Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1252474
Die holliindifche Malerei 
Jahrhunderts. 
Schule. 
Die Haager 
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fertige Meifier neben einander genannt werden, macht es von vornherein un- 
möglich, alle infchriftlich oder durch die Ueberlieferung als xRavefieynk be- 
zeichneten Bilder, wie es bisher gefchah, auf den alten Jan van Ravefieyn zurück- 
zuführenl). Diefer wird mit Recht zu den Begründern der grofsen national- Bedijitflf1g_ 
holländifchen Bildnifsgruppenmalerei gerechnet. Nur im Haag kann man den 
Grund zur Kenntnifs feiner Bilder legen. Seine grofsen Schützen- und Regenten- gää-Zfn 
flücke befinden fich im Gemeindemufeum diefer Stadt: allen voran das grofse SCYÄZ" 
Schützenftück, noch aus der Halskraufenzeit, welches neben des Meifters Namens- Riälän" 
Zeichnung die Jahreszahl 1616 trägt, alfo aus demfelben Jahre ftammt, wie Frans Gemlälnde_ 
Hals" erfte grofse Schützenmahlzeit (oben S. 593); und wahrlich, an Kraft der dgugelläf 
Modellirung des Fleifches in bräunlichem Grundton mit hellen Lichtern, an aß liilgg. 
Sorgfalt der fiofflichen Behandlung der Stoffe, an kecker, wenn auch noch n! L 
etwas harter Breite der Pinfelführung, an heller, warmer Leuchtkraft des Ge- 
fammttons giebt es dem Haarlemer Bilde nichts nach; doch ift es gedrängter 
in der Anordnung, derber in der Durchführung und merkt man bei dem Ver- 
fuch, die Geftalten zu einander in Beziehung zu fetzen, zu fehr die Abficht 
des Meifters. Fortgefchrittener in derfelben Richtung erfcheint das Riefenbild 
von 1618, welches den lVlagiPcrat und die Schützenofficiere der Jahre 1617 und 
1618, zufammen 26 Perfonen, darftellt, von denen 12 am rot bedeckten Tifche 
fitzen, die anderen neben demfelben ftehen. Die Anordnung ift hier freier, 
die Gefichter flnd noch ausdrucksvoller, die Pinfelführung ift noch breiter und 
pafiofer, die Farben Iind innerhalb des kräftig warmen Gefammttons noch 
feiner ausgefprochen und zufammengeftimmt. Dann finden wir erft aus dem Das Bild 
Jahre 1636 wieder ein mit dem vollen Namen und der Jahreszahl bezeichnetes von 163a 
Bild des Meifters: das berühmte, aus 15 vor grauer Wand um den grünen 
Tifch gruppirten Perfonen beftehende Regentenftück, welches die Berathung 
des Magiftrats über das neue Schützenhaus darftellt. Es zeigt uns, dafs der 
Meifter, der 1616 Frans Hals ziemlich nahe Rand, inzwifchen eine andere, etwas 
zahmere Entwicklung genommen. Seine Auffaffung und feine Anordnung find 
allerdings ganz frei und leicht, feine Pinfelführung ifi weicher, Hüffiger, wohl 
aber auch etwas flauer und leerer, feine Färbung ift feiner, aber auch kühler 
geworden. Diefem Bilde fchliefst fich im Haager Gemeindemufeum endlich 
noch das ebenfalls mit den vollen Namen des Meiflers bezeichnete verhältnifs- 
mäfsig breite, weiche, kühle Bild der fechs Schützenofficiere von 1638 an.  336g 
Im königlichen Mufeum des Haag befinden {ich 24 Brufibilder von holländifchen 3115533556 
Kriegsoberiien aus den Jahren 1611-1624 von Ravefteyns Hand. Die älteflen mittig- 
von ihnen lind alfo noch vor dem Schützenfiück von 1616 im Gemeindemufeum des Haag, 
gemalt und dementfprechend in der härteren früheren Art des Meifiers gehalten; 
die letzten gehen fchon in feine gefchmeidigere fpätere Zeit über; aber frifch, 
keck, kräftig, plaftifch wirken {ie alle.  Von den Bildnifien, die ihm im imd-grzläßr- 
Amfterdamer Reichsmufeum zugefchrieben Werden, fmd unter anderen diejenigen nljsljchs- 
des Joris Cats und des Prinzen Ernft Cafimir, von den bisher Mierevelt getauften, um 
1) nA. I. Raveßeynn (alfo wahrfcheinlich Arent Ianfz) zeichnet Arent einmal: Obreenß- Archief IV, 
p. 115; wahrfcheinlich aus Verfehen auch er 1663 einmal I. A. Ravefteijn IV, p. H7. Der alte 
Jan wenigftens lebte damals nicht mehr.
        

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