Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1252641
Die 
Delfter 
Schule. 
DiI-äeäadr Delft, die heute fo itille, freundliche kleine Stadt, war zu Ende des I6. 
 und zu Anfang des I7. Jahrhunderts eine der angefehenften und wichtigften 
Städte der Niederlande: die Hauptftadt Nordhollands, zeitweife die Refxdenz 
Wilhelms von Oranien, des Begründers der niederländifchen Freiheit, der hier 
1584 durch Meuchelmörderhand Hel; zugleich eine der erften PHanz- und 
Pflegeftätten der nationalholländifchen Kunft. Bekannter noch als Delfter Ge- 
Ihrsßhgm- mälde waren lange Zeit die blauweifsen Delfter Steingut-Schüffeln und Teller. 
Sie bildeten feit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Hauptausfuhr 
lhreMalerei- Hollands auf kunftgewerblichem Gebiete. Aber auch in der Malerei blieb 
Delft keineswegs zurück; ja, es mufs fofort hervorgehoben werden, dafs einer- 
feits die grofse nationale Bildnifsmalerei in Delft mit am früheften zum Selbft- 
bewufstfein erwacht ift, anderseits die feinfte, modernfte, malerifchfie Technik 
die gerade in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ganz Europa zur Nach- 
eiferung anregt, in Delft im fiebzehnten Jahrhundert ihre höchiten Triumphe 
gefeiert hat. 
läfgilggfr Die Meifierbücher der Delfter Sint Lukasgilde, die erft 1837 aufgelöft 
zildß- wurde, haben fich feit 1613 erhalten und geben uns genügende Auskunft über 
die meiften Maler der Stadt. 
Migftfrdfn Vorübergehend liefsen fich auch in Delft manche der Meifter aller Fächer 
D61"- nieder, die wir fchon in den vorigen Capiteln kennen gelernt haben: Figuren- 
maler wie Pieter de Hooch, einer der Pijnas, Johannes Verkolje und nach 
alter Ueberlieferung auch Jan Steen, Architekturmaler wie Barth. van Baffen 
und Ern. de Witte, Thier-, Landfchafts- und Seemaler, wie Paul Potter und 
Simon de Vlieger, Stillebenmaler, wie Abr. van Beijeren und Baltus van der 
 Aft. Aber auch unter den einheimifchen Malern gab es Vertreter der ver- 
fchiedenften Fächer. Wir werden fehen, dafs es fogar kaum eine Richtung 
der holländifchen Kunft des 17. Jahrhunderts gab, die nicht in Delft mit Ge- 
fchick und Eifer verfolgt worden wäre. 
Diemäilläfifs- Zunächft alfo auch hier die Bildnifsmaler! Diefe bilden gerade in Delft 
DieFamilien eine gefchloffene Reihe, an deren Spitze die beiden verfchwagerten Familien 
 Delff und Mierevelt ftehen. 
Milzlrgclgxt Wenngleich der alte Jacob Willemsz Delff noch älter war als [Vficlziel 
'Ycmsz0on llßiierezxelti), fo mufs diefer als geborener Delfter doch vorangeftellt 
Sein Leben. Werden. Er erblickte am 1. Mai 1567 zu Delft das Licht der Welt, erhielt 
feinen erften Unterricht durch nur dem Namen nach bekannte Meiüer und 
begab {ich alsdann nach Utrecht, in die Lehre des Anton mm Mmzfoort, gen. 
Blakland (um 15 33 bis 1585), der ein Schüler des Frans Floris in Antwerpen 
1) D. van Bleyswyle: Befchryvinge der Stad Delft. Delft 1667.  Obrzeris Archief I p. 1 bis 
120: Het Sint Lucas Gild te Delft. (Vgl. III p. 197-206).  IV p, 279-283: Kunftenaars welke 
le Delft Poorters geworden zyn.  VI p. 4-29: Necrologium van Delffche Kunflenaars. Nach- 
trag p. 99.  p. 313-326: Kunfihißorifche Bijdragen uit het Delffche Archief. 
1) Karel van Mander, Schilderboek, franz. Ausgabe von Hymans II (1885), p. 171-178,  
H. Haward L'art etc. (a. a. O.) p. I. p. 11-82. 
        

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