Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248480
Die vläln. hialcrci d. 
1 7- Jahrh. 
v. Dyck u. 
die übrigen Schüler u. Mitarbeiter 
des Rubens. 
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der letzten Zeit des Meifters keineswegs immer leicht zu unterfcheiden und 
jedenfalls in manchen der erften Sammlungen Europas noch nicht genügend 
unterfchieden worden. Ehe wir der letzten Lebensfchickfale des Meifters 
gedenken, wollen wir nun einen Ueberblick über feine Thätigkeit als Bildnifs- 
maler in England zu gewinnen fuchen. Es können hier jedoch um fo mehr 
nur die wichtigften Werke hervorgehoben werden, als f1e in grofser Anzahl in 
den über ganz England zerftreuten Privatgalerien verfteckt find; und wenn 
Waagen 1) auch die meiPten von ihnen gefehen hat 2), fo find lie doch un- 
zweifelhaft immer noch lange nicht alle verzeichnet worden 3). 
Die gröfste Aufmerkfamkeit nehmen natürlich zunächft die Bildniffe des ÄTEHSÄCIÄZY 
Königs, feiner Gemahlin Henrietta volrFrankreich und ihrer Kinder in An-engflzl-nlfiiäiggs- 
fpruch. Man zählt mindeftens neunzehn Bilder des Königs, fiebzehn der Königin, 
die aus feiner Werkflatt hervorgegangen find. Im van Dyck-Zimmer des 
Schloffes zu Windfor fehen wir zunächft das grofse, leider verdorbene Gruppen- in NVindfor, 
bild der ganzen königlichen Familie; fodann den Kopf des Königs in drei 
verfchiedenen Stellungen auf einem Bilde, welches dem Bildhauer Bernini als 
Vorlage fur eine Büfte dienen follte; und ebendort drei verfchiedene Bruft- 
bilder der in weifsen Atlas gekleideten, mit Perlen gefchmückten Königin, 
welche zu demfelben Zwecke gemalt worden waren; vor allen Dingen aber 
das Reiterbildnifs des Königs in voller Rüftung, faft von vorn gefehen, in 
Gefellfchaft des Stallmeifters, der feinen Helm trägt, eines der fchönften Werke 
van Dycks. Zu den prächtigften Bildern des Königs, die der Meifter gefchaffen, 
gehören ferner: xDer König auf der jagdi, vom Pferde geftiegen, begleitet von 
einem Pagen, der feinen Mantel trägt, und einem Stallmeifter, der das Pferd 
hält, ein Hauptbild des Louvre zu Paris (Fig. 5 38); das Profilbild des Königs, lfuirgjrfgf 
ebenfalls hoch zu Rofs, ebenfalls in Begleitung feines Stallmeifters, bisher in  
Blenheim; und der König im Stahlharnifch mit dem Commandoftab in der 
Rechten neben einem Tifche, auf dem feine Krone ruht, in der Petersburgeri" Sgulzgm" 
Eremitage. In dem Gegenftücke zu diefem Bilde, welches diefelbe Sammlung befitzt, 
erfcheint auch die Königin, ausnahmsweife in rothe Seide gekleidet, in ihrer 
ganzen Schönheit und Würde. Ihr feines Bild in der Dresdener Galerie da- in Dresden. 
gegen gehört dem zarten, blaffen Tone der fpätelien Zeit des Meifters an und 
kann nur als eines der unter Beihülfe feiner Schüler entftandenen Werke an- 
gefehen werden 4). 
Von den Kindern des englifchen Königspaares giebt es drei verfchiedene dlzißlägtlfilg; 
Gruppenbilder in mehreren Wiederholungen. Die erften beiden gehören dem kinder- 
jahre 1635 an und zeigen erft drei der Kinder. Das Hauptbild der einen 
I) Vgl. Treasures 01' Art. I, Index, p. LV. 
2) Auch der Verfaffer diefes Buches kann über die meiiten und bedeutendflen von ihncn aus 
eigener Anfchauung reden. A. Miclziels (Van Dyck, S. 397) irrt auch, wenn er meint, dafs er der 
einzige Forfcher fei, dem es geftattet worden, die Bilder in Windfor Caflzle mit Mufse zu ftudiren. 
3) Vgl. A. Woltmzmzz. vAus vier Jghrhundertenm IV. Van Dyck am Hofe Karls I. S. 35-108. 
Woltmann fah die Bilder 1866 vereinigt auf der Londoner Porträt-Ausfüllung. 
4) Dafs das bekannte Bild des Königs in der Dresdener Galerie nur eine Kopie von der Hand 
des Sir Peter Lely nach dem 1697 in Whitehall verbrannten Original iit, beweifl: die Unterfchrift 
unter dem Schwarzkunftblatt von John Faber.  Uebrigens geht auch aus dem Inventar von 1754 
hervor, dafs es nicht als" Original gekauft worden.  Vgl. auch Ayrer! Woltmann a. a. 0., Seite 95.
        

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