Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248766
vlämifche 
Die 
Malerei 
jahrh. 
übrigen belgifchen Grofsmaler des 17. Iahrh. 
Die 
483 
baffadeum und als nLB. VlfllICK bezeichnet werden. Seine fchönften religiöfen 
Bilder, wie die grofse vHimmelfahrt Mariase in der Jakobskirche zu Antwerpen 
von 1671 und fein wTeich Bethesdar von 1675 im Mufeum diefer Stadt ftammen 
aus dem letzten Jahrzehnt feines Lebens. 
Als dritter Meiiter diefer Richtung ift Peter Tlzys (Tyffens) (1624-1679) zu Peter Thys- 
nennen. Sein Lehrer war ein unbedeutender Meifter; feine Vorbilder aber 
fcheinen van Dyck und de Crayer gewefen zu fein. Seine beften beglaubigten 
Kirchenbilder, einen wheiligen Rochusr und eine vheilige Katharinar befitzt die 
Hauptkirche zu Dendermonde. Uebrigens kann man ihn im Antwerpener Mu- 
feum nicht nur als Bildnifsmaler, fondern auch als Hiftorienmaler genügend 
kennen lernen, und die kaiferliche Galerie zu Wien, in der aufserdem ein 
mythologifches Bild und zwei allegorifche-Darfiellungen feinen Namen führen, 
befitzt in dem lebensgrofsen Knieftück des Erzherzogs Leopold Wilhelm, General- 
{iatthalters der Niederlande, ein charakteriiiifches Bildnifs von feiner Hand. 
Als Schüler des Erasmus Quellinus würden wir in diefer Reihe zunächft 
deffen Sohn, den ffan Erasmus Qzzellimzs zu nennen haben, wenn wir diefen  
nicht, um ihn nicht von feinen Vater zu trennen, fchon früher (oben S. 462) 
befprochen hätten. Erasmus Quellinus hatte aber noch einen zweiten Schüler, 
der {ich einen guten Namen erwarb. Diefer hiefs llVtllle-VTZIZI Vaillazzt, war 1623 t 
in Lille geboren, malte in Frankfurt, in Heidelberg, wie es fcheint auch in 
Berlin, und liefs fich fchliefslich in Amiierdam nieder, WO er 1677 ftarb. Er 
gehört alfo doch feiner künPtlerifchen Abftammung nach Antwerpen an; und Sei" S111- 
dies fleht man feinen bedeutenden, aber feltenen Bildniffen auch noch deutlich 
an. Zwei feiner beften Gruppenbilder diefer Art befinden {ich im franzöiifchen Seineinßilder 
Waifenhaufe, drei Einzelbildniffe feit Kurzem im Reichsmufeum zu Amfterdam. Amßerdßm- 
Auch die Darftellung des Grofsen Kurfürflen mit feiner Gemahlin im Schloffe 
zu Berlin gehört zu feinen Hauptwerken. Ein ganz andersartiges, aber durch in Berlin- 
feine volle Namensinfchrift beglaubigtes Bild feiner Hand besitzt die Dresdener i" Dresden- 
Galerie. Es ift ein Stilleben ftillfter Art: ein Briefbrett, an dem hinter rothem 
Band einige Briefe, eine Gänfefeder und ein Federmeffer ftecken, nach der 
Infchrift zu fchliefsen im Schloffe zu Heidelberg gemalt, wohl nur eine auf 
Täufchting berechnete einmalige Spielerei des Künitlers, die aber von bedeu- 
tender Beherrfchung der malerifchen Technik zeugt. Vortreffliche Porträt- 
zeichnungen feiner Hand befitzt das Dresdener Mufeum; und feine Zeichnungen 11213231123; 
leiten uns zu feinen Radirungen und Schabkunftblättern hinüberl). Auf dem äfi,j;ufäf_ 
Gebiete der Schabkunit liegt die gröfste Bedeutung Wallerant Vaillants für 
die Nachwelt. Die vSchwarzkunfie oder ßSchabmanierr, welche darin befteht, 
dafs der Grund der Platte mit dem Gravirfiahl iaufgerauhte wird und dafs 
die Lichtftellen aus diefer Grundlage durch aSchabent herausgearbeitet werden, 
iit 1642 durch den hefflfchen Offizier Ludwig von Siegen erfunden worden 2). 
NVallerant Vaillant aber war der erfte, der fle praktifch ausbildete; aufser 
mehreren Radirungen giebt es an 2oo Schabkuniiblätter feiner Hand, welche 
theils Reproductionen der Gemälde feiner Zeitgenoffen, theils felbftändige Ar- 
I)  E. Wlßzzjr, Wallerant Vaillant. YVien 1865. 
2) Lß Comte de Laborde: Hiiioire de 1a gravure en maniäre noire. 
Paris  
1856 
3M:
        

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