Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249291
536 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Erfter Abfchnitt. 
fchwunghaft decorativ angeordnet, breit und flott gemalt und nicht ohne eigenen 
Farbenreiz. Der Meifler liebt befondere Lichtwirkungen, weifs das Sonnenlicht 
fich in jeder Meereswelle des Hafens wiederfpiegeln zu laffen und auch durch 
Flaggen, Segel und bunte Trachten malerifche Wirkungen zu erzielen. Sein 
ältefles bekanntes Bild (von 1652 oder 1653) befindet fich in der Akademie 
Seinewerke- zu Brügge und flellt das alte Hafendock diefer Stadt dar. Die Dresdener 
Galerie befitzt fein hübfches Bild eines orientalifchen Seehafens mit Kameelen 
im Vordergrunde (von 1673), dem fich eine ähnliche, nicht datirte Darftellung 
im lVlufeum zu Rouen anreiht. Das Antwerpener Mufeum befitzt von Minder- 
hout einen vorientalifchen Seehafena von 1675. Im Madrider Mufeum aber 
fleht man zwei von 1688 datirte Flufslandfchaften feiner Hand, die eine halb 
holländifche, halb vlämifche Behandlungsweife zeigen. Seine volle Namens- 
zeichnung tragen alle diefe Bilder. 
Auch unter den Seemalern haben wir endlich einen verwelfchten Ant- 
Werpener kennen zu lernen. Diefer hiefs Matthäus van Plrzttenäerg (franzöfirt: 
plfft'e;l'ggrg_ JVI. de Platle-Montagvze), war um 1608 geboren  foll ein Schüler des A. v. Eert- 
velt (oben S. 533) gewefeni), aber früh nach Italien gegangen fein und fich 
fchliefslich in Paris niedergelaffen haben, wo er gleich 1648 der Academie royale 
beitrat und 1660 ftarb. Seine grofsen Seefturmbilder mit haushohen Wogen 
find nicht übel beobachtet, aber fchwer im Ton und oft fo nachgedunkelt, 
dafs wenig mehr von ihnen zu fehen ift. Man begegnet ihnen in den italie- 
nifchen Sammlungen, z. B. in den Uftizien zu Florenz und im Mufeum zu Neapel. 
In den nordifchen Galerien find fie von der gröfsten Seltenheit. Doch befltzen 
z. B. das Schlofs zu Pommersfelden und die Galerie zu Augsburg je ein Bild 
feiner Hand. Bekannter ift er als Radirerß) Von feinen Landfchafts- und 
Seeftück-Radirungen fmd z. B. iclie Landfchaft mit tanzenden Schnitternr 
 8), vder Seehafen mit der Feflungr  12), rder Seehafen im 
Sonnenfcheinr  20) und vder Schiffbrucha  23) hervorzuheben. 
Ardgfjktur_ Auf dem Gebiete der Architekturmalerei haben wir die belgifchen 
malen Hauptmeifler des 17. Jahrhunderts, die Steenwyck und die Neefs, bereits oben 
(S. 405-408) kennen gelernt. Die beiden älteren Meifler diefes Namens gehörten 
eben entfchieden der Uebergangszeit an und die beiden jüngeren wollten wir 
nicht von ihren Vätern trennen. Wir haben hiernach nur noch zwei Archi- 
tekturmaler namhaft zu machen, welche beide geborene Deutfche gewefen zu 
 fein fcheinen. Der erfte, welcher wahrfcheinlich ein Schüler des älteren Peter 
Gfjräfgh. Neefs in Antwerpen war, hiefs Anton Glzerzhgk (Gerinck). Sein Geburtsjahr 
ift unbekannt. Meifler der Antwerpener Gilde wurde er 1662; aber ihm war 
keine lange Thätigkeit als folcher befchieden; er ftarb fchon 1668 in gröfster 
Armuth. Auch er malte das Innere von Kirchen, und er malte es flott, kräftig 
und wirkimgsvoll; doch zogen ihn die Spitzbogen nicht mehr an; er bevor- 
zugte die im Stile feiner Zeit gehaltenen Kirchen, befonders die im Jahre 1718 
I) Da er nach den Archives de Yart frangais, I, 
Paris flarb. 
2) Nach Mariefte, Abecedario, IV, p. 135-486. 
3) [Coäert-Dzllnesnil a. a. O , V01. V, p. 108-127. 
wird hier irrthümlich Michel ftatt Matthieu genannt. 
am 
Sept. 1660 , 
alt in 
Jahre 
52 
unzweifelhafte Nummern. 
Der Künftler
        

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