Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249499
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1250937
Die 
Malerei 
holländifclme 
Jahrhunderts. 
Die 
Haarlemer Schule. 
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ruine oder eine Anhöhe mit einer brennenden Windmühle. Alles fchliefst fich 
trotz der lebendigflen Durchführung der Einzelheiten zu einem Gefammtbilde 
von ebenmäfsiger Abrundung und feiner Abtönung zufammen. Aber auch das 
friedlichere Treiben an der Pferdefchwemme, im Feldlager, vor dem Marke- 
tenderzelte wird uns in unzähligen Wendungen immer neu, immer lebendig, 
immer geiftvoll vor Augen geführt. Seltener {incl Gegenftände, wie die vArmen- 
fpeifung an der Klofiertreppee in der Dresdener Galerie, noch feltener religiöfe 
Darftellungen, wie die wPredigt Johannes des Täufersr in derfelben Sammlung. 
Genau genommen aber ift dem Meifter jeder Vorgang recht, welcher fich in 
bunter Menfchenfülle vor der feingeftimmten Landfchaft abfpielen kann. Nur 
Pferde, wie gefagt, müffen dabei fein; bei der ßArmenfpeifung an der Klofter- schäfniflü 
trepper fattelt ein Mönch feinen Schimmel; der Predigt Johannes des Täufers 
laufcht, von hinten gefehen, ein Krieger auf einem Schimmel; bei den vFifchern 
am Strandex frifst ein Schimmel vorn auf der Dünenhöhe fein Heu. Stets, 
wie man fleht, iPt unter den Pferden ein Schimmel, und diefer bildet immer 
die hellfte Lichtmaffe des Bildes, in der Regel auch den Mittelpunktrder 
Erzählung, auf den hin Alles geftimmt ift. 
Wouwerman zeichnet aufserordentlich charakteriftifch und natürlich; er hiflfizffe. 
weifs feine Menfchen und Thiere lebendig zu einander und zu der Landfchaft 
in Beziehung zu fetzen; er malt mit feinem, geiftvollem Pinfel, niemals geleckt 
und ängfilich und doch liebevoll in alle Einzelheiten eindringend; er ift viel- 
farbig, ohne jemals bunt zu werden; die zarte atmofphärifche Stimmung, in 
welche er feine Bilder hüllt, gleicht alles aus und wird jedem gerecht; und 
alle diefe guten Eigenfchaften feiner Bilder find um fo mehr zu bewundern, 
da er aufserordentlich fruchtbar war und offenbar keine Studien vor der Natur 
zu den ganzen Bildern malte, fondern fie leicht und flüffig aus Einzelftudien, 
der Erinnerung und der Phantafie zufammenfetzte. 
Datirt hat er feine Bilder aufserordentlich felten: die wenigen Jahreszahlen Seine Stil- 
auf einzelnen feiner Bilder, wie 1646 auf einem Bilde der ehemaligen AmPrer- cmwickmnf; 
damer Sammlung van Loon, wie 1649 auf dem vReiter im Hofea der Dresdener 
Galerie, 1650 auf einem Erntebilde, 165 3 auf einem rGafthaushofer, 1656 auf 
einer vTürkenfchlachtr in der Ermitage zu St. Petersburg, genügen nicht, um  
uns einen Ueberblick über feine Stilentwicklung zu geben. Wohl aber tritt 
uns eine folche aus feinen Bildern felbft deutlich genug entgegen; und die 
Entwicklung feines Monogrammes 1), befonders feines vor das W. gefetzten 
Vornamens, der anfangs nur fchlicht aus P und H Verfehlungen ift, dann das 
L und endlich das S aufnimmt, flch in diefer ausgebildeten Form während der 
ganzen Blüthezeit des Meifters in fefter Form erhält, um fich fchliefslich in 
freiere Züge aufzulöfen, befiätigt die Entwicklung des Meifters, wie fie uns aus 
feinen Bildern, entfprechend dem Gefammtzuge feiner Zeit, entgegentritt. Die Sei: i?" 
Dresdener Galerie, welche 62 echte Bilder des MeiPters befitzt, ift in folchem 12:33h" 
Maafse die Hauptfammlung für das Studium des Meifters  als zweite reiht 
die Ermitage zu St. Petersburg {ich ihr freilich mit etwa 50 Bildern an  
dafs es genügen mufs, uns an der Hand ihrer Bilder Wouwermans kurz deffen 
Bade 
Zahxfs jahrbüchern
        

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