Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248570
464 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Erfter Abfchnitt. 
weniger darum zu thun, Schüler zu bilden, als den Beftellungen, mit denen er 
überhäuft war, zu genügen; er fuchte Gehilfen, keine Lehrlinge. Tritt diefes 
fchon bei den Figurenmalern hervor, die als feine Schüler gelten und, da fie 
in feiner Werkftatt ganz in feine Fufstapfen treten lernten, auch zu gelten 
haben, fo ift es noch unverkennbarer bei den Thier- und Landfchaftsmalern, die 
er in feinen Dienft nahm. 
Eijlghäii" Sehen wir uns unter feinen Mitarbeitern nach den Thiermalern um, fo tritt 
 uns hier zunächft ein ausgezeichneter Künftler entgegen, der ebenfowohl durch 
R"be"s' feine frifche, vertrauenerweckeilde Perfönlichkeit, die uns aus verfchiedenen 
Gemälden und Radirungen von und nach van Dyck fo lebendig entgegentritt, 
als durch feine Werke eine bedeutende Rolle im Antwerpener Kunftleben feiner 
553212; Tage fpielte. Diefer Meifter war Franz Säzyrlers. Im November 1579 zu Ant- 
werpen geboren, War er nur zwei Jahre jünger als Rubens. Seine Lehrer waren 
Sei" Lehm- Peter Brueghel d.  und Hendrik van Balen. Freimeifter der Lticasgilde war 
er fchon 1602. Dann aber ging er nach Italien, von wo er ungefähr gleich- 
zeitig mit Rubens, an den er fich nun eng anfchlofs, Wieder heimkehrte. Im 
Frühling 1609 war er wieder in Antwerpen; und hier lebte er, vielbefchäftigt 
und allgemein beliebt, in beften Einvernehmen mit feinen Fachgenoffen, bis 
der Tod ihn am I9. Auguft 1657 von längeren Leiden befreite. 
 Franz Snyders ging vom Stilleben aus. Seine Eltern hatten eine berühmte 
Speifewirthfchaft. Hier lernte er früh das todte Wild, das Geflügel, die Hummer 
und andere Leckerbiffen, die Früchte und Gemüfe, die er fo meifterhaft dar- 
zuftellen verftand, von ihrer malerifchen Seite zu betrachten. Mit wenigen 
Dfginsetlfl Ausnahmen ftellte er diefe Dinge von Anfang an in ihrer natürlichen Gröfse 
Sßilllßbm-dar; und dementfprechend führte er fie mit breitem Pinfel realifiifch durch. 
Vortrefflich verfteht er es, dem bunten Geßeder der Vögel ihren eigenthüm- 
lichen Federglanz, dem Felle der Thiere ihren ftofflich-haarigen Charakter, den 
Trauben und anderen Früchten zugleich ihre durchfcheinende Leuchtkraft und 
ihren duftigen Reifeftaub zu laffen, nicht minder vortrefflich gelang ihm die 
 malerifche Zufammenftellung folcher fchönexi Sachen zu grofsen, mächtig- 
decorativen und reizvoll malerifchen Gruppen, denen der Händler und die 
Käuferin oder der Koch und die Köchin, als lebensgrofse Geftalten hinter den 
aufgefpeicherten Delicateffen hervorblickend, von der Hand befreundeter F iguren- 
maler, wie Jan Bockhorft oder Rubens felbft oder einer der Gefellen des 
Rubens, lebendige Thiere aber, wie die Hunde und Katzen, welche die Fleifch- 
waaren befchnüffeln oder fich ihretwegen in die Haare gerathen und die Aeff- 
chen und bunten Papageyen, die an den Obftbergen fpielen, von feiner eigenen 
Hand hinzugefügt wurden. Derartige mächtige vStillebene malte er fein ganzes 
Leben lang; neben ihnen aber traten in feiner reifPcen Zeit in Folge der An- 
regung, die er von Rubens empfing, als feine zweite Hauptgatttmg riefige 
Jagdeiigäkenlagdftücke in den Vordergrund. Bald liefs er den Eber oder anderes Wild 
von den Jägern, die dann wieder feine Freunde, die Figurenmaler, hinzufügten, 
erreicht und erlegt werden, bald liefs er die wilden Thiere einander verfolgen 
oder von Hunden verfolgt und gepackt werden. Die volle dramatifclie Kraft, 
zeichnerifche Wucht und malerifche Gewalt der ähnlichen Werke des Rubens" 
erreichte er in feinen Bildern diefer Art freilich niemals; aber er kommt ihnen
        

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