Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251641
722 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Zweiter 
Ächnitt. 
ijäeityxfg" find feine Bildniffe und Sittenbilder. In feinen Bildern beider Arten bildete 
 er den Einflufs Rembrandts felbftändig in flüffiger, leichter WVeife um. In 
bmdVS- feinen Sittenbildern, welche wenig Figuren in eigenartig durchgebildeten Binnen- 
räumen von intereffanter Perfpective und wirkfamem Helldunkel darzuftellen 
pflegen, erfcheint er als der unmittelbare Vorgänger von Meiftern wie Nicolas 
Maes, feinem Landsmann, wie Pieter de Hooch, dem feine Bilder manchmal zu- 
 gefchrieben werden, und felbft wie Jan Vermeer van Delft, in dem diefe Rich- 
bezäggseten tung am feinften und zarteften ausklang. Unter den bezeichneten Werken 
Sißrenbildel" diefer Art von der Hand Samuel van Hoogftraatens ift das gröfste das inter- 
im Haag. effante Bild des Haager Mufeums, welches einen malerifch angeordneten Haus- 
hof, in dem eine junge Frau in gelbem Kleide fpazieren geht, darftellt. Geift- 
Amngfdam voller noch ift xdie kranke Damee des Amflerdamer Reichsmufeums (Fig. 599). 
Sie fitzt in hellblauem Kleide mit gelber Jacke in ihrem Gemache, aus dem 
man in's Nebenzimmer blickt. Hinter ihr fteht der Doctor. Es ift ein Bild 
von grofsem malerifchem Reize. Nach Mafsgabe diefer Werke mufs ihm z. B. 
äglrfäfitin auch das Pieter de Hooch zugefchriebene Bild der Darmftädter Galerie, welches 
eine nahende Frau, an deren Stuhl ein Mann lehnt, darftellt, zurückgegeben 
begäfgfgten werden. Im Uebergang zu den eigentlichen Bildniffen des Meifters fteht ider 
 Mann im Fenfterr von 1652 in der kaif. Galerie zu Wien. Andere beglaubigte 
invgirl-zgal Bildniffe feiner Hand find der jugendliche männliche Kopf von 1645 in der 
Liechten-  Galerie Liechtenflein zu Wien, das männliche Bruftbild von 1651 im Berliner 
ffiigum Mufeum und das fehr fchöne Bildnifs des indifchen Raths Mattheis van der 
Amnijdaxm Brouck vor rothem Vorhang von 1670 im Amfterdamer Reichsmufeum. Ein 
Arcäijleltup eigentliches Architekturbild feiner Hand befltzt die kaif. Galerie zu XVien in 
bildi" wie" ihrer weich gemalten, von zartem Helldunkel erfüllten Anficht eines Binnen- 
hofs der kaif. Hofburg im Jahre 1653. 
Nlvilcafiläs Von den zahlreichen Schülern Rembrandts aus der erflen Hälfte der 
fünfziger Jahre können wir hier nur einen hervorheben; diefer eine, [Viwlas Maar, 
Sein Lebien- aber ift einer der gefchätzteflen Meifter diefer ganzen Reihe. Er war 1632 
zu Dordrecht geboren, war 1650 bis 1654 Rembrandts Schüler zu Amfterdam, 
ging dann nach Dordrecht zurück, fpäter eine Zeitlang nach Antwerpen, wo 
er ficli an die baufchiger in der Kleidung, glatter in der Modellirung und kälter 
in der Farbe werdenden, auch durch die Franzofen beeinflufsten Bildnifsmaler 
Seine Kunfi. der zweiten Hälfte des Jahrhunderts anfchlofs, liefs {ich aber 1678 in Amfter- 
dam nieder, wo er 1693 ftarb. Die frühen, an Rembrandt flch anlehnenden, 
wie vertiefte und veredelte Werke feines Landsmannes Samuel van Hoogftraten 
wirkenden Bilder feiner Hand, Sittenbilder und Bildniffe, flehen auf fo ganz 
anderem Boden, als feine wzopfigerena fpäteren Bildniffe, dafs man gemeint 
hat, es müffe zwei verfchiedene Maler Namens Nicolas Maes gegeben haben. 
Da aber die Uebergänge fich nachweifen laffen, da die Form feiner Namens- 
 Zeichnungen fich gleich bleibt und da vor allen Dingen bereits Houbraken aus- 
äjgähifgl" drücklich die Stilwandlung des Meifters bezeugt, fo ift durchaus an der Einheit 
des Malers Nicolas Maes feftzuhalten. 
fginjögafrj Unter feinen Bildern nimmt zunächft feine frühe vbadende Dianaß von 
Haag- 1650 im Haager Mufeum ihrem Gegenftand nach eine Stellung ganz für fich 
 ein. Das gelbe Gewand der Göttin leuchtet hell durch's Bild. Mit folch echt
        

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