Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248133
420 
Sechstes 
Buch. 
Abtheilung. 
Erfter Abfchnitt. 
Thema felbftändig angeeignet und es mit ganz neuen, packenden Einzelzügen 
ausgeftattet hat, zeigt {ich der Meifter. Der Leichnam des Heilandes ift bereits 
ganz vom Kreuze losgelöft. Die Männer oben auf der Leiter haben ein weifses 
Linnentuch, das der eine von ihnen mit den Zähnen fefthält, unter ihm herauf- 
gezogen und laffen ihn mit diefer Unterlage hinabgleiten in die Arme der 
untenftehenden Angehörigen. Die Lebendigkeit der Bewegungsmotive ift hier 
ebenfo überrafchend, wie die Tiefe des geifiigen Ausdrucks und die erftaunliche 
Energie der. malerifchen Durchführung. Malerifch noch vollendeter aber lind 
die beiden Darftellungen der inneren Seiten der Flügel: links der Befuch der 
Frauen, rechts die Darftellung im Tempel. Befonders der Befuch der Frauen 
ift von einer gewaltige Breite und eindringliche Sorgfalt, reinfte Zeichnung 
und coloriftifche Pracht verbindenden technifchen Meifterfchaft, die in diefer Art 
nie und nirgends wieder erreicht worden ift. 
Bfffffräes Ungefähr in diefe Zeit laffen fich nun aber auch noch eine Reihe anderer 
 Bilder des Meifters verfetzen: Sein Selbftbildnifs ohne Hut in den Uffizien, die 
berühmte, aus ihm felbft, feinem gelehrten Bruder Philipp und noch zwei 
anderen Gelehrten beftehende Bildnifsgruppe des Palazzo Pitti zu Florenz, wahr- 
fcheinlich auch die Bilder vom Schlage der vielumftrittenen Darltellung wNeptun 
und Amphitritea (Neptun und Libye) im Berliner Mufeunü) und der fog. Tigris- 
Allegorie (Neptun und Kybele) in der Petersburger Eremitage. 
"iligggo" Das Jahr 1612 brachte zunächft- der Kathedrale von Gent ihre Pracht- 
in Gwßdarftellung des dem Kriegerftande entfagenden hl. Bavo. In der geiltvollen 
Anordnung über den Treppenliufen erinnert das mächtige Hochbild noch an 
Paolo Veronefe; und doch ift es ganz von Rubens" eigenfier Eigenart erfüllt, 
nicht minder in der vollen Lebenswahrheit der einzelnen Köpfe, als in dem 
zauberhaften Zufammenklange der raufchenden FarbenHuth. Auch die sAn- 
im Louvrßbetung der Königer im Louvre und die berühmte xWolfsjagdr beim Lord 
(Älhiflffloos; Ashburton in London pfiegen in diefes Jahr verfetzt zu werden. Aus den 
folgenden Jahren giebt es einige bezeichnete und datirte Bilder, zu denen 
 Äiltä wir befonders vdie Ungläubigkeit des Thomasa im Mufeum zu Antwerpen 
inwälgfie; (1613), xJupiter und Kallifloe in der Caffeler Galerie (1613), die wFlucht 
323153 nach Aegyptem in derfelben Sammlung (1614) und die vBeweinung Chrilti-x 
in Wiensin der kaiferlichen Galerie zu Wien (1614) zu zählen haben. Die Jahreszahl 
invägrlg; 1616 trägt ein männliches Bild der Galerie Liechtenftein in Wien. In diefem 
Liftjäfn- Jahre übernahm Rubens auch die Ausführung des Altarwerkes mit der xAn- 
in Meßhelm betung der Hirtem in der Johanneskirche zu Mecheln; vor allen Dingen aber 
malte er um diefe Zeit für den Herzog Wolfgang Wilhelm von Neuburg das 
Dfjsüfgftfe berühmte grofse ßJüngfie Gerichte, welches 1806 mit den übrigen Bildern der 
 Düffeldorfer Galerie nach München gebracht wurde und jetzt zu den gröfsten 
Schätzen der dortigen Pinakothek gehört. Das Gemälde zeigt deutlich, wie 
lebendig die Erinnerung an Michelangelols Riefenwerk in der Sixtinifchen Capelle 
(Bd. II, S. 586) noch in Rubens" Geifte na-chklang, aber auch nicht minder deut- 
lich, wie felbftändig er mit folchen Erinnerungen zu fchalten verftand. Links 
üfammluxugelmu II, 1831, S. 113-130. 
Dagegen A. [fqfenllerg in v. L-iitson-Vs 
I) Vgl. yul. Meyer im vjahrluuch der preufsifchen Km 
W. Bade in den Preufs. Iahrbüchern XLVII (April 1881). 
Zeitfchrift 1882, S. 165-172.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.