Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249910
Malerei 
holländifche 
Die 
des 
Jahrhunderts. 
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Herilellung der Zierrathen hinwiefen; und eben weil diefe Formen den heirnifchen  
Bodenverhältniffen entfprangen, waren fie in ihrer Art wieder eine nicht nur 
nationale, fondern auch einflufsreiche Schöpfung der holländifchen Kunft. Ver- 
breiteten {ie {ich doch rafch über den ganzen Norden Europas, und werden 
fie doch heutzutage an manchen Orten wieder aufgenommen und fortgebildet! 
Betrachten wir ferner die ganzen holländifchen Städte als felbfländige Hogäfcftielfhe 
Kunftfchöpfungen, fo fehen wir auch hier, wie aus der richtigen und empfin- Amagem 
dungsvollen Benutzung der gegebenen Verhältniffe ganz eigenartige und 
malerifch aufserordentlich reizvolle Anlagen entfianden. In der Mitte der 
Strafsen die von Schiffen belebten, vielfach von Dreh- oder Zugbrücken über- 
fpannten Canäle; zu beiden Seiten des Wafferftreifens, das Strafsenpiialter be- 
fchattend, ftattliche grüne Baumreihen; hinter den Bäumen in langen geraden 
oder malerifch gebogenen Linien jene eigenartigen Häufert alles ift einfach 
aus befonderen Verhältniffen und Bedürfniffen entflanden; als Ganzes aber 
wirkt es auf den Ausländer fremdartig und anziehend; und dafs auch die ein- 
heimifchen Maler den Reiz diefer Anlagen empfunden, zeigen die zahlreichen 
Gemälde, in denen f1e fle um ihrer felbfl willen verewigt haben.  
Die holländifchen Maler des fiebzehnten Jahrhunderts wufsten eben allem, honäfifche 
was dem menfchlichen Auge im gefchloffenen Raume oder im Freien begegnen Malerei- 
kann, feine malerifchfien Seiten abzugewinnen; und gerade weil fie, unbe- 
kümmert um die Richtungen anderer Schulen, ihre eigene Welt mit ihren 
eigenen Augen anfahen, alfo, um mit Leonardo da Vinci zu reden, Söhne, 
nicht Enkel der Natur fein wollten, zugleich aber auch fruchtbar waren und räfäjggäfr 
die Technik ihrer Kunfl zur höchfien Freiheit und Flüffigkeit ausbildeten, ver- kg"- 
traten fie den holländifchen Geil": in feiner charaktervollften und glänzendften 
Weife, fmd ihre Schöpfungen die reiffien Früchte der ganzen holländifchen 
Culturarbeit des I7. Jahrhunderts. 
Damit foll nicht gefagt fein, dafs die nach Italien und Frankreich fchielende akadlgäfche 
vakademifchea Richtung gar keine Vertreter unter den holländifchen Malern Richmng-  
des 17. Jahrhunderts gefunden hätte. Wir werden vielmehr fehen, dafs diefe 
Richtung auf allen Gebieten der holländifchen Malerei, felbft auf demjenigen 
der Landfchaftsmalerei, von Anfang an einige tüchtige Anhänger zählte, nie 
ganz erlofch und im Uebergange ins I8. Jahrhundert fogar die Oberhand ge- 
wann; aber die Meifter diefer Art gehörten in Hollands guter Zeit zu den 
Ausnahmen, welche die Regel beflätigen. Wir haben das Recht und die 
Pflicht, fie nicht mitzuzählen, wenn wir uns das Gefammtbild der holländifchen 
Malerei des I 7. Jahrhunderts kurz vergegenwärtigen wollen.   
Fragen wir nun zunächft nach den Urfachen, Welche dem holländifchen realgfäche 
Boden diefes Zeitraums gerade auf dem Gebiete der Malerei eine fo feltene, rfäflfftfg 
üppige und prächtige Blüthe entlockten, fo giebt uns die Forfchung hierauf 
keine völlig befriedigende Antwort. Wir müffen uns begnügen, dle Thatfache 
feftzuftellen, dafs niemals und nirgends auf einem räumlich fo eng begrenzten 
Umkreise fo viele bedeutende Maler neben einander gelebt und gearbeitet  
haben, wie im 17. Jahrhundert in jenem Hauptkunllgebiete Hollands, welches, 32221323; 
Wenn auch weiter im Norden und im Süden des Landes einige verfprengte Grofsen deäiäilän- 
auftauchten, doch im Wefentlichen durch die kleine Kreislinie umfchloffen Malerei.
        

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