Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1244401
Die 
[panifche 
Malerei 
Jahrhundert. 
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geführte Darftellung des Leichnams Chifti in den Armen des ewigen Vaters im Seine 
Madrider Mufeum ihn in feiner ganzen Eigenthümlichkeit. Am heften aber lernt Fliilcdleerrh 
man diefelbe in Toledo kennen 1). rSeine Halbflguren der Apoftel im Salon de iii iigfiiig: 
la Sacristia der Kathedrale find nur andere Auflagen feiner Porträtköpfe. Sein 
Hauptbild auf dem Altar desfelben Raumes, welches Chriftus im feuerrothen 
Gewande auf dem Kalvarienberge zeigt, wie er kurz vor feiner Anheftung an's 
Kreuz inmitten des Schwarmes dafteht, ift das reiffte, was der Grieche im 
grofsen Stile gemalt hatxr vWeit fchlimmer fpricht flch fein Manierismrxs in 
den langen, dünnen Gliedern, in den grauen Fleifchtönen und f chwarzen Schatten, 
in den blauen und gelben Gewändern feines anderen Hauptbildes in Toledo aus. 
Diefes befindet {ich in der Kirche S. Tome und {tellt das Begräbnifs des Gonz. 
Ruiz, Grafen von Orgaz, dar, welchem unten auf Erden viele Würdenträger bei- 
wohnen, während oben im geöffneten Himmel der Heiland felbft inmitten der 
himmlifchen Heerfcharen den Verklärten empfängt. Es ift auch diefes gewifs 
kein intereffelofes Bild; aber es wirkt halbverrückt und ftöfst uns mehr ab, als 
es uns anziehtß iGanz verrückt dagegen ift das ebenfalls gelb-grau-blaue im Escorial. 
Bild der Escorialfammlung, welches den heiligen Mauritius mit feiner Chriften- 
legion darfiellt. Aber obgleich Theotocopuli manchmal dem Wahnfinn nahe zu 
fein fcheint, ein hochbedeutendes Talent war er trotz alledem und prägte fich 
feinen Zeitgenoffen als folches einm 
Sein Lieblingsfchüler war Luis Tristm-z (1586-1640), den man am öfteften Seine 
in den Kirchen Toledds antrifft, während der Retablo der Pfarrkirche des ab- lfllfnan, 
gelegenen Städtchens Yepes fein berühmtes Hauptwerk ift und das Madrider 
Mufeum ein gutes männliches Bildnifs feiner Hand bef1tzt. Er war einer der 
reifPren Meifter der Uebergangszeit zu der vollen Freiheit des 17. Jahrhunderts 
und nicht ohne Eintlufs auf die Entwicklung des grofsen Velazquez. 
Ein anderer Schüler des Griechen, lfrzzy fYumz Bautzlvta [Mayno (1569 bis Maym, 
1649) ift im Madrider Mufeum mit einer Anbetung der Könige und mit der 
rXllegorie der Unterjochung Flanderns ausreichend Vertreten, guten Bildern in 
ihrer Art, die entfernte Anklänge an Paolo Veronefe zeigen, jedoch in den fpani- x 
fchen Ton überfetzt find. 
Im Uebrigen traten in Madrid um die Zeit der Stilwende die Schüler der Die Schüler 
obengenannten eingewanderten Italiener in den Vordergrund: die Schüler des iiliqeeliii: 
Patricio Caxes, wie Pedro de Guzman, der 1601 Hofmaler Philipps III. wurde, Gifjääßfm 
lfnrf. Golzszzles (1564 geb., 1617 Hofmaler) und Ezqgrezzzb Caxes (1577 in Madrid 
geb., 1642 ebenda geftl, der vielfeitige, gefchickte und fruchtbare Meifler, den man 
in den beiden Bildern, welche das Madrider Mufeum von ihm" befitzt, von feiner 
beflen Seite kennen lernt: als religiöfen Maler von italienifcher Abrundung und 
fpanifcher InbrunPc in der Darfiellung des heiligen Ildefons, wie er von derjungfrau 
das Bifchofsgewand empfängt (früher im Trinidad-Mufeum), als weltlichen Hifiorien- 
maler von fchon recht realiflifcher, faft ganz der Neuzeit angehörender Kraft, 
in dem grofsen Gemälde der 1625 zurückgefchlagenen Landung der Engländer 
in der Bucht von Cadiz; aber auch die Schüler des Bart. Caniurlw, wie F. Lopez r. Lopez. 
I) Es fei dem Verfaffer geßattet, das Folgende, 
feinen nKulmfi- und Naturfkizzenu (Düffeldorf 1880) 
R115 
weil er es in lfolcdo felbfi niedergefchrieben, 
IT. S. 152 und 154 zu wiederholen.
        

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