Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251438
Malerei 
holländifche 
Jahrhunderts. 
Amßerdamer Schule. 
701 
vFauft im Gemachea (Bl. 84); es ift wahrhaftig bezeichnend, dafs er, der grofse Hlgäärb 
Niederdeutfche, {ich diefes echt deutfchen Stoffes fchon mehr als 200 Jahre g"'de"b1a"- 
vor Goethe bemächtigt hatte. Zahlreich endlich find feine grofsen biblifchen 
Radirungen aus diefer Zeit. Um 1650 entftand das berühmte ßHundertgulden- 
blatte (BL 49), welches Chriftus, die Krankenheilend, in grofsartig malerifcher 
und ergreifend durchgeifiigter Auffaffung darftellt; 1652 entftand der vChriftus b-Qslijäfe 
im Tempelr (Bl. 36); 165 3 (nicht 1655) die unter dem Namen Ddie drei Kreuzer Blätter- 
(Bl. 53) berühmte grofse, gewaltige, ungemein frei und keck behandelte 
nKYCUZigIJIIgK; 1654, das auch auf dem Gebiete der Malerei fo fruchtbare 
Lebensjahr Rembrandts, fah unter anderen die magifche, ganz neu gedachte 
vKreuzesabnahme bei Fackellichtr (Bl. 58), einen zweiten ßJefusknaben im 
Tempelq (Bl. 35) und die xAbführung des Jefusknaben vom Tempela (Bl. 38), 
die vgrofse Befchneidunga (Bl. 20), eine wFlucht nach Aegyptem (Bl. 28) und 
eine wheilige Familie im Gemachea (Bl. 34) entftehen. Vom Jahre 1655 fei 
das breit, kühn und kräftig gezeichnete, wunderbar fprechend bewegte, von 
ergreifendem Helldunkel durchgeiftigte wOpfer Abrahamsu (Bl. 6) genannt. 
Im Sommer 1656 wurde, wie bereits angedeutet, Rembrandts Zahlungs- Rüalääädfs 
unfähigkeit amtlich erklärt; das gerichtliche Verzeichnifs feiner ganzen Habe, nach 1656- 
dem wir manchen bedeutfamen Einblick in fein früheres Leben und Treiben 
verdanken, ift vom 25. Juli diefes Jahres datirt. Sein Hausrath und feine be-  
rühmten Kunftfammlungen wurden Ende 1657, fein Haus felbft erft 1658 ver- 
fteigert. Seine Verhältniffe zu feinen Gläubigern wurden bis an fein Lebens- 
ende nicht wieder geregelt. Prozeffe verfchiedener Art verbitterten ihm das 
Leben. Er zog von einer Strafse in die andere, bis er fchliefslich doch zu 
einem verhältnifsmäfsig ruhigen Lebensabend in einem von Hendrickie Jaghers 
und feinem Sohne Titus gemietheten Haufe in der abgelegenen Rozengracht  
gelangte. Um ihn vor feinen Gläubigern zu fchützen, gründeten die Frau, 
welche in den Augen der Welt als feine zweite Gattin galt, und fein Sohn 
Titus nämlich gemeinfchaftlich einen KunPrhandel, als defien Schuldner 
Rembrandt {ich von Anfang an bekennen mufste. Alles vorhandene Eigen- 
thum wurde auf ihren Namen gefchrieben. Alle Bilder, welche Rembrandt 
malte, waren ihnen im Voraus zugefprochen. Dafür erhielt er Wohnung, 
Kleidung, Koit und alles was er brauchte von ihnen, fo dafs er flch ungeitört 
feinen Arbeiten hingeben konnte. 
Wie mächtig die düftere Stimmung der vtrüben Tager von 1657 auf Stigäälzlegen. 
feine Kunft zurüekwirkte, zeigt keins feiner Bilder deutlicher als fein Selbft- 
bildnifs mit dem Zeiehenbuch von diefem Jahre in der Dresdner Galerie. Der 1336115581315: 
vorzeitig gealterte Meifter blickt ungemein trübe und fchwermüthig aus um- 1312355121; 
fchleierten Augen drein, und trübe und fchwer ift auch der Farbenton des 
fett gemalten Bildes.  Dafs er in diefem Jahre aber auch gelegentlich 
in befferer Stimmung arbeitete, zeigt die gewaltige, magifch beleuchtete, un- 
gemein tief und prächtig gefärbte vAnbetung der Königea von 1657 im Bääfrefon 
Buckingham-Palaft zu London; und dafs er auch noch in dem folgenden Jahre 1657-1659- 
ab und zu in den xtrüben Ton der trüben Tager zurückfiel, zeigen unerquick- 
liche Bilder, wie xJEICOb, mit dem Engel ringende und vMofes, die Gefetzes- 
tafeln Zeffchnqettefndu, letzteres von 1659, im Berliner Mufeum.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.