Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249244
Die vliiln. 
Ualerei des I7. 
jahrh. 
Die übrigen belg. 
Landfchafter u. 
Vertreter anderer Fächer. 
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den Mufeen zu Bordeaux und Valenciennes {ich an. Die Figuren und Thiere 
fpielen übrigens eine folche Rolle in Siberechts Bildern, dafs er zu den Land- 
fchaftern gehört, welche zur Sitten- und Thiermalerei hinüberleiten. 
Mehr in der Art Arthois" und Achtfchellincks malte Peler Verdufsen, ein 1662 Veräksm 
in Antwerpen geborener Künltler, von deffen Hand z. B. das Mufeum Plantin 
zu Antwerpen eine bezeichnete grofse decorative Berglandfchaft befltzt 1). 
Den Uebergang zu den Stiliften bildet Gillis Neyts, ein um 1617 zu Ant-  
werpen geborener, 1687 dafelbft veritorbener Meifter, von deffen Hand fich 
in der Dresdener Galerie zwei Berglandfchaften von 1681 befindeni), während 
er fonft hauptfachlich durch feine Radirungen bekannt ift 3). 
Unter den italifirenden Antwerpener Landfchaftern ift zunächft Kafper Dääaiglmm- 
(Gafßar) de Wittß) zu nennen. Im Jahre 1624 geboren und durch feinen de Witte- 
Vater Peter a? Wittz I. in die Kunft eingeführt, entwickelte er flch auf früh- 
zeitigen Reifen in Italien und Frankreich, kehrte aber 1651 nach Antwerpen 
zurück, wo er 1681 ftarb. Dafs er der erfte Lehrer des Cornelis Huysmans 
war, ift fchon bemerkt worden. Er malte italienifche Landfchaften mit fchönen 
Baumgrugpen im Vordergrunde und itattlichen Gebäuden im Mittelgrunde. Sein 
Stil hält ungefähr die Mitte zwifchen demjenigen Gafp. Dughets und demjenigen 
Jacques d'Arthois'. Sein Colorit, welches die Localfarben in einen bräunlich grauen 
Gefammtton hinüberleitet, wird ohne fonderliche Wirkung von gleichmäfsig hellem 
Lichte getragen. Bezeichnete Bilder feiner Hand lind die reich mit Staffage- 
figuren verfehene Berglandfchaft mit der Kuppel der Peterskirche im Mittel- 
grunde (von 1667) und die Landfchaft mit dem Teich Bethesda (von 1671) im 
Antwerpener Mufeum, die recht kalt wirkende Landfchaft mit den Ruinen einer 
Wafferleitung in der Kaiferlichen Galerie zu Wien und ein Bild der Turiner 
Galerie, in dem die Gebäude eine Hauptrolle fpielen. Die Figuren pflegte ihm 
Anton Goubau zu malen. 
Noch akademifcher und kälter als Kafper de Witte war Abr. Genoels, ein Q3311. 
1640 zu Antwerpen geborener, nach 1659 eine Zeitlang als Gehülfe Le Bruns 
zu Paris thätiger, von 1675-1682 in Rom anfafflger, dann nach feiner Vater- 
ftadt zurückgekehrter und hier 1723 geftorbener Meifter, von deffen Hand das 
Antwerpener Mufeum eine grofse heroifche Landfchaft mit mythologifcher Staffage, 
das Braunfchweiger Mufeum eine Ruinenlandfchaft mit idyllifchen Figuren befitzt. 
Bekannter, denn als Maler, ift er als Radirer. Bartfch 5) befchreibt nicht weniger 
als 7 3 Nummern {eines Werkes.  
Andere verwandte Meifter, wie Plz. Aug". ßlzvrzevtzrae! (1627_1679) und 
feine Söhne, deren Bilder in öffentlichen Sammlungen wohl überhaupt nicht 
1) Nicht zu verwechfeln (wie 21. d. ßranden a. a. O. p. 1081 es thut) mit feinem Sohne Jan 
Peter Verdnfsen (geil. 1763), von deffen Hand die Schleifsheimer Galerie zwei Pferde- und zwei 
Lagerbilder befitzt. 
2) Ein bezeichnetes Bild unter dem Namen Kierinx nach Sulzeibler auch in der Galerie Schön- 
born zu Wien. Das Bild von 1641, welches im Stockholmer Mnfeum {einen Namen trägt, zeigt nach 
der Anficht des Verfaffers weder feine Bezeichnung noch feine Hand. 
3) ßanfclz a. a. O. IV, p. 301-315. 
4) Ueber ihn und die übrigen Mitglieder der Künillerfamilie de Witte, auf die wir nicht ein- 
gehen können, F. 7. v, d. Branden a. a. O. p. 1060-1065. 
5) Peintre Graveur IV, p. 317-375. 
311i
        

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