Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247389
Malerei 
franzöüfclae 
Jahrhunderts. 
Lorrain 
Claude 
und 
Schüler. 
(eine 
345 
weltberühmten Landfchaftern der Erde gehört. Claude wurde 1600 zu Cha- Däalaälif" 
niagne an der Mofel zwar noch als deutfcher Reichsangehöriger, aber doch Lßrrains- 
als Franzofe an Sprache und geiftiger Empfindung geboren. Seine Jugend- Jfgiejftt 
gefchichte wird von Baldinucci ganz anders erzählt, als von Sandrart. Es hat gewichte- 
{ich jedoch neuerdings die Anficht Bahn gebrochen, dafs die Erzählung des 
letzteren, welcher Jahre lang in den herzlichfien Beziehungen mit Claude zu- 
fammen in Rom gelebt hat, unbedingt den Vorzug verdient vor derjenigen des 
erfteren, deffen Bericht {ich im Wefentlichen nur auf die Mittheilungen der 
Neffen des Meifters ftütztl) Nach Sandrart nun ift Claude in ganz jungen 
Jahren als Pafletenbäcker nach Rom gekommen; und da er wegen der Ueber- 
füllung Roms mit lothringifchen Köchen und Bäckern dort nicht gleich einen 
Dienft in {einem eigenfien Berufe fand, nahm der Maler Ag. Taffi (f. oben Lehfseijitebei 
S. 163-164) ihn als Diener für Arbeiten jeder Art ins Haus, iida dann indeffen Ag. Tara. 
Claude Gellee ihm die Kuchen und das ganze Hauswefen fehr willig verfahe, 
Alles fäuberte, die Farben zum Mahlen riebe, Palet und Penfel pUtZtCA Taffi 
erkannte die Begabung des jungen Lothringers, der Diener verwandelte {ich 
in den Schüler. Dafs diefes fpäteftens 1617 eine vollendete Thatfache war, 
ifi urkundlich erwiefenü). Ferner foll Claude {ich in jungen Jahren bei dem 
kölnifchen Landfchaftsmaler Gottfried Wzzlsß), ebenfalls einem Schüler Tafffs, bei o. Wals. 
in Neapel aufgehalten und {ich bei ihm im Architektonifchen und in der Per- 
fpektive vervollkommnet haben. -Nach Baldinucci wäre dies noch vor {einem 
Eintritt in die NVerkfiatt Tafffs gewefen. Nach Sandrarts Bericht aber ift 
diefes unmöglich. Er mag während {eines langjährigen Aufenthalts bei Taffi 
einen Abftecher nach Neapel gemacht haben. Uebrigens ift Gottfried Wals 
kunftgefchichtlich eine {0- unklare Perfönlichkeiti), dafs wir für Claude's Ent- 
wickelungsgang keine Folgerungen aus {einem Verhältnifs zu diefem Meifter 
ziehen können. 
Um 162.5 betrachtete Claude feine Lehrzeit als beendet. Er ging nun Särge  
über die Alpen, hielt {ich eine Zeitlang bei Verwandten in München aufä), Lothringen. 
kehrte dann nach {einer Heimat zurück und fand in Nancy, der Haupt- 
ftadt Lothringens, Befchäftigung im Dienfte des Malers Deruet. Die Karme- 
literkirche, an deren Gewölbeausfchmückung Claude {ich betheiligte, ift nicht 
erhalten. Es fcheint, dafs diefe Art der Malerei dem jungen Meifter nicht 
zufagte. Schon 1627 finden wir ihn in Begleitung des franzöfifchen Künfilers Rüsäiäihr 
Ch. Errard (oben S. 344) auf der Rückreife nach der ewigen Stadt, die nun nach Rom. 
feine eigentliche Heimat wurde 
Seine Entwickelung zu künftlerifcher Selbfiändigkeit ift offenbar erft nach 
 diefer Zeit vor {ich gegangen. Die frühefte erhaltene Jahreszahl auf einer feiner wickelimg. 
Radirungen ift 1630; von {einen Gemälden aber ifi keins vor 1631 datirt. 
I) Vgl, C. A. Regnel, a. a. O, p, 50-59, und Mme. Marie Paltzfon, a. a. O. p. 6-19. 
2) Das von Eug. Münlz entdeckte Document vom Jahre 1619 ifl publicirt bei Pattzfon, a. a. 
O. p. 201. 
3) Vgl. Maria, Kunü und Küniller in Köln, Köln 1850, S. 496. 
4) Das hübfche, baumreiche Bild, welches im Palazzo Doria [einen Namen trägt, ifl ihm will- 
kürlich zugefchrieben. 
5) Vgl. C. A. Rrgnel a_ a, O S, 62-66, und in-der Allg, Kunftchronik IX, 27,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.