Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1251226
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Buch. 
Sechstes 
Abtheiluug. 
Zweiter Abfchnitt. 
Fifgfm gebung aus unzähligen feiner Werke auch fpricht, ganz dem zugewandt, was 
geblmg- ihm die Hauptfache war, in Nebenfachen die zeichnerifche Richtigkeit der Ver- 
hältniffe nicht immer mit ängftlicher Genauigkeit oder hält es, nachdem er die 
künfilerifche Wirkung erzielt, die ihm am Herzen lag, nicht mehr für der Mühe 
werth oder nicht einmal für angebracht, an folchen Nebenfachen die nach- 
beffernde Feile anzulegen; daher bringt er, auf der höchfien Höhe feiner eigen- 
artigen Entwicklung angelangt, die Farben, manchmal fogar des Spartels fiatt 
des Pinfels {ich bedienend, fo körperhaft dick auf die Fläche der Leinwand, 
Seiaztlljggf" dafs von felbft jeder Reft einer zeichnerifchen Technik verfchwindet und die 
malerifche Oelfarbentechnik uneingefchränkt in ihre Rechte tritt. 
Aus Rembrandts Werken leuchtet uns eine weite, reiche, wunderbar 
Stoggigien realiflifche und zugleich von wunderbarem Licht- und F arbenidealismus durch- 
glühte Kunftwelt entgegen: eine Fülle kräftiger Einzelgelialten, erfüllt vom 
frifcheften Eigenleben, umfpielt von feinfter Licht- und Schattenwirkung, die 
manchmal nur das natürliche Helldunkel eines durch ein Fenfter erleuchteten 
Raumes wiedergiebt, manchmal aber auch, um befondere geifiige Stimmungen 
zu erzielen, durch die künftlerifche Einbildungskraft gefteigert erfcheint; eine 
Fülle von mehr oder minder figurenreichen, der biblifchen Gefchichte oder dem 
täglichen Leben, feltener der Weltgefchichte, der Mythologie oder gar dem 
linnbildlichen Vorfiellungskreife entlehnter Darftellungen, ftets von neuer, felbfi- 
erfundener Anordnung, ftets von packender, lebendiger, zu unferem Geifte und 
zu unferem Gemüthe fprechender Auffaffung, ftets von einem Zauber der 
Farbengluth und des Lichtes umfloffen, welche uns, fo unverfchönert aus dem 
Volke gegriffen die einzelnen Gefialten uns entgegentreten, wie mit Flügeln 
der Morgenröthe dem Alltagsfiaub entreifst und zu nur geahnten, höheren, 
geiftigeren Welten emporträgt; dazu eine Fülle der köftlichften Landfchaften: 
an fich fchlicht und wahr beobachtete Abbilder heimifcher oder benachbarter 
nordifcher Gegenden, die jedoch durch die geiftvolle Betonung der atmofpharifchen 
Stimmungen wie befeelte Wefen zu unferer Seele fprechen und durch jene 
Magie des Lichtes und der Farbe, die Rembrandt aus feinem eigenften Innern 
hinzuthat, uns wie ferne Wunderländer erfcheinen. 
Raäi31';en_ Aber Rembrandt befchränkte fxch nicht auf die Oelmalerei. Seine künfile- 
rifche Einficht zeigt er auch darin, dafs er, der fo gut wie Dürer das Bedürfnifs 
 fühlte, nicht immer nur zu den Wenigen zu fprechen, welche feine Oelgemälde 
zu Gelicht bekamen, aber fo Wenig wie Dürer in der Lage war, diefem Be- 
dürfnifs durch die Schöpfung öffentlicher monumentaler Gemälde nach Art 
derjenigen der Wandflächenfrohen Italiener zu genügen, flch wie Dürer, ja, 
 hierin von Dürer felbfi, doch auch von feinem grofsen engeren Landsmann 
Lucas von Leyden befiimmt, neben der Oelmalerei mit grofser Kraft und Leiden- 
fchaft auf die vervielfältigende Kunft warf, deren Blätter feinen Ruhm zu 
Taufenden von Haus zu Haus trugen. Rembrandts Radirungen nehmen in ihrer 
Art kein minder grofses künfilerifches und kunügefchichtliches Intereffe in An- 
fpruch, als feine Gemälde; und auch ihrer Anzahl nach ftehen fle den letzteren, 
fo viele feine Blätter auch durch die Kritik der letzten Jahre als wnechtr oder 
 als ißSchülerarbeitem befeitigt worden lind, doch immer noch annähernd gleich- 
Aäfääiäliler berechtigt zur Seite. Die Zahl feiner bekannten erhaltenen, unzweifelhaft echten 
Sein Farben- 
auf trag. 
Sein 
Stoßgebiet.
        

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