Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251752
holländifche 
Malerei 
jahrhunderts. 
Anmflerdanuer 
Schule. 
733 
fie auf diefe Weife betonen, unterfcheiden fich einige diefer Meifler wieder 
unter fich. Bei Pieter de Hooch ift es, wie übrigens auch bei Maes, ein 
feuriges Roth, welches bald im Gewande einer Figur, bald aus einem Teppich 
oder Vorhang, bald vom Dach eines Haufes hervorleuchtet und den Grundton der Seim 3m 
Bilder beflimmt. In feinen fpäteren Bildern läfst übrigens die Kraft des ein- "mldhmg- 
fallenden Sonnenlichts nach, nehmen feine Schatten einen kühleren, bläulicheren 
Hauch an, wird feine in feiner beften Zeit bei aller Breite und Leichtigkeit 
doch fefte und kräftige Pinfelführung dünner und verblafener. Befonders reich Seinehfildef 
iPc er im Amfterdamer Reichsmufeum, einfchliefslich der Sammlung van der Amlgsircdlfgfsl" 
Hoop, vertreten; und wenn auch gerade von den Bildern Pieter de Hoochs in mufeum. 
cliefen Sammlungen einige neuerdings als vunechta erkannt wurden und anderen  
Nleifiern zugefchrieben werden mufsten 1), fo verbleiben ihnen doch mehrere 
köfiliche Hauptbilder feiner feinften Art, wie vdie Kellerkammem im alten 
Reichsmufeum, und wie die vDame mit dem Brief am Fenftern und vdie Frau 
mit dem Kinde auf dem Schoofsee in der Sammlung-van der Hoop. Sehen 
wir uns z. B. das zuerfi genannte gröfsere Bild der Sammlung van der Hoop 
etwas näher an: Die Dame am Fenfier ifi diefes Mal, wie bei Jan V ermeer, 
in Hellblau und Gelb gekleidet. Sie hält ein Hündchen auf dem Schoofs. Ein 
Diener, auf den ein zweites Hündchen wartet, bringt ihr einen Brief. Links 
fleht die Thür offen. Auf der Schwelle fitzt ein Kind mit einer Peitfche. 
Durch die Thür blickt man auf die Gracht mit ihren rothen Häufern, ihren 
hohen grünen Bäumen, ihrem fpiegelklaren Waffer. Alles prangt im hellfien 
Sonnenlichte. Es ifi auch, landfchaftlich betrachtet, ein Bild allererflen Ranges. indersamnk 
 In Holland ift der Meifter aufserdem noch vortrefflich in der Sixfchen kfäeifalfff 
Sammlung zu Amfterdam und in der Steengrachffchen Sammlung im Haag 112223331" 
vertreten.  In Frankreich befitzt die Louvrefammlung zwei tüchtige Bilder  im 
feiner Hand. (Fig. 603.)  Befonders gut aber kann man Pieter de Hooch in im Login: 
England kennen lernen. Schon in der National Gallery zu London ficht man 
drei feiner gröfsten Meiilerwerke. Herrlich ift die Hoffcene von 1658 (533). 
In dem weinumrankten rothen Backfteinportal Pceht eine Frau, vom Rücken 
gefehen. Eine Magd mit einem Kinde Pceigt die Treppe eines Nebenhaufes 
herab. Goldigftes Sonnenlicht von feltener Leuchtkraft belebt den füllen Vor- 
gang. Köftlich ift auch die Gartenfcene von 1665. Vorn im Hofe fpricht die 
Hausfrau mit ihrer Magd. Ein Herr naht hinten aus dem Garten. Nicht 
minder fein ift das Zimmer, in dem zwei Herren am Fenfier fltzen, eine Frau 
mit einem Glafe Wein in der Hand vor ihnen fleht.  Aber auch in den eng- 
lifchen Privatfammlungen ift Pieter de Hooch gut vertreten: im Buckingham Buckffgham 
Palace mit drei Bildern, von denen die ßKartenpartier von 1658 und ndie Palace" 
Spinnerim hervorzuheben fmd; mit einem befonders fchönen Bilde von 1658 igrijffqgil- 
beim Marquis of Bute in London, mit einem oder dem anderen Bilde bei ver- fammhmgen- 
fchiedenen anderen der grofsen Sammler.  In den nordifchen Galerien kommen 
vor allen Dingen fein whäuslicher Tanzr und fein ßhäusliches Concertr in der 
1) So das männliche Bildnifs des Reichsmufeums, fo das nmuflcirende Paar" , und vielleicht 
fogar die berühmte Scene im Hof eines rothen Backfteinhaufes in der Sammlung van der Hoop. Doch 
erklärt ßredizzs (HanffiaengYs Amßerdamer Galeriewerk, Text S. 76) das letztere jetzt für ein Jugend- 
werk de Hooch's.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.