Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248651
472 
Sechstes 
Buch. 
Abtheilung, 
Abfchnitt, 
Erfter 
Rglgggääs.  Theodor Rombozzts wurde 1597 zu Antwerpen geboren, kam zuerft zu 
einem unbedeutenden Stubenmaler, dann aber, wie glaubwürdig berichtet wird, 
zu Abr. Janffens in die Lehre, ging 1616 nach Rom, wo er {ich Zegers parallel 
Sein Leben, entwickelte, wurde nach feiner Heimkehr 1625 Freimeifter der Antwerpener 
Gilde und arbeitete nun in feiner Vaterfladt, bis der Tod ihn 1637 abberief. 
Rornbouts hat von allen Antwerpener Meiflern am wenigflen von Rubens 
Sein Stil. angenommen, am meiflen von der Schule Caravaggids behalten. In feiner 
kräftig plaftifchen Modellirung mit oft nur allzu dunklen Schatten und feinen 
tiefen, fatten, metallifch glänzenden Farben erinnert er oft an Caravaggio felbft, 
Seine Bilder öfter noch an den Franzofen Valentin (oben S. 310), mit dem er manchmal 
Antwigrpen, verivechfelt wird. Die vSpielerr des Antwerpener Mufeums z. B., welche hier 
dem letzteren zugefchrieben werden, find unzweifelhaft ein Werk des Rombouts. 1) 
in Madrid, Aehnliche Sittenbilder des Meifters mit lebensgrofsen Figuren lind nder Zahnarztq i) 
und vdie Kartenfpielere im Madrider Mufeum (Fig. 540), fowie aeine Kartenpartier 
"Säigers" in der Eremitage zu St. Petersburg; und diefen Bildern fchliefst, ebenfalls 
in Gent. {ittenbildlich aufgefafst, die Darftellung der fünf Sinne im Genter Museum {ich 
an, Welches auch in dem vSchöffengericht von Geduler, einer koloffalen sinn- 
bildlichen Darftellung, die früher einen Gerichtsfaal des Genter Stadthaufes 
fchmückte, eins feiner Hauptwerke befitzt. Von feinen Kirchenbildern ifl: 
zunächft die grofse Kreuzesabnahme in der Kathedrale zu Gent charakterifiifch 
für ihn. Sodann zeigen aber einige Bilder feiner letzten Lebensjahre, dafs er 
gerade im Begriffe war, die harte Modellirung und die fchwarze Schatten- 
 Bilden gebung zu Gunflen einer weicheren, helleren, leuchtenderen Malweife aufzugeben 3), 
femzeditärliät- als ein früher Tod ihn ereilte. Hierher gehören die {Vermählung der heiligen 
Amwerpem Katharinae von 1634 in der Jacobskirche zu Antwerpen, vChriPcus als Pilger 
beim heiligen Augufltina von 1636 im Antwerpener Mufeum, ein mit des Künfllers 
inKai-lsruhe, Namen bezeichneter heiliger Sebaflian in der Karlsruher Kunfthalle, und vor 
allen Dingen die grofsartige vVermählung der heiligen Katharinaa von 1636 in 
in Ypern, der Martinskirche zu Ypern. 
dn Wie Abr. Janffens behauptete auch Yasper (Kzzspar) de Cnzyer eine einiger- 
mafsen felbftändige Stellung neben Rubens. Im Jahre 1582 zu Antwerpen 
geboren, wird er feinen erften Unterricht in feiner Vaterftadt empfangen haben. 
Sein Leben. Sicher aber vollendete er feine Ausbildung unter Raplmel zum Caxcyen (Coxie), 
dem 1540 geborenen, 1616 geftorbenen Sohn und Schüler Michael van Coxcyens 
(oben S. 69) in Brüffel. Diefe Stadt blieb für länger denn ein halbes Jahr- 
hundert der Wohnfitz Fasper de Crayers und der Hauptfchauplatz feiner Thätig- 
keit. Hier wurde er 1607 Freimeifter der Gilde, hier wird er 1626-27 unter 
den Rathsherren des Magiftrats genannt, hier war er von 1635 bis 1641 Hof- 
maler des Cardinal-Infanten Ferdinand, von 1641 bis 1664 vMaler des Königsr, 
Dann erft verlegte er feinen Wohnfitz nach Gent, wo er zu Anfang des Jahres 
1669 Prarb. Obgleich de Crayer von der italifirenden Schule der Coxcyen 
Sein Stil. ausgegangen war und fich in Brüffel dem unmittelbaren Einflufs des Rubens 
So auch Sclzeiäler und auch lfaofex, Gefchiedenis p. 531. 
Originalwiedgrhohlngexl in den Galerien von Prag und Münfter (Srlzeibler). 
Vgl. Sclzzibler: Bemerkungen im Repertorium f. K. W. VI, S. 195.
        

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