Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251368
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Sechstes 
Buch. 
n. Abtheilung. 
Zweiter Abfchnitt. 
Gegenfätze von Licht und Schatten befonders flark in einem allgemeinen 
goldigen Helldunkel ertränkenden Malweife des Meifters vom Ende diefer Epoche 
lind. Der Eindruck diefer Malweife iPc ein flauerer, als man ihn bei Rembrandt 
gewohnt ift. 
lffeffäfäjiäzs Befonders deutlich aber zeigen {ich die Fortfchritte, die Rembrandt um 
dläiläjrzaää 1637 gemacht, in den klaren, ruhigen, goldigen Gefchichtsbildern, die er feit 
diefer Zeit fchuf. Dem Jahre 1637 gehören z. B. die herrliche vSufanna im Badei 
E3137?" des Haager Mufeums, der wAbfchied des Engels von der Familie des Tobiasr: 
im Louvre zu Paris, und wdie Arbeiter im Weinberger der Ermitage zu 
v5.1 1638, St. Petersburg an; dem Jahre 1638 das viel bewunderte, bei aller Ruhe des 
Goldtons doch innerlich ungemein lebendige Bild der Hochzeit Simfons in der 
Dresdener Galerie und vChriftus als Gärtnern im Buckingham Palace zu London; 
v0" Iöf" dem Jahre 1640 die kleine heilige Familie in von feinftem Helldunkel erhelltem 
Gemache im Louvre zu Paris und die xBegegnung der Frauena beim Duke 
vonmLof Weftminfter (Grosvenor House) in London. Das grofsartigfle Bild diefer 
132112215? Reihe ift das lebensgrofse wOpfer Manoalfsx von 1641 in der Dresdener 
in Dresden- Galerie (Fig. 589). Es ftellt die noch kinderlofen Eltern Simfons dar, denen der 
Engel erfchienen ift, welcher ihnen die bevorftehende Geburt des Sohnes ver- 
kündigt hat. Inbrünftig betend knien fle vor der auf dem Boden des Hofes 
entzündeten Opferrlamme, während der Engel {ich wieder gen Himmel fchwingt. 
Hier kommen zu dem feinen Helldunkel und dem leuchtenden Goldton noch 
Einzelfarben von mehr als tizianifcher Glut hinzu  man betrachte nur das 
fchöne Citronengelb des Untergewandes, das tiefe Kirfchroth des Ober- 
gewandes der Frau  vor allen Dingen aber eine Gemüthstiefe im Ausdruck 
der frommen Andacht des Paares, wie {ie nur wenigen Sterblichen darzuftellen 
gelungen ift.  
lgäaäää; Dem Jahre 1642 felbit aber gehört das zweite jener grofsen vSchützen- 
wiätliaixßn und Regentenftückea des Meiflers an, welche Bildnifsgruppen und Gefchichts- 
Amfterdanrbilder zugleich lind! die weltberühmte fogenannte vNachtwachea im Reichs- 
mufeum zu Amfterdam (Fig. 590). Gemalt war das Bild, welches einen Schützen- 
auszug unter dem Hauptmann Franz Banning Cocq und dem Lieutenant Willem 
van Ruytenberg darftellt, für die vKloveniersdoelene in Amflerdam. Im vorigen 
Jahrhundert wurde es in's Rathhaus gebracht, und bei diefer Gelegenheit wurde. 
es, wie neuerdings nachgewiefen wordenl), an allen vier Seiten befchnitten. 
Links fehlen einige Geftalten, rechts fehlt ein Stück des Trommlersfl) Aber 
auch fo wie es ifl, ifl es das eigenartigfte, künftlerifch freiefte und grofsartigfte 
aller vSchützenftückee. Das Merkwürdigfle dabei ifl, dafs es keineswegs eine" 
wNachtwachee, fondern einen Schützenauszug bei hellem, lichten Tage darftellt. 
Wunderbar hat Rembrandt den Schützenzug zu gliedern, zu beleben und durch 
Nebenfiguren, wie das vorn ihm entgegenlaufende kleine Mädchen, zu bereichern, 
die vorderen Geftalten in helles glühendes Licht herauszurücken, die hinteren 
in folche Schatten zu hüllen verftanden, dal's eine nüchternere fpätere Be- 
1) Das Ausführlichfte bei D. C. Meyer jr. in Oud Holland IV., p. 198-211. 
2) Man vgl. die alte Copie von Gerrilt Lundens in der National Gallery zu London.  Dazu 
die Nachbildung einer alten Zeichnung bei Brediux, Hanfilaengfs Meißerwverläe des Amßerdamer 
Reichsmufeums, Text S. 2 5.
        

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