Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247469
franzöfxfche 
Die 
Malerei 
des 
Jahrhunderts. 
Claude 
und 
Lorrain 
feine 
Schüler. 
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des Campo Vaccino, ja fogar das Coloffeum in feiner ganzen Maffigkeit, wie 
in feinen Küftenbildern, fo auch in feinen Darftellungen vom feften Lande recht 
willkürlich in feinen Thälern, in feinen Höhen, unter feinen Bäumen und neben 
feinen Wafferfpiegeln zu vertheilen. Befonders liebt er es, die linke oder die 
rechte Seite des Vordergrundes von mächtigen römifchen Säulenhallen beherrfchen 
zu laffen, die oft allerdings theatralifch und unmotivirt genug dafiehen. Eine 
Befonderheit feiner Mittel- und Hintergründe abe_r find auch die Bogenbrücken, 
mit denen er feine Flüffe überfpannt. Sie tragen wefentlich dazu bei, feinen 
Gemälden feine Linien und feinen Landfchaften das Anfehen hochcultivirter 
Gefilde zu geben. 
Gemeinfam endlich ift allen Landfchaften Claudds, feinen Seeltücken, wie Seriljjlefiäht" 
feinen Landbildern, die nur ihm eigene, im Norden in anderer Weife nur von 
A. Cuyp in gleichem Mafse erreichte Lichtmalerei. Hier ift Claude in feinem 
eigenften Elemente. Ihm ift das Sonnenlicht, welches die Landfchaft vom 
fernften Horizonte bis zur nächften Nähe erfüllt, ein darftellbarer, faft körper- 
hafter Gegenftand, wie jeder andere auch. Sogar den Sonnenball felbfi hat er 
auf einem Dutzend feiner Bilder kühn mit dargeftellt, ein Wagnifs, welches 
manchmal freilich auch unter feinen Händen mifslang. Vor allen Dingen aber 
hat er einerfeits die verfchiedenen Tageszeiten, den kühlen Morgen, den heifs- 
duftigen Mittag, den rothglühenden Abend vortrefflich zu charakterifiren ver- 
fianden und andererfeits die perfpektivifchen Wirkungen der Sonnenfrrahlen in 
den verfchiedenen Gründen feiner Bilder, fowie ihr Spiel im Baumlaub, ihren 
vielfach gebrochenen Widerfchein in der leichtgewellten Meerflut und ihre 
Veränderung durch leichte Wolken oder durch weichen Nebel in meifterhafter 
Weife wiedergegeben. Das Auffallendfie dabei ift, dafs fchwere Wolkenmaffen, Silrfglgreiß 
Gewitterftimmungen und Sturmerfcheinungen ihn nur ausnahmsweife zu feffeln Stimmungen. 
vermochten. Unter den Entwürfen feines Liber Veritatis befinden fich aller- 
dings drei Seefturmfkizzen, von denen er die eine (L. V. 33; Rob.-Dum. 7) 
radirt hat, die anderen beiden (L. V. 72 und 74) aber überhaupt nicht aus- 
geführt zu haben fcheint. Aufserdem giebt es noch eine Radirung Claude's 
 5), welche einen Sturm darfiellt; und ein Gemälde (L. V. 108; zu Smiths 
Zeiten bei Sir Thom. Franklancl in England) auf deffen linker Seite es trotz 
der vorn dargeftellten heiteren Liebesgefchichte aus einer fliegenden Wolke 
einige Streifen regnet. Im Uebrigen hat Claude fiets einen hellen, ganz 
leichtbewölkten oder von weichen Nebeln umzogenen Himmel und unter ihm 
die paradiefifchefte Ruhe der Atmofphäre dargeftellt. Die meiften feiner Land- 
fchaften zeigen alfo fowohl ihrer Compofltion als ihrer Lichtwirkung nach felige 
Wundergefilde, wie fie auf der Erde zwar vorkommen könnten, in Wirklichkeit 
aber nicht vorkommen, Gefilde, welche wir uns als den Aufenthalt glücklicher, 
forglofer Halbgöttergefchlechter denken; und dem entfpricht denn auch ihre 
Staffage, die, wie flch fchon aus den namhaft gemachten Bildern ergiebt, 133313535258 
manchmal dem Alten" oder dem Neuen Tefiament, manchmal der Dichtkunft Claudias- 
und Sagenwelt der alten Griechen und Romer, gar nicht felten auch der Vor- 
fiellung einer idyllifch-glücklichen Hirtenwelt entlehnt ift, faft immer aber 
heitere, oft feftliche Handlungen darPrellt. 
Wir können auf diefe Staffage der Gemälde Claudeis hier um fo weniger 
Gefchichte a. Blalerei. 111. 23
        

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