Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1249027
Die 
[ehe 
Malerei 
des 
Jahr 
hunderts. 
Die 
Maler 
Figuren. 
kleiner 
509 
Anderen fpäter und vielleicht in Paris) gefiorben fein foll, war der zweite 
Brüffeler Hauptfchüler David Teniers' des Jüngeren, entwickelte {ich aber 
felbfländiger, als Tilborch, oder gerieth, richtiger gefagt, während eines 
Aufenthaltes in Frankreich unter den Einiiufs Ad. F. van der Meulens. 
Duchaftels Hauptbild, welches feine volle Namenszeichnung und die Jahreszahl 
1668 trägt, Pcellt die Huldigung der Staaten von Flandern bei der Thron- 
befteigung Karls V. dar. Es befindet fich im Mufeum zu Gent; und nach 
Mafsgabe diefes Bildes hat man ihm neuerdings nicht nur den Tilborch 
zugefchriebenen aAuszug der Ritter vom goldenen Vliefse im Brüffeler Mufeum  
fondern auch das vPanorama von Valenciennesr im Antwerpener Mufeum 
zugefchrieben, welches ftark an Teniers erinnert, für diefen felbfi aber entfchieden 
zu fchwach ift. Ein feines, warm durchgeführtes, lebensgrofses Bildnifs eines 
jungen vlämifchen Edelmannes von feiner Hand befltzt das Berliner Mufeum; 
feine kleinen Bildnifsgruppen eines reich gekleideten Reiters mit einigen Neben- 
Figuren befindet fich im Louvre zu Paris. 
Aber es wird Zeit, von der Familie Teniers und ihren Schülern oder 
Nachfolgern Abfchied zu nehmen, um uns Brouwer und den Seinen zuzuwenden. 
Adrizzun Brozzzvcr (Brauwer, auch de Brouwer) wurde früher in der Regel äzgflijjrt 
unter die Holländer gefiellt; aber die neuere Forfchung hat ihn, wenn er auch 
wahrfcheinlich in Haarlem unter Frans Hals, dem grofsen Antwerpener, der 
allerdings nicht von der holländifchen Schule getrennt werden kann, gelernt 
hat, doch mit Entfchiedenheit der vlämifchen Schule zurückgegeben?) Er ift 
Wegen der Derbheit feiner Stoffe und feiner Anfchauung nicht eben ein Künfiler 
für Frauen und xSchöngeiPtere, aber er ifl wegen der Schärfe feiner Beobachtung, 
der Urwüchfigkeit feiner Auffaffung und der freien Meiflerfchaft feiner Dar- 
ftellungsweife ein Liebling der Künliler und Kenner. Die Stätten, die er Pcudirt 
und malt, find die vom n gemeinen Manna befuchten Schenken, Baderituben u.  
welche auch die Stätten feines täglichen Verkehrs waren. In's Freie wagte er 
{ich nicht oft; landfchaftliche Hintergründe fchon giebt er, im Gegenfatz zu 
Teniers, feinen Darftelluilgen nur äufserft felten; und wirkliche Landfchaften 
malte er nur in Ausnahmefällen, dann aber freilich mit eigenartiger Meiiter- 
fchaft. Auch fpielen die Binnenräume, in die er feine Vorgänge verlegt, als 
folche keine fehr felbftändige Rolle in feinen Bildern; bei der forgfaltigen 
Durchbildung des Stillebenbeiwerks hält er fich, Wenngleich er es meiPcerhaft 
darzuftellen verfieht, in der Regel nicht auf; der in feines, duftiges Halbdunkel 
gehüllte Raum bildet vielmehr nur den Grund, von dem die lebhaft bewegten, 
in geiftvoll zufammengeitellten. Farben fchimmerndcn Gefialten feiner Bilder fich 
abheben. Und die Geftalten, die er darftellt, {ind niemals verallgemeinert, 
fondern in jedem einzelnen Falle individuelle Charaktere der Volksklaffen, die 
er uns vorführt. Dafs er fie manchmal derb bis zur Fratzenhaftigkeit auffäfSt, 
1) So fchon Snzitlfs Catalogue III, 11447-448; Waagm- Crouze, Handbook p. 328; des- 
gleichen L. Scheibler. 
2) S0 in Deutfchland zuerfi; W Sclzmizit: Das Leben des Malers Adriaen Brouwer. Leipzig 
1872.  Die neuefte, alles Frühere zusammenfaffende Monographie des Meifiers iß W Bodeß meifier- 
hafte Arbeit: A. Brouwer, Ein Bild feines Lebens und Wirkens, im Bd. VI der "Graphifchen Kiinfieu, 
Wien 1884, S. 21-72.
        

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