Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249035
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Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Abfchnitt. 
Erfler 
ift fchon gefagt worden; gar nicht felten macht er auch abflchtlich Zerrbilder 
aus ihnen; aber die Grundlage feiner Auffaffung bildet {tets eine grofse Gabe 
gefunder und natürlicher Charakteriftik, verbunden mit einem kräftigen, aber 
harmlofen Humor, der dem Häfslichen feine komifche Seite abzugewinnen 
verfteht. Seine eigentlichen Lieblingsgegenftände {ind Rauffcenen in Trink- 
Pcuben. Die Raufereien {ind in der Regel beim Kartenfpiel oder beim Würfeln 
entftanden; manchmal geht es aber auch ruhiger bei diefem Treiben zu, und 
dann wird das Würfeln und Kartenfpielen oder das Kneipen und Rauchen 
zur Haupthandlung der Darfiellung; ferner bevorzugte er Scenen aus den Bader- 
 fiuben: ein fchlichter Wundarzt unterfucht die Fufswunde feines Kranken, er 
verbindet einem folchen den Arm, er {ticht ihm ein Gefchwür am Rücken, 
oder ein Zahnarzt greift feinem {ich vor Schmerzen krümmenden Kunden in 
den Mund. Nennen wir fchliefslich noch Mufiker, Sänger, Geiger, Mandolinen- 
fpieler, Flötenbläfer fchlichter Art, die ganz verfunken {incl in ihre KunPc, fo 
haben wir das flttenbildliche Stoffgebiet des Meiflers, in dem weibliche Wefen 
fehr fparfam gefät {ind und nur eine untergeordnete Rolle fpielen, fchon ziemlich 
vollfländig begrenzt. Brouwer war eben felbft ein witziger, luftiger Junggefelle, 
der fich, abgefeheu von feiner Kunft, mit der er es fehr ernfi nahm, im Kneipen- 
leben am wohlflen fühlte; und er hatte auch künftlerifch keinen anderen Ehr- 
geiz, als die Geftalten und Vorgänge, die er täglich vor Augen fah, fo lebendig 
und reizvoll wie möglich wiederzugeben. 
Sei" Lehm Geboren ift Adriaen Brouwer um 1606 in Flandern, wie es fcheint in 
Oudenaerde. Seine Lehrzeit hat er wahrfcheinlich in Haarlem unter Frans 
Hals, den wir erfl: fpäter kennen lernen werden, durchgemacht. Sicher ver- 
folgen können wir ihn aber nur während der letzten {ieben Jahre feines kurzen 
Lebens; und während diefer lebte und malte er in Antwerpen. Im Winter 
1631-32 wurde er hier als Meifter in die Lucasgilde aufgenommen; 1633 fafs 
er, wahrfcheinlich aus politifchen Urfachen, gefangen in der Antwerpener VePre; 
1634 gab er {ich zu dem berühmten Kupferflecher Paul Pontius (oben S. 440) 
in Koft und Wohnung; wegen feiner Schulden kam er wiederholt mit den 
Behörden in Berührung, zuletzt 1635; feit diefem Jahre wird er als Mitglied 
der literarifchen Antwerpener Gefellfchaft xde Rederykerskamern genannt, an 
deren Feftmahlen wenigflens er fich betheiligte; Anfang 1638 fchon {tarb er, 
wahrfcheinlich an der Pefi; am I. Februar diefes Iahres erhielt er fang- und 
klanglos ein ärmliches Begräbnifs auf dem Karmeliterkirchhofe; fpäter wurde 
feine Leiche auf Betreiben feiner Freunde und unter {iarker Theilnahme der 
Antwerpener Kunflwelt in der Karmeliterkirche beigefetzt. 
Seineßilder- Brouwer ift alfo nur 32 Jahre alt geworden, und feine felbfländige künft- 
lerifche Thätigkeit umfafst höchftens ein Jahrzehnt. Für diefe kurze Zeit hat 
er eine ziemlich beträchtliche Anzahl von Bildern hinterlaffen, doch wohl nicht 
mehr als 50 im Ganzen, von denen {ich 18 allein in der Münchener Pinakothek 
 befinden. Bei aller ihrer Aehnlichkeit unter einander laffen {ich doch, ihrer 
Behandlungsweife nach, verfchiedene Gruppen in ihnen unterfcheiden, die auf 
erhebliche Wandlungen des raftlos nach technifcher Meifterfchaft ringenden 
Künftlers fchliefsen laffen. Da er feine Bilder nicht zu datiren pflegte, fo läfst 
{ich die Reihenfolge diefer Wandlungen {jedoch nur aus inneren Gründen
        

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