Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249332
S40 
Buch, 
Sechstes 
Abtheilung. 
Erfter 
Abfchnitt. 
Prarb. Seine beglaubigten Hauptbilder, eine Hirfchjagd und eine Bärenjagd, 
beützt das Amfferdamer Mufeum; befonders gut aber kann man ihn in der 
Galerie Liechtenfiein zu Wien kennen lernen, die nicht weniger als fünf Bilder 
feiner Hand befltzt. 
 Ein unmittelbarer Schüler des Snyders war dagegen noch zVzkaßzzs Bcrzzzzerfs, 
Welcher 1620 in Antwerpen geboren wurde, 1654, nachdem er fchon in Paris 
gewefen war, als Meifier in die Gilde feiner Vaterfladt, 1663 aber in die 
Akademie zu Paris aufgenommen wurde, wo er 1678 ftarb. In Paris wurde 
er übrigens Bern. Nicafius genannt; und er intereffirt uns für Wahrung des 
Schulzufammenhangs als der Lehrer des bereits oben (S. 376) befprocheuen 
fruchtbaren franzöfifchen Thiermalers Fr. Desportes. Der Louvre befitzt zwei 
Vogelfiüclqe feiner Hand, die an Snyders erinnern, aber doch etwas glatter in 
 der Technik und kälter in der Farbe erfcheinen, als die Bilder diefes Meifters. 
dEAäT;Ü2H-_ Ins 18. Jahrhundert herein endlich fetzte Adrian: (nicht Anton) de Gryzjf" 
den Stil des Snyders in kleinerem Mafsftabe, mit zierlicherer Ausführung und 
zopfigerer Färbung fort. Adriaen de Gryeff foll 1670 in Antwerpen geboren 
und fchon 1715 in Brüffel geftorben fein. Doch heirathete er nachweislich fchon 
1689 in Antwerpen, wohnte 1690 allerdings in Brüffel, 1694 aber wieder in 
Antwerpen, wo er erft 1699 feine Freimeifierfchaft erwarb. Beglaubigte, 
charakteriftifche Bildchen feiner Hand befinden fich z. B. im Louvre zu Paris, 
im Schloffe zu Schleifsheim und im Mufeum zu Lille, vor allen Dingen aber in 
der Eremitage zu St. Petersburg, die ihrer nicht weniger als vier befitzt. 
Zeitlich zurückgreifend reihen wir hier am beften die verfchiedenen Mit- 
glieder der Antwerpener Künftlerfamilie van Keffel ein. Ihr Stammvater, 
 mm Keffel, erblickte fchon 1578 das Licht der Welt, reifte nach 
beendeter Lehrzeit in Deutfchland, verband {ich aber fpäter in Antwerpen 
mit feinem Schwiegervater Film Bruegke! 1., der zwar, wie wir gefehen haben 
(oben S. 394), felbft von bahnbrechender Bedeutung auf dem Gebiete der 
Thiermalerei war, dennoch aber {ich nicht felten der Hand jerooms zur Aus- 
 führung der Thierwelt auf feinen Bildern bediente. Nach 1636 wird der 
Meifter nicht mehr erwähnt. Seine Bilder find fehr felten. Seine unzweideutige 
Namenszeichnung tragen auffallender Weife keine Thierftücke, fondern Bildniffe. 
Ihrer zwei (von 1618) befitzt die Schleifsheimer Galerieß) 
Q3361? Sein Sohn jan mm Keffel  wurde 1626 zu Antwerpen geboren und 
Ptarb dafelbft 1676. Selten find die gröfseren, durch de Heem beeinflufsten 
Stilleben feiner Hand, zu denen wir den F rühftückstifch der Dresdener Galerie 
und das allerdings weniger farbige Stilleben mit dem Hafen im Braunfchweiger 
Mufeum rechnen. Seine Hauptftärke lag in kleinen, fein in heller, klarer 
Farbengebung durchgeführten Darftellungen aus der Thier- und Pflanzenwelt, 
welche er zu ganzen Folgen zufammenzuliellexi liebte. Zu feinen bedeutendften 
Schöpfungen der Art gehört die auch urkundlich beglaubigte, 1664 gemalte 
I) F. f. v. d. Branden (a. a. O. p. 1098) fchreibt ihm das w]. van Keffelu bezeichnete grofse 
Stilleben der Dresdener Galerie zu, weil er deffen Jahreszahl 1634 ließ. Sie iü nicht ganz deutlich. Die 
bisherige Lesart 1654 dürfte jedoch richtig gewefen und das Bild daher dem Jan van Keffel zu laffen fein. 
2) Nicht zu verwechfeln mit dem Amfterdamer Landfchaftsmaler gleichen Namens, der ein 
Nachfolger Ruisdaels war.
        

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