Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248692
476 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung, 
Erfter 
Abfchnitt. 
in Wien, der vMeergötterr der Galerie Schönborn in Wien und der vErziehung des 
Seiirälecgfgfieä; Bacchusr in der Caffeler Galerie. Unbedingter find jordaens Bildniffe zu loben. 
nmc Berühmt lind, aufser obengenanntem Familienbilde in Caffel, noch fein SelbPt- 
iniäffjiifl; bildnifs in den Ufiizien zu Florenz und fein Bildnifs des Admirals de Ruyter 
im Louvre, im Louvre zu Paris.  Bildnifsartige Darftellungen, wie die Familienfcene und 
in lääffrrid_ die drei Mufikanten im Madrider Mufeum, leiten dann zu feinen eigentlichen 
seiigehsirreen- lebensgrofsen Sittenbildern hinüber, in denen feine Hauptftarlqe lag. Hier waren 
fein kräftiger vlämifcher Humor, feine uniiilifirte Anordnung und feine realifiifche 
Auffaffung der Geftalten und Köpfe am beften an ihrem Platze; und auf diefem 
Gebiete hat er denn auch einige oft wiederholte Darftellungen hinterlaffen, die 
in ihrer Art einzig in der Kunftgefchichte dafiehen. Zunächft ift es das heilige 
Dreikönigsfeft oder Bohnenfeft (ßLe roi boitrr), welches ihm Anlafs giebt, eine 
buntbelebte ausgelaffene Familienfcene an reich befetzter Tafel darzufiellen. 
PQESYQZQ-el, Hauptdarftellungen diefer Art befitzen die öffentlichen Sammlungen zu Wien, 
{Eägä Paris, Caffel, Braunfchweig und Lille. Sein zweiter Lieblingsgegenfiand auf 
Lille, diefem Gebiet ifi das Sprichwort vSoo de ouden fongen, foo peepen de jongene. 
in München, Aufser dem Bilde diefer Art in der Münchener Pinakothek, welches wir fchon 
Berlin. kennen gelernt haben, feien noch die Exemplare des Berliner Mufeums, der 
Dresden, Dresdener Galerie (F ig. 541), des Louvre zu Paris und der Sammlung des Herzogs 
Bffriäj von Arenberg in Brüffel hervorgehoben. Ein dritter Gegenftand ähnlicher Art, 
den Iordaens wiederholt behandelt hat, ifl die Gefchichte von dem Bauern, 
der zum Entfetzen eines Satyrn kalt und warm aus einem Munde blies, warm, 
als er feine erfiarrten Finger anhauchte, kalt, als er die zu heifse Suppe kühlen 
wollte. Jordaens benutzt die Gefchichte, um eine ländliche Mahlzeit mit dem 
feine Suppe blafenden Bauern zur Anfchauung zu bringen. Darftellungen diefer 
 Art befitzen die Münchener Pinakothek, die Caffeler und die Pefier Galerie, die 
bit-gfgrßäfähljetersburger Eremitage und das Brüffeler Mufeum. Uebrigens fiel es auch 
jordaens nicht ein, alle Wiederholungen diefer und feiner anderen Lieblings- 
gegenftände ganz eigenhändig auszuführen; auch er befchäftigte eine Anzahl 
von Gefellen, die ihm bei feinen Arbeiten an die Hand gingen; aber er hatte 
ein befonderes Gefchick darin, {ich die i)Werkftattswiederholungene durch eigen- 
händige Nachhilfe wieder anzueignen, fo dafs f1e bei ihm noch fchwerer, als 
bei Rubens, von den ganz eigenhändigen erfien Originalen zu unterfcheiden 
Seilfilengäaldi- flnd.  Auch einige kräftige Radirungen giebt es von der Hand des Meifters. 
Seine kunft- Alles in Allem ift Jakob jordaens kein Künfiler, der uns mit fortzureifsen 
geffilliällt" und über die Schwere der Erdenfcholle zu erheben vermag; aber da er eine 
Stellung" in {ich abgefchloffene Perfönlichkeit von eigenartig volksthümlichem Gepräge 
und in feiner Art ein bedeutender Techniker ifi, fo wird man ihm eine hervor- 
ragende Stellung in der Gefchichte der Malerei nicht fireitig machen können. 
Lag bei Jordaens der Schwerpunkt feines künftlerischen Schaffens in den 
flttenbildlichen Darftellungen, an deren Auffaffungsweife auch feine Kirchenbilder 
 und feine mythologischen Gemälde theilnahmen, so liegt er bei einem andern 
 Hauptmeifier diefer Tage, bei Camelis de Vos, in der Bildnifs- 
Sein Leben malerei. Cornelis de Vos war 1585 zu Hulst- in Flandern geboren, kam aber 
mit feinen Eltern fchon in feinem elften Lebensjahre nach Antwerpen, wo er, 
wie fpäter fein jüngerer Bruder Paul de Vos (oben S. 466) zu David Remeens
        

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