Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248357
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Sechstes 
Buch. 
II. Abtheilung. 
Erßer Abfchnitt. 
Schlufswort. 
feine Unternehmungen auf dem Gebiete der vervielfältigenden Künfle haben 
feine Zeit kaum minder nachhaltig beeinflufst, als feine eigenen Gemälde und 
diejenigen feiner Werkftatt. 
Was Scheinheiligkeit und Clafficitäts-Einfeitigkeit auch an Rubens auszu- 
fetzen haben mögen, er ift und bleibt doch eine jener ganz Wenigen ganz 
grofsen Künftlernaturen, welche die Menfchheit fehen und empfinden gelehrt 
haben, was noch Niemand vor ihnen gefehen und empfunden hatte. Eben- 
deshalb zog er die Mitwelt unwiderftehlich in den Kreis feiner Anfchauungen 
hinein; und ebendeshalb wird die Nachwelt, fo oft ihre künftlerifchen Schwingen 
lahm und matt zu werden drohen, immer wieder zu ihm zurückkehren als zu 
dem Quell der Gefundheit, der Kraft und der Natürlichkeit. 
Anton 
van 
Dyck 
und 
die 
des 
übrigen 
Rubens. 
Schüler 
und 
Mitarbeiter 
531311325211 Niemals hat ein Künftler einen gröfseren Einflufs auf die Kunft feiner Zeit 
 und feines Volkes ausgeübt, als Rubens; aber niemals auch hat ein Meifier 
in gleichem Umfange, wie er, feine Schüler und andere junge Kräfte zur Mit- 
arbeit an feinen eigenen Schöpfungen herangezogen. Seine eigentlichen Schüler 
gingen daher auch fo in feine Auffaffungs- und Darfiellungsweife auf, dafs fie 
es ihrer Mehrzahl nach nur zu einem geringen Grade individueller Entwicklung 
brachten und daher, wenn fie fich von dem Meifter felbft auch ftets durch ihre 
fchwächere Hand unterfcheiden, doch unter fich noch keineswegs immer klar aus 
einander gehalten werden. Mächtig ragt aus ihnen nur ein einziger MeiPcer 
hervor, deffen eigene künftlerifche Begabung und Individualität fo fiark waren, 
dafs er unzweifelhaft auch ohne Rubens einer der gröfsten Meifter des Jahr? 
hunderts geworden wäre und dafs er auch mit der Anregung, die er durch 
ihn empfing, ein Künftler von hoher felbftändiger Bedeutung blieb. 
vaf113ij1ck_ Diefer Künftler, der neben Rubens der gröfste Stolz der ftolzen Schelde- 
ftadt ift, war Az-zfovz mm Dyck I). So mächtig diefer in feinen früheren Jahren 
durch die Formen- und Farbenfprache, durch die Zeichnung und Pinfelführung 
  feines gewaltigen Landsmannes beeinHufst wurde, fo ftandhaft wufste er doch 
feZmäQÄäYÄ von Anfang an das Recht feiner eigenen, mafsvolleren, ruhigeren Kunflauf- 
 faffung zu wahren. Fehlte ihm die dramatifche Wucht des Rubens, fo war 
er im fiillen Schmerzenspathos defto inniger und gemüthvoller; fehlte ihm die 
überfprudelnde, manchmal an Derbheit grenzende Kraft feines Meifters, fo ent- 
fchädigte er dafür durch die beffere Beherrfchung der entgegengefetzten Eigen- 
fchaften, einer fchlichten Vornehmheit und einer feinen Empiindung; verfchmähte 
1) Aeltefte Quellen: G. 1). ßellori: Le Vite etc. Roma 1672, p. 249-264.  R. Soprani, 
Le vite de' pittori etc. Genoveß, Genua 1674 p. 305-306.  Urkundenpublication: PV. H. 
Carpenter: Pictorial notices. Consisting of a memoir of Sir Ant. van Dyck etc. London 1844. 
Franz. Ausgabe von L. Hjrmam, Antwerpen X845.  Neuere Literatur: 701m Smitlz. A cata- 
logue ruisonne III, London 1836, p. 1-236.  Max Raofe: in feiner Gefchiedenis der Antwerpfche 
Schilderfchool, Gent 1879, p. 425-486 (auch deutfch von Reber).  A. Miclziels: Van Dyck 
et ses eleves. Paris 1881.  71412: Guffrey! Ant. van Dyck. Sa vie et son oeuvre. Paris 1332. 
Grofses Prachtwerkf eingehend, leider nur im Verzeichnifs der Werke durchaus unkritifch.  F. 7'. 
v. d. Branden in feiner Gefchiedenis der Antwerpfche Schilderfchool, Antwerpen 1883, p. 692-746.
        

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