Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251813
holländifche Malerei 
Die 
Jahrhunderts, 
Amfierdamer 
Die 
Schule. 
739 
Im Anfchlufs an diefe Figurenmaler müffen wir zunächft die Amfterdamer Amügjamer 
Künftler jener Gattung betrachten, welche Landfchaftsmaler, Figurenmaler und  
Thiermaler zugleich waren. Bei den einen von ihnen wiegt die Landfchaft, mal"- 
bei den anderen die Thierwelt vor. Die Figuren erfcheinen itets mehr als 
Zugabe. Die einen von ihnen halten fich mehr an die italienifche, die andern 
an die nordifche Natur; doch laffen fich gerade hier die Künftler der italienifchen 
und der nordifchen Richtung fchwer trennen.  
Der ältefie Meifter diefer Reihe ift 71m Asselyn, genannt Knzäöezige. Ge- Jan Affelyn. 
boren war er I6iO zu Dieppe in Frankreich; geftorben ift er im October 
1652 zu AmfterdanM). Er gilt als Schüler des Esaias van de Velde (oben 
S. 621), ging aber bald nach Italien, wo er fich im Anfchlufs an Pieter van 
Laer (oben S. 589) und Jan Miel weiterbildete. Jan Affelyn gehört mit feinen Bai??? 
charakteriftifchen Bildern durchaus der italifirenden Richtung an, zugleich der sang- 
Richtung, welche die Landfchaft gegenüber der Thier- und Menfchenwelt be- 
tont. Er wirkt wie ein weicherer, modernerer, landfchaftlicher empfindender Seine Kunft. 
Pieter van Laer und ift ein in feiner Art gediegener, zugleich ein fruchtbarer 
Künftler, von dem etwa 100, in der Regel mit feinem Namen oder feinem 
Monogramm bezeichnete Bilder in den verfchiedenen Mufeen Europas er- 
halten lind. Aufserhalb feines gewöhnlichen Stoffgebietes fleht das feine, Aueäiä: im 
zarte, leuchtende finnbildliche Gemälde des Amfierdamer Reichsmufeums, welches Amläfärcüifier 
unter der Vorftellung eines Schwanes, der {ich mit gefpreizten Flügeln gegen mufevm- 
einen heranfchwimmenden Hund wehrt, die Wachfamkeit des Rathspenfionärs  
Johan de Wit veranfchaulicht. Zu feinen frühen Darftellungen, in denen er Seiäfläfihc" 
{ich an Efaias van de Velde anfchlofs, gehören feine Reitergefechte und Kriegs- 
bilder, wie vdie Schlacht bei Lützem von 1634 im Braunfchweiger Mufeum, 12123;?"- 
fein gleiches Bild in der Kopenhagener Galerie, {eine nSchWedenfchlachtrKopeniiäen, 
Von 1535 in der Sammlung zu Emden, rein Reiterr in der Wiener Aka- äiieiiixiirlliisii 
demie; in feiner fpäteren, italifirenden Zeit find derartige Bilder, zu denen Sei": 
doch z. B. noch fein XRCltGYgCfCChtK von 1646 im Amfterdamer Mufeum ge- fläläfscrn 
hört, fehr felten. Seine Durchfchnittsgegenftände vergegenwärtigen wir uns Aijilhiiirlam, 
fofort durch die kurze Betrachtung feiner übrigen Bilder in der Akademie zu (Aiilatigisiie), 
Wien, in welcher er befonders gut vertreten iiiz: da finden wir eine römifche 
Ruinenlandfchaft von einem Fluffe durchftrömt, durch den ein Hirt feine Heerde 
treibt, eine Ruinenlandfchaft mit einem Falkenjäger, ein F lufsufer bei Abend- 
beleuchtung mit Reitern, die einer Stadt zufprengen, eine wafferreiche Felfen- 
grotte mit Ausficht ins Freie, eine befonders feinfonnige Landfchaft mit einem 
See und drei Reitern an einer Quelle und eine prächtige Landfchaft mit der  
gusfich-t aufs Meer. iKaum minder gut ift er im Schweriner Mufeum vertreten.  52123211"; 
en Bildern des Meifters in diefen Sammlungen reihen fich ähnliche Bilder in Omn- 
den öffentlichen Galerien zu Florenz, Paris, Nantes, Brüffel, Gent, St. Peters- 
burg, Kopenhagen, Berlin, Dresden, München, Braunfchweig u. f. w. an. 
I) Diefe Daten nach Ch. Dazy bei Brediur, Catalogus, Amfierdam 1886 p. I.  Sollte {ich die 
Nachricht, dafs Affelyn in Dieppe, nicht zu Diepen, unweit Amfterdam, wie man bisher annahm, geboren 
sei, wirklich befciitigen? In einem holländifchen Gedicht von 1657 wird er als nYenaam (vom Y 
gebürtig) bezeichnet. Oud Holland IV. p. 302.
        

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