Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248290
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Buch, 
Sechstes 
üheilung. 
Erfier 
Abfclmitt, 
keineswegs allein da. Auf dem Mittelbilde (Fig. 5 30) thront Maria zwifchen vier 
geiftvoll frei angeordneten weiblichen Heiligen und überreicht dem vor ihr knieen- 
 den hLIldephons das Mefsgewand, welches diefer, indem er es ehrfurchtsvoll küfst, 
mit beiden Händen in Empfang nimmt. Ueber ihrem Haupte fchweben in hell 
hereinbrechenden Lichtftrahlen drei Engelknäblein mit Rofenkränzen. Auf den 
Flügelbildern iind die Stifter mit ihren Schutzheiligen unter hohen, oben mit 
Purpurvorhängen gefchmückten Säulen dargeftellt; beide knieen, fprechend 
lebendig aufgefafst, prächtig in ihr Fürfteilornat gekleidet, auf rothen Kiffen 
an ihren Gebetpulten und fchauen beglückt dem heiligen Vorgange des Mittel- 
bildes zu. Die Compofition des Ganzen ift bei aller Freiheit im Einzelnen von 
grofsartig ftrenger Gefchloffenheit, die es allerdings möglich erfcheinen läfst, 
dafs der erfie Entwurf des Bildes einer früheren Zeit angehört; die einzelnen 
Geftalten aber zeigen die fpäteren RubensTchen Typen und {ind bei aller 
Sorgfalt doch breit und malerifch durchgeführt; vor Allem entzückt der 
 beraufchende, tiefe Farbenglanz, welcher, mit geiftvollem Helldunkel gepaart, 
von den Bildflächen ausftrahlt.   
Aägäiifgääe Sicher aus den letzten Lebensjahren des Meifiers flammen noch die 
Kfäüägljtgfy mächtige, eindrucksvolle, aufs gediegenfte gemalte xKreilzigung Petrir in der 
kirche). Peterskirche zu Köln, welche der dortige Kaufherr Eb. jabach 1637 bei ihm 
befiellt hatte, ferner das im Auftrage des Grofsherzogs von Toscana 1638 
(Plilfrßfji), vollendete grofse allegorifche Gemälde des Krieges im Palazzo Pitti zu Florenz, 
ein meifterhaft durchgeführtes Werk von unheimlich-prächtiger Farbenglut und 
(Näffggh eindringlicher Gedankentiefe (den Entwurf befitzt die National Gallery zu London), 
endlich das erft 1639 vollendete wundervoll leuchtende wParisurtheilr des 
(näT-Sffäy Madrider Mufeums (Fig. 5 31), eine neue, veränderte, herrlichere Auflage der 
Londoner Darftellung desfelben Gegenftandes. vDies Bild ift wie ein ftrahlender 
Sonnenuntergang nach einem heiteren, unbewölkten Sommertager  
ügjgmggge, Die Zahl der Bilder, die vorzugsweife aus inneren Gründen dem letzten 
fein" H3" Jahrzehnt des Lebens des Meifters zugefchrieben werden müffen, ift übrigens 
noch eine recht bedeutende. Von den altteftamentlichen Darftellungen fei nur 
noch die in farbigftem Schmelze fchimmernde xBathfeba am Brunnena in 
i" Dresden, der Dresdener Galerie genannt, wahrfcheinlich das Bild diefes Gegenfiandes, 
welches {ich in Rubens" Nachlafs vorfand 2). Von den Kirchenbildern mögen 
inßrürfßl- die um 1634 entftandene, ergreifende vKreuztragung Chriftin im Brüffeler 
in ßerlinvMufeilm, die vhl. Cäcilier (Fig. 532) des Berliner Mufeums, der äKiIldfiflfllOfda 
hilgügrcühffej: der Münchener Pinakothek, die nAnbetung der Königen im Brüffeler und die 
jgrlggä: whl. Therefer im Antwerpener Mufeum hervorgehoben fein. Unter den mytho- 
logifchen Darftellungen ragen noch fo anmuthige Werke hervor, wie die vDiana 
in Berlin, auf der Hirfchjagde (mit Thieren von FnSnyders) im Berliner Mufeum, wie 
in Wien, die ßkalydonifche Eberjagde in der kaiferlichen Galerie zu Wien, wie vMeleager 
in München, und Atalantec in der Münchener Pinakothek und das kleine Bild des vArgus- 
in Dresden, tödters Merkure in der Dresdener Galerie 3). Ihnen reiht auf rein idyllifchem 
in München. Gebiete die hübfche, lebensgrofse rSchäferfcener der Münchener Pinakothek 
Car! Ylgfli: a. a. O.,  263. 
ffolzn Smitlz, Catalogue raisonnä II, p, 31, N. 37. 
Ueber andere vgl. Goeler mm [Vzzvenuäzug a. a. O
        

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