Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1248070
414 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Erfier 
Abfchnitt. 
fie für das Bild zahlten; ja, in einigen Zeiten feines Lebens war er durch 
andere Verpflichtungen. fo in Anfpruch genommen, dafs er flCh begnügte, feine 
Schüler nach feinen Skizzen die beftellten Bilder beginnen und vollenden zu 
laffen; und für gewiffe Beflellungen, die ihm weniger zufagten, fowie für Wieder- 
holungen fcheute er {ich von Anfang an nicht, flch diefer mehr fabrikmäfsigen 
Herftellungsweife zu bedienen. Gleich-wohl gingen diefe Bilder als Werke des 
Rubens, bei ihm beftellt, durch ihn abgeliefert, aus feiner Werkftatt hervor. 
Siläfffiäf- Wir dürfen uns daher nicht wundern, wenn folche immerhin beglaubigter 
äfgßgiirfgr Mafsen rechtem Bilder unter flch von dem verfchiedenften Werthe lind und 
 oft auch nicht die geringfie Vorftellung von des Meifters eigenem Können geben. 
Auch Rubens felbft durfte fich kaum beklagen, wenn feine Kunfl verkannt 
wurde. Die Pflicht der Wiffenfchaft aber ift es doch, die eigenhändigen Bilder 
vom Werkftattsgut und von den Schulwiederholungen zu fondern. Eine leichte 
Aufgabe ift das natürlich nicht; aber des Meifiers wirklich eigenhändige oder 
doch ganz eigenhändig übergangene Werke ftehen fo hoch über den anderen, 
dafs fich die Kenner in den meiften Fallen bereits über fie geeinigt haben. 
In manchen Fällen fchliefst der Name der urkundlich beglaubigten Befieller, 
in einigen fogar des Meifters eigenes fchriftliches Zeugnifs auch von vornherein 
die Theilnahme von Schülerhänden aus. 
kfrfgcllfzjjljrgr Von der gewaltigen Anzahl der Rubensfchen Bilder können im Folgenden 
imswahl- natürlich nur verhältnifsmäfsig wenige befprochen werden; und felbflverfiändlich 
werden hierfür nur folche gewählt werden, die entweder ganz eigenhändig 
ausgeführt oder doch fo charakteriflifch für ihn find, dafs eine Betheiligung von 
Schülerhänden, befonders in der Untermalung, in der Landfchaft oder in den 
Thieren ihre Bedeutung nicht wefentlich zu beeinträchtigen vermag. Es würde 
zu weit führen, im Rahmen diefes Buches die Grenzen diefer Schülerbetheiligung 
in jedem Falle fefi zu ftellen. 
llääggiärä: Verfuchen wir alfo, uns den künftlerifchen Entwicklungsgäng des Meifters 
allgemeinen, durch feine Gemälde im Anfchlufs an feine Lebensgefchichte zu vergegen- 
wärtigen, fo müffen wir uns im Voraus noch daran erinnern, dafs Rubens 
nicht nur auf dem Gebiete der eigentlichen Malerei, fondern auch in ver- 
wandten Kuniifachern bedeutendes geleiftet hat, dafs er ferner nicht nur ein 
Seliger, grofser Künftler, fondern auch ein Gelehrter von umfaffendem Wiffen 1) war, 
und dafs die Weltgefchichte, wenn fie auch nichts von den künftlerifchen Grofs- 
thaten des Peter Paul Rubens wüfste, {ich doch immer noch mit ihm in feiner 
alsmifjftEigenfchaft als Staatsmann und Diplomaten befchäftigen würde. Viel- und 
allfeitige grofse KünPcler hatte es fchon vor Rubens gegeben; aber er ift wohl 
der erfte und ift der einzige grofse Künftler geblieben, der zugleich imeigent- 
lichen Staatsdienft als Diplomat eine Rolle gefpielt hat. Doch kann die Ge- 
fchichte der Malerei auf diefe Seiten feiner Thätigkeit natürlich nicht näher 
 eingehen.  
Hliflfsää Rubens entftammte einer angefehenen und vermögenden Antwerpener 
Familie. Seine Eltern hatten in den {iebziger und achtziger Jahren des I6. Jahr- 
und 
1) Ueber Rubens als 
die Antike, Jena 1882. 
Alterthumsforfcher vgl. 
S. 17-35. 
Friedß: 
Ravensburg  
Gaeler von 
Freiherr 
Rubens
        

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