Volltext: Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts (Bd. 3, Hälfte 1)

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Buch, 
Sechstes 
II. Abtheilung, 
Erfler Abfchnitt. 
a la Pailler im Antwerpener Mufeum, der xHöllenfturz der Verdammtem und 
das kleine ijüngfie Gerichte der Münchener Pinakothek. Von den Darfiellungen 
gläjffjlhäl; aus der Heiligenlegende gehören der hl. Georg mit dem Drachen im Madrider 
 Mufeum, eine der bewundernswertheften Schöpfungen des Meifiers, und das 
Martyrium des hl. Lorenz in der Münchener Pinakothek diefer Zeit an. Zahl- 
reich find aber auch in diefer Epoche des Meifters geifi- und lebensvolle Dar- 
Prellungen aus der alten Mythologie. Genannt feien wVenus und Adonisa in 
Gemälde- der Eremitage zu St. Petersburg, xBoreas und Oreithyiax in der Akademie zu 
Wien, ßdie Findung des Erichthoniusx beim Fürfien Liechteniiein dafelbfi, das 
köftliche Bild des Raubes der Töchter des Leukippos durch das kühne junge 
Reiterpaar Caftor und Pollux, in jeder Hinficht ein Hauptbild der Münchener 
Pinakothek (Fig. 525), die Darftellungen der Befreiung der Andromeda durch 
Perfeus im Berliner, der Entdeckung des Achilleus unter den Töchtern des 
Lykomedes im Madrider Mufeum und vCimone und Efigeniaa in der kaiferl. 
Galerie zu Wien. Nach wie vor im Vordergrunde der künftlerifchen Neigung 
 des Meifters ftehen natürlich auch Thier- und Jagddarftellungen, wie die herrliche 
Münchener xLöwenjagdrc, der die veränderte, mit der Beihülfe von Schüler- 
händen ausgeführte ähnliche Darfiellung der Dresdener Galerie fich einige 
Jahre fpäter anreihte, wie die vWolfsjagdr beim Lord Ashburton, der die 
köfiliche, auch landfchaftlich bereits bahnbrechende ßEberjagdr der Dresdener 
Galerie (gröfser ausgeführt bei Mr. Adr. Hope in London) zur Seite fleht, und 
wie die Berliner Neptunsallegorie, der die berühmte, mit wilden Prachtthieren 
ausgefiattete Darftellung der vier Welttheile in der kaiferlichen Galerie zu Wien 
Bildniffmiich anfchlofs. Endlich reihen feinen fchon genannten Bildniffen und Bildnifs- 
gruppen {ich noch fo herrliche, ganz eigenhändige Darftellungen an, wie die 
Bildniffe eines fchwarzgekleideten Herrn und einer fchwarzgekleideten Dame 
mit goldener Kette in der Dresdener Galerie, wie das Selbfibildnifs des Meifters 
mit dem Hute in den Ufiizien zu Florenz und wie das Reiterbildnifs des Erz- 
herzogs Albrecht im Schloffe zu NVindfor. 
 Mit dem Jahre 1621 beginnt ein neuer Abfchnitt im Leben des Meifiers. 
Wamlerzeit- Man könnte ihn als feine zweite Wanderzeit bezeichnen. Aber Rubens war 
jetzt freilich nicht mehr der junge Mann, welcher in der Fremde ebenfoviel 
lernen als leiften wollte, er war der von allen Seiten begehrte grofse Meifier, 
welcher feine eigentliche Werkftatt in Antwerpen behielt, aber oft nicht umhin 
konnte, den Berufungen nach auswärts Folge zu leiften und daher weit mehr 
unterwegs war, als es feinen eigenen Neigungen entfprach. Zuerfi war Rubens 
Rßbaerriff" 1621 und bis zum Anfange des Jahres 1622 in Paris. Die Königin Maria de' 
Iäjsßgäjr Medici hatte ihn berufen, um die grofse Galerie des Palais du Luxembourg 
 ggf von feiner Hand mit Darfiellungen aus ihrer eigenen Lebensgefchichte fchmücken 
Medici zu laffen. Der Cyklus follte einundzwaxizig grofse Gemälde umfaffen. Rubens 
malte die Skizzen in Paris, liefs die Bilder dann unter feiner Aufficht von feinen 
beften Schülern in Antwerpen ausführen, überging fie aber an vielen Stellen 
 eigenhändig und fügte in Paris felbft zum Schluffe noch manche der Bildniffe, 
die in den grofsen, halballegorifchen, halbhiftorifchen Compofitionen vorkommen, 
hinzu, Achtzehn der Originalfkizzen, von denen jedoch eine, die vielleicht von 
der Königin nicht gebilligt wurde, eine zweiundzwanzigfie, nicht ausgeführte
	        
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