
Ermick- Rotterdam. Er war ein Schüler des Eglon van der Neer (oben S. 737), der 
b- flch, wie erwähnt, von 1663 bis 1679 in Rotterdam aufhielt, und nahm in 
Rotterdam feinen Wohnfitz. 1691 und 1692 gehörte er dem Vorftande der 
dortigen Gilde an 2); 1696 aber befuchte ihn der Kurfürft Johann Wilhelm von 
der Pfalz, lud ihn zu lieh nach Düffeldorf ein und machte ihn zu feinem Hof- 
maler; 1703 ernannte er ihn fogar zum Ritter. Adriaen van der Werff lebte 
nun abwechfelnd in Düffeldorf und Rotterdam, kehrte fchliefslich aber doch 
Sein Sril- ganz nach letzterer Stadt zurück. Bedenkt man, dafs fein Lehrer Eglon van 
der Neer ein Schüler des als Akademiker in Paris geftorbenen Jakob van Loo 
(oben S. 731) gewefen war, fo verfteht es fich eigentlich von felbft, dafs auch 
Adriaen van der Werff der glatten, forgfaltig zeichnenden, fauber malenden 
sakademifchena Richtung angehörte; zwar malte er nur in dem verhältnifs- 
mäfsig kleinen Mafsftabe der Sittenbildner, ftellte in diefem aber Gegenffände 
jeder Art, biblifche, mythologifche, arkadifche, idyllifche und häusliche dar, 
auch Bildnifsgruppen und Madonnenbilder; und feine faubere, mit feinem 
Helldunkel gepaarte Technik kam dem Gefchmack feiner der Wucht und 
Breite müde gewordenen Zeit fo fehr entgegen, dafs er als deren aus- 
gefprochener Lieblingsmaler mit Aufträgen und Ehren überhäuft wurde. 
Heute nennt man ihn natürlieh ßmanierirtu, wgeleckte und ßporzellanem; 
auch nicht mit Unrecht; denn an innerer Empfindung fehlte es ihm in geifiiger 
wie in malerifcher Beziehung; doch follte man die Gefchicktheit und Klarheit 
feiner Compofitionen, die Gefälligkeit feiner Formen und Bewegungsmotive, das 
Seine Bild" bedeutende Können innerhalb feiner Richtung nicht überfehen. Weitaus die 
meiften feiner Bilder befafs natürlicher Weife die ehemalige Düffeldorfer Galerie, 
Mggcggge, welche bekanntlich zum grofsen Theile in die Münchener Pinakothek auf- 
Pinak"'hßk' gegangen ifi. Diefe befitzt nicht weniger als dreifsig Bilder feiner Hand, 
 von denen das ältefte die Jahreszahl 1687, das jüngfte die Jahreszahl 1716 trägt. 
In letzterem Jahre ftarb der Kurfürft Johann Wilhelm. Spätere Bilder van der 
Werffs wurden daher für Düffeldorf nicht mehr erworben. Unter den genannten 
aber befinden f1ch die Bildniffe des Kurfürften und feiner Gemahlin von 1700, 
befinden (ich nicht weniger als 16 Darfiellungen aus der Gefchichte Chriiii und 
Marias, befinden {ich alttefianientarifche Darftellungen wie vdie Annahme der 
Hagara von 1699 und die wVerftofsung der Hagare von 1701, befinden fich 
idyllifche Sittenbilder, wie vdie Kinder mit dem Vogelkorbec: von 1687 und 
der wnächtliche Kinderfchwankr, befindet fich aber, von der allegorifchen Dar- 
ftellung mit der Minerva und den Mufen von 1616 abgefehen, nur ein einziges 
mythologifches Bild: xDiana, den Fehltritt der Kallifto entdeckende von 1704. 
Womöglich noch vielfeitiger find die Gegenfiände feiner 12 Bilder in der 
Digsgjjler Dresdener Galerie; diefe find: eine vSchäferscener von 1689, ein vFamilien- 
Galerie, bildnifse, wie es scheint von demfelben Jahre, wLoth mit feinen Töchterne von 
I) j'ai, Hiibner im alten Dresdener Katalog (Ed. 1384 S. 363) und Srhlie im grofsen Schwe- 
riner Verzeichnifs (1882 S. 689H69o) wollen fein Geburtsjahr bedeutend hinaufrücken. Das betreffende 
Dresdener Bild ift aber froher nicht 1669, fondern 1689 datirt; und das Geburtsjahr des Meiilers 
fteht anderweitig feil. Vgl: auch Riegel, Beiträge II S. 342-344. 
2) Rotterd. Hiüorienbl. II p. 933.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.