Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247979
494 
Buch. 
Sechstes 
Abtheilung. 
Erfier 
Abfchnitt. 
 deffen Kunftfchaffen wir nicht näher unterrichtet find. Alexander Kerrincx 
hmg- ging von der kräftigen Richtung der Brueghel-Schule, wie fie durch Govaerts 
und Js. van Ooften vertreten wurde, aus. Das beweifen vor allen Dingen 
säaägüillle" feine beiden frühen Landfchaften in Dresden, von denen die eine feine zwar 
Dmsdc", nicht unverfehrte, aber unanfechtbare Namenszeichnung trägt 1); und ihnen 
mfxgflißglfe" fchliefst ein bezeichnetes Bild im Schloffe zu Afchaffenburg fich an; doch zeigt 
der junge Meifter fchon in diefen frühen Bildern innerhalb des hergebrachten 
Stiles eine gewiffe Eigenheit in der langbufchigen Behandlung des Baumlaubes 
und in der Neigung, den Mittelgrund in hellgrün-bräunlichen Ton zu hüllen. 
rgäefggftj Im Jahre 1620 hatte er diefe Eigenart, wie fein bezeichnetes Bild von diefem 
iäßgresäiil; Jahre in der Dresdener Galerie, dem ein anderes von 1621 im Braunfchweiger 
iiqcfvjigl-lg- Mufeum fich anfchliefst, fchon fo weit entwickelt, dafs die Gefammtmaffe feiner 
Bäume fich in gleichmäfsig hellbraunem Tone zufammenfchliefst. Aber er 
bewahrte im Vordergrunde um diefe Zeit noch immer Anklänge an die alt- 
vläniifche Schule. Von Jahr zu Jahr wurde er jetzt, ohne die gute alte Fettig- 
keit feiner Pinfelführung aufzugeben, breiter in der Conipofition und einheitlicher 
im Ton feiner meift mit prachtvollen Baumgruppen ausgeflatteten und von 
Waffer durchtloffenen Landfchaftsbilder, wie f1e fich, bezeichnet und unbezeichnet, 
aber leicht erkennbar, in den verfchiedenflzen Galerien erhalten haben: es fei 
i" 5121332819 zunächil an feine bezeichneten Bilder in St. Petersburg, im Haag, in Schleifs- 
iniglcggäf: heim, in Schwerin erinnert. Ihnen fchliefsen fich einige wohl fchon in Holland 
in Slifizhnl gemalte, nicht nur bezeichnete, fondern auch datirte Bilder aus den dreifsiger 
Jahren an, in denen allmählich eine immer gröfsere Beeinfluffung durch die 
holländifche Tonmalerei und felbft durch die holländifche Art, das Baumlaub 
Sfigelaffjäf" zu fehen und wiederzugeben, hervortritt. Bilder diefer Art find feine Wald- 
hhljgililfn" landfchaft in Kopenhagen und feine Landfchaft mit dem auflleigenden Gewitter 
i" (Eiger- in Rotterdam, beide von 16302), fein ßEichenwald mit Jagdftaffage von 1631 in 
iränlvgigeßxillgg: der Münchner Pinakothek, feine Landfchaft von 1633 in der Bremer Kunfthalle 
1a hBJäIgFI- und feine Abendlandfchaft mit Hirten von 1640 im Braunfchweiger Mufeum, mit 
in Dresderi. der ein unbezeichnetes Bild der Dresdener Galerie übereinfhmmt. Die fpäteften 
diefer Bilder des lVleifters iind von den früheren durch eine fcheinbar unüber- 
windliche Kluft getrennt; und doch ift es möglich, die allmählichen Uebergänge 
in ihnen zu verfolgen; Kerrincx ift daher einer der lehrreichfien Meifter zur 
Erläuterung von Stilwandlungen unter den Einfiüffen eines Umgebungswechfels. 
Dxifaäjf" Auch einer der älteften Seemaler, deffen Einflufs auf die ganz frühe Ent- 
wicklung der vlämifchen und holländifchen Seemalerei noch kaum genügend 
gewürdigt worden ift, war geborener Antwerpener und wanderte nach Holland 
Wifgfäi aus. Wir meinen Adam Ißlfillaerts, der nach Cornelis de Bie und Houbraken 
Sein Leben. 1577 zu Antwerpen geboren wurde, nachweislich 1611 in die Lukasgilde zu 
I) Ehe diefe wieder entdeckt wurde, konnte man daher an der Echtheit der Bilder zweifeln, wie 
es Bade (in v. Zalzrz: jahrbüchern VI, S. 206) und Riegrl (Beiträge, S_ x79) thaten. 
2) Sclzeibler, dem der Verfaffer manche dankenswerthe handfchriftliche Mittheilung für diefes 
Kapitel verdankt, ließ die Jahreszahl des Rotterclarner Bildes 1620. Das Facfimile des Katalogs 
zeigt jedoch 1630. 
3) Die Nachrichten über Ad. Willaerts und [eine drei Söhne Cornelis, Abraham und Ifaakin 
Utrecht bei S. jlfuller, Schildersvereenigingen te Utrecht (Utrecht 1880), p. i74-I75.
        

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