Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251243
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Sechstes Buch. 
II. Abtheilung. 
Zweiter Abfchnitt. 
ift noch kühl grau; aber das Sonnenlicht bringt warmes Leben hinein; und 
gerade in der Verfchmelzung diefer natürlichen Lichtwirkung mit der geiftigen, 
äfinträifgf; die vom Apoftel ausgeht, ift Rembrandt fchon ganz er felbft. Unter den 
Radimgem übrigen Radirungen feiner Leidener Frühzeit finden flch vor allen Dingen jene 
verfchiedenen kleinen Selbftbildniffe feiner Hand, die er manchmal des Studiums 
wegen mit befonderem Gefrchtsausdruck, z. B. mit offenem Munde oder mit 
zornigen Augen darflellte. Auch unter den übrigen Gemälden der Leidener 
532253118" Frühzeit des Meifters I) fallen zunächPc feine Selbftbildniffe auf: man trifft f1e in 
iääßläixlg- der Caffeler und in der Gothaer Galerie, in den Mufeen zu Nürnberg und des 
Silägäifl- Haag 2). Ihnen reihen als freie Studienköpfe {ich die Greifenbildniffe in der 
Ermitage zu St. Petersburg, im Mufeum zu Innsbruck, in der Caffeler Galerie, 
 im Schweriner Mufeum und beim Grafen Efterhazy zu Nordkirchen in Weft- 
falen an. Was Rembrandt gegen Ende diefes Zeitraums bereits im ausgeführten 
fjglgerglig" Bildniffe leiPcen konnte, zeigen zunächfi die mit grofser Liebe vollendeten Bild- 
ahe"M""e'- niffe feiner alten Mutter im Wiltonhouse bei Salisbury, im Schloffe zu Windfor 
und im Oldenburger Mufeum. Das letztere, welches leicht und frei, aber auch 
noch zart verfchmolzen in blondem Tone gemalt ift, trägt die Jahreszahl 1631. 
Solche Bildniffe verfchafften dem jungen Meifter feine erften Beftellungen aus 
Amfterdam; und als die Frucht eines der erfien derfelben haben wir das von 
äfegäm: 1631 datirte lebensgrofse, lebenswahre, forgfaltig durchgeführte männliche Bruft- 
älgtfgttleörßsf bild eines fchreibenden Herrn (angeblich des Coppenol) in der Ermitage zu St. 
burg- Petersburg anzufehen. Sodann laffen {ich aus diefer Zeit noch einige kleinere 
Gemälde nachweifen, welche das im Stuttgarter vPauluscr angefchlagene Thema 
 variiren und fortbilden. Hierher gehört der ebenfalls von I627 datirte, noch 
Vogejläxjfärim etwas fchwer behandelte rGeldwechslera des Berliner Mufeums, ein Nachtflück 
Mufeum- mit röthlich-gelbem Kerzenlicht, welches wir als das Vorbild einer ganzen Claffe 
ähnlicher, von Dou, Schalcken, Boonen fpäter mit Vorliebe gemalten Bildchen 
äiiäflgäirläzsr anzufehen haben; hierher gehört das kühle, düftere Bildcheneines fchlafenden 
in Turin, Greifen in der Turiner Pinakothek, hierher der neuerdings oft befprochene 
 xhl. Anaftafius in feiner Zellea von 1631 im Stockholmer Mufeum und der wPetrus 
izllprlgsäitf im Gefzingnifse von demfelben Jahre bei Herrn Ed. Andre in Paris. Bilder 
beßtl). diefer Art kehren, wie wir vorgreifend bemerken wollen, fogar noch in der 
erften Amfterdamer Zeit des Meifters wieder. Die beiden Bildchen von 1633 
im Louvre. im Louvre zu Paris, welche Greife _in ihrer Arbeitsilube daritellen, fmd die 
fchönften, am feinften geftimmten, am poetifchften durchgeiftigten Bilder diefer 
Art, die Rembrandt gefchaffen hat. 
tlfifgäßgflfjäj Aber auch in mehrfigurigen kleinen Bildern verfuchte der Meifter flch fchon 
in feiner Leidener Frühzeit. Die phantafiifch wirkende, etwas flüchtig gemalte 
jgcfgfßg; vGefangennahme Simfonsu im Schloffe zu Berlin und das im Tone des vGeld- 
wechslersu gehaltene Nachtftück zPetrus im W achthofer bei Herrn Otto Pein 
ifPgjgltif in Berlin tragen die Jahreszahl 1628; und ungefähr derfelben Zeit mufs die 
befml fein angeordnete, zart in kühlem Helldunkel getönte xDarPtellung im Tempeln 
1) Näheres bei Bade, Studien, S. 364-396. 
2) Man vgl. die Polemik zwifchen Wurzbarlz und Bade in der Zeitfchrift f. b. 
S. 381, XI. (1876), S. 125 und 222 und K. Bergazßs entfcheidende Mittheilung, 
1877), S. 32. ' 
K. X. (1875), 
ebendort, XII.
        

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