Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251741
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Sechstes Buch 
Abtheilung. 
Zweiter 
Abfchnitt. 
Akademikern und den nach Rembrandts Tode felbft akademifcher werdenden 
Schülern des letzteren in der Mitte. 
xlglgjgglfj Sfolzannes Voorlzozzt, der 1647 van den Uithoorm geborene, vor 1723 
(wahrfcheinlich zu Amfterdam) geftorbene Schüler des Johannes van Noordt, 
wurde von feinen Zeitgenoffen aufserordentlich gefchätzt, kann aber der Nach- 
welt nach Mafsgabe feiner Bilder im Braunfchweiger Mnfeum (in dem man ihn 
am heften kennen lernt), im Utrechter und im Stockholmer Mufeum nur als 
ein Meifter offenkundiger Verfallzeit gelten. 
Amügfamer Unter den Amfterdamer Sittenmalern haben wir einerfeits noch ein 
Sißenmaler- paar tüchtige Meifter der Rembrandffchen Richtung, wie Karel Fabritius und 
 Nic. Maes fle ausgebildet hatten, unter ihnen den hochberühmten Pieter 
de Hooch, andererfeits eine Reihe von Künftlern kennen zu lernen, welche mehr 
oder weniger unter dem EinHufs der Leidener Schule Pcehen und fchliefslich in 
den Hafen der akademifchen Glätte einlaufen. 
deläeägäh. Pieter de Hooch (Hoaglz), deffen Vaterftadt nicht bekannt, wurde 1630 
Sein Leben- geboren, ift 1653 in Haag, 1655-1657 in Delft, 1668-1670 in Amflerdam 
nachweisbar und wahrfcheinlich bald nach 1677 in Amfterdam geftorbem). 
ßsnseeg'flfeit_ Er gehört zu den feit der Mitte unferes Jahrhunders verhältnifsmäfsig am 
höchfien bezahlten Meiftern. Hat doch felbft das Berliner Mufeum, wenn wir 
nicht irren, 120 000 M. für feinen xPieter de Hoocha bezahlt! Mit Nic. Maes und 
Jan Vermeer van Delft, denen, wie wir gefehen haben, Samuel von Hoogstraten 
Ku:ftäf:ife_ in manchen Beziehungen voranging, gehört er zu den Meiftern, welche das Rem: 
brandffche Helldunkel in feiner natürlichen Bedeutung als in ganz oder halb ge- 
fchloffene Räume einfallendes Sonnenlicht mit der höchften technifchen Meifter- 
fchaft in breiter, aber doch weicher, dem Licht in alle feine Schlupfwinkel 
folgenden Pinfelführung ausgebildet und mehr oder weniger zum künftlerifchen 
Selbflzweck erhoben haben. Weil diefes Verfahren dem künftlerifchen Be- 
wufstfein der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts befonders entfprach, fmd diefe 
 Meifter die ausgefprochenen Lieblinge unferer Zeit geworden. Gerade Pieter de 
Hooch iH: feiner jungen Beliebtheit wegen erft in unferem Jahrhundert fo recht auf 
P1112225 den Markt gekommen; und ebendeshalb fmd nicht felten Bilder anderer Meifter, 
de Hooch wie Sam. van Hoogfiratens, Jan Vermeens von Delft und E. B0ursse's auf 
feinen Namen getauft worden. Bei keinem der genannten Künitler, welche in 
der Darfiellung ruhiger häuslicher Figurenfcenen miteinander wetteifern, beruht 
der Reiz der Darftellung in höherem Grade als bei ihm auf der räumlichen Licht- 
Gegfsjgandh Wirkung. Er liebt es, uns Durchblicke von einem Binnenraum in den anderen, oder 
von einem Binnenraum in einen Hof oder eine Strafse, manchmal fogar durch 
verfchiedene derartige Räume zu eröffnen und die Wirkung des in einige diefer 
Räume einfallenden Sonnenlichtes, fowie den Gegenfatz zwifchen den beleuch- 
teten und nicht beleuchteten Räumen vor Augen zu führen; und er liebt es, 
wie alle diefe Meifter, fein Helldunkel mit den den Gegenftänden an fich eigenen 
Farben in feiner und geißvoller Weife zu verföhnen. Durch die Farben, welche 
I) Havard, L'art etc. III. (Paris 1880) p. 61-138.  Ueber feine Werke auch fchon yolm 
Smillz, Catalogue IV (1833) p. 214-241; Suppl. VIII (1842) p. 563-754.  Die neuesten 
Berichtigungen zu feinem Leben bei Bredfu: in HanfflaengYs Amßerdamer Galeriewerk, Text S. 73-74.
        

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