Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247804
Malerei 
vliimifche 
Die 
Jahrhunderts. 
Uebergangsmeifter. 
337 
feinem Bruder nach der ewigen Stadt und entwickelte fich hier unter deffen Seäzäglfggr" 
Leitung an den Arbeiten des Vatikans zu einem tüchtigen Landfchafter. Nach nach Rom- 
dem Tode feines Bruders fetzte er die von diefem begonnenen Landfchafts-  
freskencyklen im vatikanifchen Palafte fort, erhielt dann rafch einen Auftrag im Vatikan, 
nach dem anderen, nahm den lebhafteften Antheil an der weiteren Ausbildung 
der decorativen Landfchaftsmalerei in Rom und rang fich fchliefslich unter dem 
Einfluffe des freieren, breiteren Stils Ann. Carraccfs zu jener gröfseren Klarheit 
und Ruhe hindurch, die ihn fchliefslich zum nächfien Vorgänger Claude Lor-t 
rains (oben S. 344 ff) machten. Von feinen römifchen Fresken kommen, aufser 
denen des Vatikans, noch die Cyklen des Laterans, verfchiedener Kirchen und im Larerari- 
mancher Privatpaläfte in Betracht. Wir wollen uns nur diejenigen der Kirchen 
S. Cecilia und S. Maria Maggiore, fowie des jetzigen Palafies Rofpigliofl etwas in s. Cecilia. 
näher betrachten. In S. Cecilia hat der Meifier den gewölbten Gang, welcher 
von der Sakriftei zu der über den antiken Bädern errichteten Kapelle der 
Heiligen führt, mit dreizehn grofsen Landfchaftsfresken gefchmückt, welche 
fämmtlich Scenen aus dem Leben frommer Einfiedler darftellen. Die Namen 
derfelben ftehen auf den barock eingefafsten Schildern neben jedem der Bilder, 
welche theils in Wand-, theils in Bogen-, theils in Deckenfeldern angebracht 
find. Sie fiellen reiche, etwas überfüllte Gebirgsgegenden dar, wie fie die 
Phantafle des Meiflers beim Alpenübergange gefangen genommen hatten: 
fchroffe Felfen, raufchende Gebirgsbäche, herrliche Wälder, üppige Einzel- 
bäume und tiefe, reich bebaute und bewohnte Thäler. Diefe Motive {ind 
nicht mehr willkürlich-phantaftifch, fondern malerifch-phantafievoll aneinander- 
gefügt, aber doch etwas näher aneinandergedrängt, als man es in der Natur 
fleht. Der Meifier hat offenbar den einzelnen Bildern keine Naturftudien zu 
Grunde gelegt, wohl aber die Eindrücke, die er in der Natur felbft empfangen 
hatte, gefchickt verwerthet. lm Uebrigen fiehen iie auf dem Boden des bereits 
gefchilderten Landfchaftsfiils. Die Bäume des Vordergrundes find ungewöhnlich 
kräftig detaillirt; befondere atrnofphärifche Wirkungen find noch ganz ver- 
mieden; der Himmel iPc in der Regel grau; die Luftperfpektive ift fchwach.  
Im Ganzen freier erfcheinen die fechs Gebirgslandfchaften in der Sakrifiei der 
Kirche S. Maria Maggiore. Auch fie find noch etwas vollgepfropft mit Einzel-  
motiven, aber ihr Linienfiufs ift gröfser, freier, heiterer; die Terraingeftaltung 
ilt individueller und natürlicher; die Gefanuntwirkung doch fchon wegen der 
rothen Himmelstöne vorzugsweife decopativ. Noch freier und fchwtingvoller 
find die ßVier Jahreszeitem an zwei gegenüberliegenden Wänden des Saales  
des Palazzo Rofpigliofi dargeitellt, in dem fich Guidds berühmte vAuroraa als 
Deckengemälde (oben S. 138) befindet. Die Motive fmd hier lebendig der 
Natur abgelaufcht; klar und hell ift das Herbfibild mit der Weinlefe gehalten; 
fefi in der Anordnung und im Ton iPt die leicht befchneite Berglandfchaft des 
Winterbildes. Das Frühlingsbild mit der Villa und dem Terraffengarten bringt 
das duftige, luftige Leben der erwachenden Natur fchon recht hübfch zur An- 
fchauung, und der Sommer mit feinen goldenen Aehrenfeldern, feinen raftenden 
Schnittern am baumbewachfenen Abhange wird in dem vierten Bilde deutlich 
und liebenswürdig gefchildert. 
Paul Bril hat in Rom aber nicht nur diefe grofsen decorativen Fresken- 
25t
        

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