Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Malerei von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts
Person:
Woermann, Karl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1243599
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1247359
342 
Buch. 
Sechstes 
Dritter Abfchnitt. 
fein; und auch Tafelbilder feiner Hand find kaum mit Sicherheit nachzuweifen. 
Slfiilrfinsifslbif; Doch rühmt das Mufeum zu Lyon fich, fein Selbftbildnifs zu befitzen, welches, 
Lyon- da er auf ihm den Pinfel in der linken Hand hält, die Angabe Felibiens, dafs 
er mit diefer Hand gemalt habe, beftätigt. Als Porträtift feierte er überhaupt 
grofse Triumphe; doch haben fich nur in den Stichen Poilly's, van Schuppens 
und A. Maffons einige feiner Bildniffe berühmter und vornehmer Zeitgenoffen 
Sein Stil. erhalten. In feinen figürlichen Compofitionen fchlofs er fich hauptfächlich an 
die Caracci und ihre Schule an, wie er denn auch in acht Blättern einige der 
römifchen Fresken der Caracci flach 1). Mit Pouffln hat N. Mignard gemein, 
dafs auch er fich felbftändig in Rom nach dortigen Muftern bildete. Statt 
aber archaiftifch auf die alte und ältefte Zeit zurückzugeben, wie jener, fchlofs 
er fich frei an die damals dort moderne und modernfte Kunft an. 
Boijgh Vielfeitiger und fruchtbarer als er Vwar Sebaßien Bourdon 2), der 16163) 
332131133;- in Montpellier geboren wurde, hier und in Paris feinen erflen Unterricht erhielt, 
feine erften Arbeiten in füdfranzöfifchen Städten ausführte, dann aber nach Rom 
ging, wo er die Werke der Caracci ftudirte und den Stil Nic. Pouffins auf 
{ich einwirken liefs, um nach einer Reihe von Wanderjahren, noch nicht 27 Jahre 
alt, als handfertiger, vielgewandter, aber etwas oberflächlicher Meifter zuerft 
nach Südfrankreich zurückzukehren, dann nach Paris überzufiedeln. Seb. Bourdon 
hat grofse Altarblätter, mythologifche Hiftorien, Genrebilder, Thierffücke und 
Sein Stil. Landfchaften gemalt. In feinen Altarblättern zeigt er fich am meiften von den 
Carracci, manchmal auch von Parmeggianino beeinfiufst. In feinen freien figür- 
lichen Cornpofltionen mit landfchaftlichem Hintergründe erinnert er an NicPouffln; 
vernehmliche Anklänge an diefen Meifier find zahlreich in feinen Bildern zu 
finden. In feinen Genrebildern und Thierftücken ahmte er, wie von feinen 
"Biographen betont wird, Benedetto Caftiglione nach, in feinen Landfchaften 
lehnte er fich manchmal an Claude Lorrain, öfter aber doch an Pouffm an. 
Seine Zeichnung ift nicht befonders forgfaltig, feine Pinfelführting breit und 
flüffig, fein Colorit, manchmal durch Nachdunkelung fchwer und bleiern geworden, 
von Haus aus blond und einheitlich. In Paris führte er fich 1643 durch die 
Eiäigrfglggä; im Auftrage der Goldfchmiede für die Kirche Notre-Dame gemalte Darftellung 
im Louvre- der Kreuzigung Petri ein. Diefes Bild, welches {ich jetzt im Louvre befindet, 
zeichnet fich mehr durch feinen Ton, als durch feine Anordnung aus. Im Jahre 
1648 wurde er fofort bei der Gründung der königlichen Akademie zu einem 
3222312: ihrer zwölf Aelteften gewählt; 1652 folgte er gleichwohl einem Rufe der 
Sßßckhßlm- Königin Chriftine von Schweden nach Stockholm. Er malte dort ihr Porträt 
und einige andere Bildniffe, kehrte aber fchon 1654, als die Königin ihrer 
Rifcelißghr Krone und ihrem evangelifchen Bekenntniffe entfagte  Bourdon felbft war 
nach Peris- reformirt  nach Paris zurück, wo er 1658-1663 fein Hauptwerk auf dem 
Sein Selbü- 
bildnifs in 
Lyon. 
I) Vgl. oben S. 121, Anm. 1. 
z) (Felibien) Entretiens II, pag. 509-532,  Mämoires inedits II, pag. 87-103. 
3) Diefes ihm von feinen alten Biographen gegebene Geburtsjahr mit A. j'ai, Dictionnaire 
critique (2. 6d. Paris 1872), pag, 272, in 1621 oder 1622 umändern zu wollen, weil es in feinem 
Begräbnifsakten vom I0. Mai 1671 heifst, er fei wage de cinquante ans ou envirom geftorbexl, erfcheint 
nicht thunlich, da diefe unbeüimmte Angabe auch ein Alter von 55 Jahren nicht anlsfchliefst, Vgl. 
noch Archives de Part frangais I, pag, 357.
        

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