Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248735
480 
Sechstes 
Buch. 
Abtheilung. 
Erfter 
Abfchnitt, 
AnnsaumntAzzt. Sallzzert von Brüffel (geb. dafelbft gegen Ende des Jahrhunderts, 1606 
Lehrling, 1613 Meifter, von 1633-1648 Decan der dortigen Gilde) ift ein oft 
genannter, aber, wie es fcheint, bisher Verkannter Meifter. Dafs er grofse 
Kirchenbilder gemalt hat, wird durch ältere Quellen bezeugt l); aber f1e flnd 
noch nicht wiederentdeckt worden; und feine heilige Jungfrau mit Rathsherren- 
bildniffen im Stadthaufe und fein Paffionsbild im Mufeum zu Brüffel, genügen 
nicht, ihn uns zu veranfchaulichen. Dafs er aber der Urheber der Procefflons- 
bilder im Mufeum zu Brüffel und in der Pinakothek zu Turin und anderer 
Bilder im Stile derjenigen des Denijs Alsloot (oben S. 400) fei, welche die 
belgifche Kritik ihm theils bis vor Kurzem zufchrieb, theils noch zufchreibt i), 
 ift unerwiefen und nicht wahrfcheinlich.  Nzk. de Lzkmrzckere, genannt Roofe, 
von Gent (1575-4646), ein Schüler des Marcus Geerarts (oben S. 86) und 
des Otto von Veen (oben S. 77), ein Hauptvertreter der Genfer Gilde in der 
erfien Hälfte des I7. Jahrhunderts und der Mitarbeiter des Cafp. de Crayer 
an den Triumphbogenbildern, welche 1635 in Gent ausgeführt wurden (oben 
S. 474), tritt uns in feinen zahlreichen Kirchengemälden des Mufeums diefer 
Stadt zu unfrei und unfelbftändig entgegen, als dafs er uns veranlaffen könnte, 
auf ihn einzugehen.  Dagegen erzeugte Lüttich un1 diefe Zeit in Gärard 
Diiäfgg Dozßßt einen Meifter, dem wir, da er fchulbildend weiter wirkte, etwas näher 
treten müffen3). Douffet war 1594 in Lüttich geboren. Er foll, nachdem er 
hier und in Dinant feinen erften Unterricht von fonft unbekannten Meiitern 
empfangen hatte, zwei Jahre unter Rubens in Antwerpen gearbeitet haben. 
Da diefe Ueberlieferung jedoch nicht urkundlich erwiefen ift und auch fein Stil 
 nichts mit demjenigen der Rubensfchüler zu thun hat, fo durften wir ihn nicht 
diefen anreihen. Von 1614-1623 hielt er {ich in Italien, hauptfachlich in Rom 
auf, wo damals die Eklektiker der bolognefifchen Schule tonangebend waren; 
und durch f1e ift er offenbar in feinen hiftorifchen Darftellungen am meiften 
beeinfiufst worden. Douffet ifi im neuen Jahrhundert einer der frühften nor- 
difchen Vertreter der ßakademifchen Richtunge, die fich dann von ihm auf 
Riiäitßig feinen Schüler B. Flemalle und feinen Enkelfchüler Ger. Laireffe fortpflanzte. 
Seit 1623 blieb er hauptfächlich in Lüttich thätig, wo er 1660 Pcarb. In 
 Lüttich hat {ich jedoch nur ein einigermafsen bedeutendes Bild feiner Hand er- 
halten. Diefes ftellt die Berufung des Apoftels Jakobus d.  durch Chriftus 
dar und befindet fich im Hofpice du Petit-St. Jacques. Seine beiden wichtigften 
Hiftorienbilder, von denen das eine die Auffindung der Leiche des heiligen 
Franz durch Papft Nikolaus V., das andere die Aufrichtung des erften Kreuzes 
in München. durch die Kaiferin Helena darftellt, gehören der Münchener Pinakothek; und 
diefe Sammlung befltzt auch vier tüchtige Bildniffe feiner Hand, von denen 
zwei, welche einen Kaufherrn und deffen Gemahlin darftellen, da f1e von 1617 
datirt find, in Italien gemalt fein müffen, während eines, welches einen roth- 
bärtigen, fchwarzgekleideten Herrn zeigt, da es die Jahreszahl 1624 trägt. 
nach feiner Heimkehr in Lüttich entftanden ift. Dafs diefe Bildniffe frifcher, 
lebendiger, individueller flnd, als feine grofsen, italiflrenden Hiftorienbilder, wird 
260. 
de Liäge, 
I) Vgl.  G. VVKZMINS, La peinture Hamande, p. 
2) Vgl. die Anm. 3 oben S, 400. 
3) yillfi fleißig: Histoire de 1a peinture du pays 
Lüttich 
1373 
pag. 
155" 
180.
        

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