Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249053
SI2 
Buch. 
Sechstes 
Abth eilung. 
Erfier Abfchnitt. 
des Helldunkels faugt allmählich immer mehr örtliche Farben auf, fo dafs 
(liefe {ich ihm nach und nach immer mehr unterordnen. 
Von den Bildern der Münchener Pinakothek gehören etwa ein Dutzend 
in München. hierher: fo die drei Bilder, welche wahrfcheinlich zu einer Folge der ßfünf 
Sinner gehörten und das Gefühl durch eine Verbandsanlage im Zimmer eines 
Wundarztes, das Gehör durch eine flngende Bauerngefellfchaft mit einem 
luftigen Geiger, den Gefchmack durch ein Rauch-Collegium veranfchaulichen; 
fo die geiftvolle, f kizzenhaft flüchtige Darftellung der fünf raufenden Bauern, 
die vSchlägerei zwifchen zwei Bauerna, die beiden Darftellungen der karten- 
fpielenden Bauern, die fchon hellgrau getönte vSchlägerei am Faffex und rßdie 
Weinituber mit dem jungen Zecher, der den Glashumpen voll Rothweins in 
i" Dresden, beiden Händen jubelnd erhebt. Von den Dresdener Bildern des Meifters gehören 
vder ertappte Falfchfpielerr (Fig. 548) und die ßSchlägerei beim Spiele, fowie 
die beiden, ganz leicht und f kizzenhaft behandelten, karikirten Köpfe eines 
fchreienden Bauern und eines Bauern, der den Finger an den Mund legt, diefer 
Epoche an. Den beiden zuletzt genannten Bildchen lind zwei ähnliche Bildchen 
in Wieii- der Galerie Liechtenfiein in Wien nahe verwandt. Ferner lind an diefer Stelle 
im Louvre, die vRauchkneipeu im Louvre zu Paris, der xFederfchneiderv und vdas Früh- 
ftücku in der Salle Lacaze derfelben Sammlung, der vFlötenfpielere, die 
i" Sfßgm" iwBauernkneipeu und die vBauernfchlägereiu in der Eremitage zu St. Petersburg, 
Q2132; die vkartenfpielenden Bauerna im Mufeum zu Antwerpen, die nKneipfceneu 
in Brüffel, mit elf Theilnehmerna in der Galerie Arenberg zu Brüffel, die vBaderPtubeu 
in Aachen, im Suermondt-Mufeum zu Aachen zu nennen. Von des Meifters Werken in 
in England. den grofsen englifchen Sammlungen, in denen fie übrigens nicht fo häufig find, 
wie man erwarten follte, feien nur die vWeinprobea zu Chatsworth, der 
vMefferkampfu zu Cafile Howard, der wSchläferu bei Sir Richard Wallace und 
die vbäuerliche Katzenmuliku in der Bridgewater Gallery hervorgehoben. 
Büäifder In den Bildern der wenigen letzten Lebensjahre des Meifters ordnen die 
leäifjwffsit örtlichen Farben fich mehr und mehr dem immer kühler, immer grauer 
 werdenden Gefammtton unter; zugleich wird die Pinfelführung bei erfiaunlicher 
Kraft und Sicherheit immer leichter und breiter, fo dafs fie fich, befonders in 
den gröfseren Köpfen, die aus diefer Zeit vorkommen, gerade jetzt erlt der- 
i" iiliinßhß", jenigen des Frans Hals nähert. Von den Bildern der Münchener Pinakothek 
gehören die vfingenden Bauern am Faffea, die iiSoldaten beim Spiela, "der 
eingefchlafene Wirthu und vdie Trinkfiubeu mit der Frau, die ein Branntwein- 
gläschen in der Hand hält, diefem Zeitraume an. Ferner kommen hier die drei 
in Frankfllrli- ausgezeichneten Bilder des StädelTchen Infiituts zu Frankfurt a. M. in Betracht: 
vdie Operation am Fufsea, ndie Operation am Rückens (Fig. 549) und der 
beinahe lebensgrofse Kopf des vBauern, der Arznei eingenommen hatu, wohl 
auch eine Veranfchaulichung des vGefchmacksu. Als vGeruchu würde dann 
im Louvre, der bekannte grofse Kopf des iwRauchersu der Sammlung Lacaze des Louvre i) 
I) Dafs der nRauCheru der Sammlung Lacaze von Brouwer herrühre, ifl unferes Wiffens nur 
von Bade (a. a. O. S. 57) in Zweifel gezogen worden. Auf feinen Haarlemer Urfprung könnte der 
Umßand deuten, dafs er auf einem Bilde von Frans Hals d. J. in der Dresdener Galerie neben der 
vHillebobben des älteren Fr. Hals wiederkehrt; aber Brouwer war ja auch in Haarlem. Nur die Zeit- 
beflimmung macht Schwierigkeiten. 
        

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